Geschlechterunterschiede und die Erklärung von deren Ursachen sind bekannte Gebiete psychologischer Forschung. In dieser Arbeit werden Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Selbstvertrauen im Wettbewerb betrachtet.
Vorerst wird festgestellt, dass tendenziell bei Männern mehr Selbstvertrauen in Wettbewerbssituationen beobachtet wird. Daraufhin wird dieser Unterschied aus der sozialkonstruktivistischen und evolutionspsychologischen Perspektive untersucht. Während ersterer Ansatz den Einfluss des sozialen Umfeldes auf Geschlechterunterschiede betont, begründet letzterer diesen durch adaptive Vorteile durch verschiedenartige Veranlagung beider Geschlechter.
Aus sozialkonstruktivistischer Perspektive finden sich beispielsweise auf der Seite der Frauen ein unvorteilhafter Attribuierungsstil, Furcht vor Erfolg und dessen negativen Konsequenzen sowie die Befürwortung von Stereotypen über Wettbewerbsfähigkeit. Die Evolutionspsychologie erklärt den Unterschied dadurch, dass Männer einen Vorteil durch hohes Selbstvertrauen im Wettbewerb hatten. Für Frauen hingegen überwogen die Risiken gegenüber den möglichen Gewinnen im Wettbewerb, weshalb für sie ein niedriges Selbstvertrauen in Wettbewerben von Vorteil war, was zur Vermeidung von ebendiesen führte.
Um den Grad des Einflusses von Veranlagung und sozialer Umwelt festzustellen, können Kulturunterschiede erforscht werden. Weiterführend wird ein Kulturvergleich von Geschlechterunterschieden im Selbstvertrauen im Wettbewerb in Bezug auf weitgehende Ähnlichkeiten und Abweichung empfohlen.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Einleitung
Geschlechterunterschiede im Selbstvertrauen im Wettbewerb
Sozialkonstruktivistische Erklärungsansätze
Konflikte mit dem traditionellen Rollenbild der Frau
Verhaltensbestätigung
Attribuierungsstil
Furcht vor Erfolg
Befürwortung von Stereotypen
Evolutionspsychologische Erklärungsansätze
Vorteil von hohem Selbstvertrauen für Männer
Vorteil von niedrigem Selbstvertrauen für Frauen
Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Selbstvertrauen bei Wettbewerbssituationen und analysiert diese durch zwei gegensätzliche theoretische Perspektiven: sozialkonstruktivistische Ansätze, die den Einfluss des sozialen Umfelds betonen, und evolutionspsychologische Ansätze, die biologische Anpassungsvorteile in den Vordergrund stellen.
- Analyse der geschlechtertypischen Leistungsunterschiede in Wettbewerben
- Einfluss sozialer Faktoren wie Rollenbilder und Erziehung
- Bedeutung biologischer Faktoren und sexueller Selektion
- Gegenüberstellung von Verhaltensmustern und Selbstbewertungsstrategien
- Reflektion über die universelle vs. kulturabhängige Geltung dieser Unterschiede
Auszug aus dem Buch
Konflikte mit dem traditionellen Rollenbild der Frau
Das traditionellen Rollenbild der Frau weist Inkompetenz (Fiske, 1998) und Sorge um das Wohlbefinden anderer als Inhalte auf, während Wettbewerbsfähigkeit fehlt, bzw. dem männlichen Geschlecht zugeschrieben wird (Bem, 1974 nach Witt & Wood, 2010). Diesem widersprechen gute Leistungen im Wettbewerb, da diese Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit aussagen, und Verlieren beim Gegenüber negative Gefühle auslösen kann. Das Nichtentsprechen eigener Geschlechtsstandards verursacht unangenehme Emotionen (Witt & Wood, 2010; Bem & Lenney, 1976), weshalb Menschen eine Konformität mit diesen anstreben. Laut Hogg und Vaughan (2011, S. 361) schränken Rollen durch ihre Rollenanforderungen das mögliche Verhaltensspektrum so ein, dass vorrangig das erwartete Verhalten gezeigt wird. Dies hat primär Folgen auf die Leistungsfähigkeit von Frauen in Wettbewerben, jedoch nicht unmittelbar auf ihr Selbstvertrauen. Es bleibt offen, ob das Rollenbild neben Leistungsminderung auch Auswirkungen auf das Selbstvertrauen der Frauen hat.
Zudem ist eine weitere Möglichkeit mit dem Konflikt aus guten Leistungen und der Rolle als Frau umzugehen, bei Wettbewerben nicht vorhanden. Diese wäre bspw. im akademischen Kontext, die guten Leistungen zu verstecken. (Helgeson, 2012, S. 186). Da in offen ausgetragenen Wettbewerben die Ergebnisse der teilnehmenden Personen bekannt sind, ist diese Möglichkeit hier nicht möglich.
Laut Alagna (1982) können durch das Gutheißen von Wettbewerb durch Peers (,,peer approval“) bessere Leistungen, höherer wahrgenommener Erfolg, mehr Attribuierung von Leistung zu eigenem Können und positiverer Affekt gegenüber der Wettbewerbssituation hervorgerufen werden. Diese Studie lässt vermuten, dass durch dieses Gutheißen die Bewilligung von Wettbewerbsverhalten für Frauen salient vor eigenen Geschlechtsstandards werdne.
Zusammenfassung der Kapitel
Abstract: Ein Überblick über die Forschungsziele und die zentrale Fragestellung zur Untersuchung von Geschlechterunterschieden im Wettbewerbsverhalten.
Einleitung: Einführung in die psychologische Forschungsgeschichte und Definition des Selbstvertrauens als Leistungs- und Erwartungsvariable.
Geschlechterunterschiede im Selbstvertrauen im Wettbewerb: Darstellung der aktuellen Befundlage zu Leistungsunterschieden in kompetitiven Situationen zwischen Männern und Frauen.
Sozialkonstruktivistische Erklärungsansätze: Diskussion, wie soziale Interaktionen und Umweltfaktoren das Selbstvertrauen in Wettbewerben prägen.
Konflikte mit dem traditionellen Rollenbild der Frau: Untersuchung der Spannungen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und kompetitivem Erfolg.
Verhaltensbestätigung: Erläuterung des Phänomens, bei dem stereotype Erwartungen zu leistungsminderndem Verhalten führen.
Attribuierungsstil: Analyse, wie Frauen und Männer Erfolg und Misserfolg unterschiedlich auf interne oder externe Ursachen zurückführen.
Furcht vor Erfolg: Analyse der Befürchtungen von Frauen vor negativen Konsequenzen bei überdurchschnittlichen Leistungen.
Befürwortung von Stereotypen: Untersuchung des Einflusses der Akzeptanz von Geschlechterstereotypen auf die eigene Leistungsüberzeugung.
Evolutionspsychologische Erklärungsansätze: Erklärung der Unterschiede durch biologische Selektionsvorteile und unterschiedliche Reproduktionsstrategien.
Vorteil von hohem Selbstvertrauen für Männer: Begründung, warum maskulines Selbstvertrauen ein Vorteil im intra-sexuellen Wettbewerb um Ressourcen darstellt.
Vorteil von niedrigem Selbstvertrauen für Frauen: Darstellung der adaptiven Strategien, bei denen Vorsicht und Vermeidung von Risiko für Frauen vorteilhaft waren.
Diskussion: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Ausblick auf zukünftige kulturvergleichende Forschungen.
Schlüsselwörter
Selbstvertrauen, Wettbewerb, Geschlechterunterschiede, Sozialkonstruktivismus, Evolutionspsychologie, Rollenbilder, Attribuierungsstil, Furcht vor Erfolg, Stereotype, Geschlechteridentität, Leistungsfähigkeit, Sexuelle Selektion, Geschlechtsstandards, Leistungsminderung, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Untersuchung, warum sich Männer und Frauen in ihrem Selbstvertrauen innerhalb von Wettbewerbssituationen unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die sozialpsychologische Prägung durch Umweltfaktoren sowie evolutionsbiologische Erklärungsmodelle für geschlechtsspezifisches Leistungsverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz im Wettbewerbsverhalten zu beleuchten und zu klären, ob diese Unterschiede eher durch kulturelle Lernprozesse oder biologisch verankerte Selektionsvorteile begründet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine literaturgestützte, theoretische Gegenüberstellung aktueller psychologischer Theorien und Studien aus den Bereichen Sozialkonstruktivismus und Evolutionspsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Sozialkonstruktivismus-Perspektive (Rollenbilder, Attribuierung) und der Evolutionspsychologie (sexuelle Selektion, Überlebensvorteile) und deren jeweilige Auswirkungen auf das Selbstvertrauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Selbstvertrauen, Wettbewerb, Geschlechterunterschiede, Rollenbilder und evolutionäre Anpassung.
Was besagt die Hypothese zum traditionellen Rollenbild?
Die Arbeit führt aus, dass das traditionelle Rollenbild der Frau mit Wettbewerbsfähigkeit kollidiert, was zu einem internalen Konflikt führen kann, der sich negativ auf die wahrgenommene Kompetenz auswirkt.
Wie unterscheidet sich der Attribuierungsstil zwischen den Geschlechtern?
Frauen neigen laut der Arbeit dazu, gute Leistungen eher unbeständigen Faktoren wie Glück zuzuschreiben, während Männer Erfolg häufiger mit ihren eigenen Fähigkeiten begründen.
Was versteht man unter dem evolutionspsychologischen „Vorteil des niedrigen Selbstvertrauens“ für Frauen?
Frauen profitierten historisch gesehen eher durch Risikovermeidung und den Schutz der Nachkommenschaft, weshalb ein vorsichtiges Verhalten in Wettbewerben eine evolutionär adaptive Strategie darstellen konnte.
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- Karina Hagemann (Author), 2015, Geschlechterunterschiede im Selbstvertrauen im Wettbewerb. Sozialkonstruktivistische und evolutionspsychologische Erklärungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/349146