Die vorliegende Arbeit untersucht Catulls "Carmen 22" hinsichtlich der Überlieferungsgeschichte und der Entstehungsgeschichte und bietet eine mögliche Interpretation an. Darüber hinaus werden Catulls Vorbilder vorgestellt und der philosophische Hintergrund, vor dem das Werk entstanden ist, erläutert. Catull gehörte der poetischen Ströung der Neoteriker an, die das Kleine („nugae“) als leitend für ihre Dichtung ansahen.
In scharfer Abgrenzung zum überdimensionierten Epos versuchten die Neoteriker kleine, feine Kunst zu schaffen und diese bis ins letzte Detail zu verfeinern, um somit einen Höchstgrad an poetischer Perfektion zu erlangen. In Catulls Augen war es unmöglich im Rahmen eines mehrere Bücher füllenden Epos´ vollendete Dichtung zu betreiben. In seinen Kreisen beschränkte man sich auf das Überschaubare.
Inhaltsverzeichnis
1. Der zugrunde liegende Textcorpus (nach Christian J. Fordyce)
1.1. Die Überlieferungsgeschichte
1.2. Konjekturen
2. Übersetzung
2.1. Metrische Analyse
3. Entstehungsgeschichte
3.1. Anordnung der Gedichte und eine mögliche Veröffentlichung
4. Interpretation
5. Catulls Vorbilder und philosophischer Hintergrund
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich analytisch mit Catulls Carmen 22 auseinander, um sowohl die textkritischen Grundlagen als auch die literarische Qualität und den philosophischen Kontext des Gedichts innerhalb der neoterischen Dichtkunst zu beleuchten.
- Philologische Untersuchung des Carmen 22 und dessen Überlieferungsgeschichte
- Metrische Analyse des Hinkjambus (Choliambus)
- Interpretation der literarischen Selbstreflexion und der Kritik am Dichterling Suffenus
- Einordnung des Werks in den Kontext der neoterischen Dichtungsphilosophie
- Diskussion der poetischen Vorbilder, insbesondere des Einflusses von Kallimachos
Auszug aus dem Buch
1. Der zugrunde liegende Textcorpus (nach Christian J. Fordyce)
Suffenus, iste Vare, quem probe nosti, homo est uenustus et dicax et urbanus, idemque longe plurimos facit uersus. puto esse ego illi millia aut decem aut plura perscripta, nec sit ut fit in palimpseston 5 relata: cartae regiae, noui libri, noui umbilici, lora rubra membranae, decreta plumpo et pumice omnia aequata. haec cum legas tu, bellus ille et urbanus Suffenus unus caprimulgus aut fossor 10 rursus uidetur: tantum abhorret ac mutat. hoc quid putemus esse? qui modo scurra aut si quid hac re scitius uidebatur, idem infaceto est infacetior rure, simul poemata attigit, neque idem umquam 15 aeque est beatus ac poema cum scribit: tam gaudet in se tamque se ipse miratur. nimirum idem omnes fallimur, neque est quisquam, quem non in aliqua re uidere Suffenum possis. suus cuique attributus est error, 20 sed non uidemus manticae quod in tergo est.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der zugrunde liegende Textcorpus (nach Christian J. Fordyce): Dieses Kapitel widmet sich der philologischen Grundlage des Gedichts, erläutert die Überlieferungsgeschichte des Codex Veronensis und diskutiert verschiedene Konjekturvorschläge für umstrittene Textstellen.
2. Übersetzung: Hier wird das Carmen 22 ins Deutsche übertragen und durch eine metrische Analyse ergänzt, die das Versmaß des Hinkjambus (Choliambus) erläutert.
3. Entstehungsgeschichte: Das Kapitel untersucht die Lebensdaten Catulls sowie Fragen zur ursprünglichen Anordnung und Veröffentlichung seiner Gedichtsammlung.
4. Interpretation: Eine detaillierte Analyse der beiden Teile des Gedichts, wobei insbesondere das Verhältnis von literarischer Kritik und dem "Dichterling" Suffenus im Zentrum steht.
5. Catulls Vorbilder und philosophischer Hintergrund: Der Abschnitt bettet Catull in die Strömung der Neoteriker ein und analysiert den Einfluss von Kallimachos sowie die poetologischen Prinzipien der Zeit.
Schlüsselwörter
Catull, Carmen 22, Neoteriker, Hinkjambus, Choliambus, Codex Veronensis, Kallimachos, Suffenus, Nugae, Epyllion, Antike Dichtkunst, Philologie, Literarische Kritik, Römische Literatur, Poetologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer wissenschaftlichen Untersuchung des Carmen 22 des römischen Dichters Catull und analysiert dieses im Kontext der neoterischen Dichtkunst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Überlieferungsgeschichte, der metrischen Struktur, der literaturwissenschaftlichen Interpretation sowie dem philosophischen Hintergrund der neoterischen Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die künstlerische Qualität des Carmen 22 aufzuzeigen, Catulls Kritik an dilettantischer Dichtung zu deuten und die Einbettung des Gedichts in die antike literarische Tradition zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philologisch-interpretative Methode angewandt, die auf der Analyse des lateinischen Textcorpus, metrischen Untersuchungen und dem Vergleich mit antikem Literaturwissen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die textkritische Analyse, die Übersetzung mit metrischer Begründung, die historische Einordnung der Entstehung sowie eine tiefgehende Interpretation des Gedichtinhalts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Catull, Neoteriker, Hinkjambus, Kallimachos, literarische Kritik und antike Dichtkunst.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Dichterlings" Suffenus im Gedicht?
Suffenus dient Catull als Kontrastfigur zur neoterischen Ästhetik; er repräsentiert die dilettantische Vielschreiberei, die Catulls Ideal der handwerklichen Perfektion und Kürze entgegensteht.
Welche Rolle spielt die Metrik für die Interpretation?
Die Verwendung des Hinkjambus unterstreicht die neoterische Affinität zu hellenistischen Versmaßen und ordnet das Carmen 22 formal in die Reihe der anspruchsvollen, fein strukturierten Kleinformen ein.
- Arbeit zitieren
- M. A. Marc Andre Ziegler (Autor:in), 2004, Catulls "Carmen 22" als Beispiel neoterischer Dichtkunst, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/347140