Inwieweit hilft die islamische Wirtschafts- und Finanzarchitektur der Finanzierung von terroristischen Aktionen? Welche Elemente hat die islamische Finanz- und Wirtschaftsphilosophie? Worauf zielt der internationale Terrorismus? Welche Antworten hat die westliche Hemisphäre darauf? Wie sieht die rechtliche EU-Strategie gegen die Finanzierung des internationalen Terrorismus aus? Diese Fragen beleuchtet der Essay.
Inhaltsverzeichnis
I Grundlagen
1. Die politische und rechtliche Anthropologie des Islam
1.1 Die politische Philosophie und Theorie des Islam
1.2 Das islamische Rechtsverständnis und dessen Philosophie
II Schwierigkeiten der Weltpolitik im 21. Jahrhundert
2.1 Die Theorie Herfried Münklers von der Asymetrierung von Konflikten
2.2 Exkurs: Die asymmetrische-terroristische Konfliktlage als Problem für den bürgerlichen Rechtsstaat
III Die Finanzierungsstrategie des religiösen-offensiven Terrorismus
3.1 Die ökonomische Philosophie des Islam
3.2 Das Hawala-System und die finanzielle Basis des religiös-offensiven Terrorismus
IV EU-Strategie gegen die Finanzstrategie des Terrorismus
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Herausforderungen, denen sich der europäische Rechtsstaat im Kampf gegen die Finanzierung des religiös-fundierten Terrorismus gegenübersieht, und analysiert dabei die notwendige Verbindung zwischen islamischer Philosophie und modernen Sicherheitsstrategien der EU.
- Philosophische Grundlagen der islamischen politischen und rechtlichen Anthropologie
- Asymmetrische Konfliktstrukturen des 21. Jahrhunderts nach Herfried Münkler
- Herausforderungen für den bürgerlichen Rechtsstaat durch religiösen Terrorismus
- Die ökonomische Philosophie des Islam als Grundlage für Finanzierungssysteme
- Analyse informeller Geldtransfersysteme (Hawala) und EU-Gegenmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2.2. Exkurs: Die asymmetrische-terroristische Konfliktlage als Problem für den bürgerlichen Rechtsstaat
Im Gegensatz zur abendländischen Rechts-und Politikphilosophie leitet die islamische Rechtstradition das rechtsstaatliches Denken im Kern aus der Zusammenführung von Körper und Geist ab, die auf einer unabänderlichen göttlichen Offenbarung basiert. Die abendländische Rechts- und Politikkultur beruht auf einem säkularen Staats- und Rechtsverständnis. Aufgrund dessen stellt Otto Depenheuer auch zu Recht fest, dass seit dem 11. September 2001 die westliche Hemisphäre in dreierlei Form gefährdet sei. Zum Einen ideologisch, weil genau die Wertegemeinschaft der Säkularität vom Gegner in Frage gestellt worden ist und weiterhin wird. Zum Anderen sei die Rechtsstruktur in Gefahr und hier vor allem die demokratische Verfassung des Rechtsstaates auch aufgrund der neuen Form der Gewalt, die wir auch schon Münkler folgend genauer analysiert haben. Drittens zwingt die neue Form der Gewalt die westliche Sicherheitsgemeinschaft dazu, über ihre Sicherheitsverfassung nachzudenken.
Depenheuer kommt zudem zu der Erkenntnis, dass bei allen Versuchen der good-governance Strategie des Westens, nichts gegen religiösen Fanatismus hilft, wie schon bei Münkler angedeutet, sondern jedes entsprechende Vorgehen diesem sogar noch zum Auftrieb verhilft. Die religiöse Glaubensüberzeugung, die nicht nur durch den Glauben an sich vorangetrieben würde, ist der eigentliche Grund weshalb jede rechtsstaatliche Rationalität negiert würde. „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ (Depenheuer 2007: 13)
Zusammenfassung der Kapitel
I Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die politische und rechtliche Anthropologie des Islam, wobei der Fokus auf dem Einklang von Körper und Geist sowie den Grundzügen der islamischen Staats- und Rechtsphilosophie liegt.
II Schwierigkeiten der Weltpolitik im 21. Jahrhundert: Hier wird die Theorie der Asymmetrierung von Konflikten nach Herfried Münkler beleuchtet und in einem Exkurs die Problematik der asymmetrisch-terroristischen Konfliktlage für den bürgerlichen Rechtsstaat erörtert.
III Die Finanzierungsstrategie des religiösen-offensiven Terrorismus: Dieses Kapitel analysiert die ökonomische Philosophie des Islam sowie das informelle Hawala-System als finanzielle Grundlage für terroristische Netzwerke.
IV EU-Strategie gegen die Finanzstrategie des Terrorismus: Hier werden die existierenden EU-Richtlinien und operativen Maßnahmen zur Unterbindung terroristischer Finanzströme auf ihre Tragfähigkeit und Effektivität hin untersucht.
Schlüsselwörter
Terrorismusfinanzierung, Asymmetrische Konflikte, Islamische Philosophie, Rechtsstaat, Hawala-System, EU-Sicherheitsstrategie, Religionsauffassung, Politische Anthropologie, Wirtschaftsverfassung, Radikalisierung, Sanktionen, Sicherheitspolitik, Säkularität, Grundrechte, Gefahrenabwehr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Finanzierungsstrategien von religiös-offensiven Terrornetzwerken und der Frage, wie der europäische Rechtsstaat diesen durch gezielte Sicherheitsstrategien und regulatorische Maßnahmen begegnen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die politische und wirtschaftliche Philosophie des Islam, die theoretische Einordnung asymmetrischer Konflikte sowie die rechtlichen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung innerhalb der Europäischen Union.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die politische und rechtliche Philosophie des Islam sowohl instrumentalisiert als auch falsch verstanden werden kann, und daraus ableitend die Effektivität bestehender EU-Maßnahmen zur Unterbindung illegaler Finanzströme kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die politikwissenschaftliche und rechtsphilosophische Theorien (u.a. von Münkler und Depenheuer) mit Analysen islamischer Rechtsquellen und aktuellen Berichten zur Terrorismusfinanzierung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Grundlegung (Anthropologie und Ökonomie des Islam), eine sicherheitspolitische Analyse der asymmetrischen Konfliktführung und eine detaillierte Prüfung der europäischen Strategien und Verordnungen zur Terrorismusbekämpfung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Terrorismusfinanzierung, asymmetrische Konfliktführung, islamische Rechtsphilosophie, Hawala-System und europäische Sicherheitsverfassung charakterisiert.
Warum stellt das Hawala-System eine solche Herausforderung für die EU dar?
Das Hawala-System ist ein informelles Geldtransfersystem, das sich aufgrund seiner Intransparenz, Schnelligkeit und des Fehlens einer klassischen Buchführung außerhalb der überwachten Bankenstrukturen bewegt, was die Identifikation von Transaktionsströmen erschwert.
Inwieweit wird der Begriff des "Feindes" im Kontext des Rechtsstaates problematisiert?
Die Arbeit diskutiert, dass der Terrorist das Rechtssystem negiert, während der Rechtsstaat gezwungen ist, ihn als Rechtssubjekt zu behandeln. Dies führt zu einem Dilemma, da klassische Sanktionsmodelle bei Akteuren, die das System grundsätzlich zerstören wollen, möglicherweise ihre Wirkung verlieren.
- Arbeit zitieren
- Ilya Zarrouk (Autor:in), 2008, Islamische Wirtschafts- und Finanzphilosophie. Die EU-Strategie gegen die Finanzierung des Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/351882