Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Konstruktionsmethoden von Exchange Traded Funds (ETFs) sowie das Aufzeigen der Anwendung von ETFs in der Vermögensanlage zur Steigerung der Rendite und/oder Reduzierung des Risikos im Anlageportfolio. Anhand von drei Investmentstrategien werden die positiven Aspekte von ETFs in der Vermögensanlage auch schematisch aufgezeigt. Das Augenmerk liegt insbesondere auf neuartigen ETFs, welche Indizes mit verringertem Risiko abbilden („Minimum Volatility ETFs“).
Abschließend wird ein Resümee zur Arbeit gezogen und ein Ausblick gegeben.
ETFs sind gemäß Übersetzung aus dem Englischen börsengehandelte Investmentfonds. Aus dem Sprachgebrauch heraus verbindet man ETFs jedoch mit börsengehandelten passiven Indexfonds. Ursprüngliches Ziel eines ETFs ist die möglichst exakte Abbildung des zugrundeliegenden Index. Man nennt dieses Bestreben auch „Tracking“. Ziel einer passiven Anlagestrategie ist es, ein vorgegebenes Referenzportfolio am Markt („Benchmark“) möglichst genau abzubilden.
Die Wertentwicklung von aktiv verwalteten Investmentfonds / Portfolios sowie die Fähigkeit von Vermögensverwaltern, den Markt mit aktiven Ansätzen in einem längeren Zeitraum zu übertreffen, wird grundsätzlich angezweifelt und ist von namhaften Ökonomen widerlegt. Es gilt als erwiesen, dass aktiv verwaltete Portfolios im längerfristigen Durchschnitt keine bessere Rendite als vergleichbare Marktindizes oder passiv verwaltete Indexfonds generieren.
Die Anwendung der relativ jungen Produktgattung Exchange Traded Funds als passive Investmentmöglichkeit erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei institutionellen und privaten Anlegern. Zu Recht, da die wesentlichen Produkteigenschaften von ETFs überwiegend Vorteile in der Vermögensanlage mit sich bringen. Vor allem portfolioindividuelle Investmentstrategien lassen sich mit ETFs geschickt umsetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Marktüberblick und Produkttrends bei Exchange Traded Funds (ETFs)
2.1 Historie und Anbieter von ETFs
2.2 Verwaltetes Anlagevermögen in ETFs
2.3 Produkttrends bei ETFs
3. Konstruktion und Produkteigenschaften von ETFs
3.1 Konstruktionsmethoden von ETFs
3.1.1 Vollständige Replikationsmethode
3.1.2 Synthetische Replikationsmethode (Swap)
3.1.3 Optimized Sampling - Methode
3.2 Wesentliche Produkteigenschaften von ETFs
3.2.1 Diversifikation
3.2.2 Handelbarkeit/ Liquidität
3.2.3 Transparenz
3.2.4 Kosten
4. Anwendung von ETFs in der Vermögensanlage
4.1 Vorteile von ETFs in der Vermögensanlage
4.2 Nachteile von ETFs in der Vermögensanlage
4.3 Investmentstrategien mit ETFs
4.3.1 Strategische Asset Allocation
4.3.2 Risikobasierte Asset Allocation
4.3.3 Core-Satellite-Strategie
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktionsmechanismen von Exchange Traded Funds (ETFs) und analysiert deren Nutzen für die Vermögensanlage mit dem Ziel, Renditen zu steigern oder Risiken zu minimieren. Dabei wird insbesondere auf moderne, risikobasierte Investmentstrategien wie Minimum-Volatility-ETFs und die Core-Satellite-Strategie eingegangen.
- Grundlagen der Konstruktionsmethoden (physisch, synthetisch, Sampling)
- Wesentliche Produkteigenschaften wie Diversifikation, Transparenz und Liquidität
- Vor- und Nachteile von ETFs im Portfoliokontext
- Analyse der Asset Allocation mittels strategischer und risikobasierter Ansätze
- Praktische Umsetzung mittels Core-Satellite-Modellen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Synthetische Replikationsmethode (Swap)
Die physische Replikation stößt in manchen Fällen an ihre gesetzlichen oder wirtschaftlichen Grenzen. Aufgrund der hohen Anzahl von Einzelwerten in einigen Indizes (z.B. dem MSCI World-Index), kann die Anpassung der Wertpapierkörbe kostenintensiv sein. Weiter lassen sich z.B. Rohstoff- oder Short-Indizes nicht mit der vollständigen Replikationsmethode abbilden. Bei Indizes mit Einzelwerten von über 35% wird eine physisch replizierende Nachbildung sogar durch rechtliche Vorschriften (UCITS IV) verhindert.23
Um auch diese Indizes bzw. Assetklassen wirtschaftlich und rechtlich als ETF darstellen zu können, wird auf die synthetische Replikation zurückgegriffen. Dazu werden derivative Instrumente, sogenannte „Swaps“ eingesetzt, welche die Indexbewegungen exakt darstellen.
Ein „Swap“ (engl. Tausch) ist eine Vereinbarung zwischen mindestens zwei Parteien, zu festgelegten Zeitpunkten Zahlungen auszutauschen. Diese bindende Vereinbarung wird auch bei einer negativen Auswirkung für eine der Parteien erfüllt.24 Gemäß OGAW-Richtlinie 85/611/EWG Artikel 22 bzw. § 22 DerivateV darf ein ETF maximal 10 Prozent des Sondervermögens in derivative Instrumente (Swaps) investieren.
Das ETF-Management erstellt somit ein Wertpapierportfolio zu mind. 90% des Sondervermögens eines ETFs, welcher unabhängig vom abzubildenden Index sein kann, aber dennoch den Regeln des Investmentgesetzes (§ 60 InvG) unterliegt. Der Swap sichert zu jedem Zeitpunkt die exakte Indexperformance des ETF ab. Die Vertragspartner verpflichten sich zu einer Ausgleichszahlung, sollten Differenzen in der Wertentwicklung zwischen dem abzubildenden Index und dem Wertpapierkorb auftreten.25
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert ETFs als börsengehandelte passive Indexfonds und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, deren Konstruktionsmethoden und Anwendungsmöglichkeiten darzustellen.
2. Marktüberblick und Produkttrends bei Exchange Traded Funds (ETFs): Das Kapitel gibt einen historischen Rückblick und analysiert das Marktwachstum, die bedeutendsten Anbieter sowie aktuelle Trends, insbesondere bei Strategie-ETFs.
3. Konstruktion und Produkteigenschaften von ETFs: Hier werden die verschiedenen Replikationsmethoden sowie zentrale Qualitätsmerkmale wie Transparenz, Liquidität und Kosten detailliert erläutert.
4. Anwendung von ETFs in der Vermögensanlage: Dieses Kapitel verknüpft ETF-Eigenschaften mit theoretischen Ansätzen der Portfoliomanagement-Theorie und stellt Strategien zur Risiko-Rendite-Optimierung vor.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Vorteile von ETFs und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfelds und der Honorarberatung.
Schlüsselwörter
Exchange Traded Funds, ETFs, Asset Allocation, Replikation, Tracking Error, Diversifikation, Liquidität, Kostenstruktur, TER, Minimum-Volatility, Core-Satellite-Strategie, Portfoliooptimierung, Swap, Finanzmärkte, Geldanlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Exchange Traded Funds (ETFs) als Instrument der modernen Vermögensanlage, wobei der Fokus auf ihrer Konstruktion und ihrem Einsatz innerhalb verschiedener Anlagestrategien liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die technischen Replikationsmethoden, die Produkteigenschaften wie Transparenz und Liquidität sowie die Anwendung von ETFs innerhalb der strategischen und risikobasierten Asset Allocation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Mehrwert von ETFs bei der Steigerung der Rendite und der Reduzierung des Portfoliorisikos anhand theoretischer Modelle und praktischer Strategien aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender finanzwissenschaftlicher Theorien (wie die Portfoliotheorie nach Markowitz) sowie auf eine schematische Darstellung von Investmentstrategien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Analyse der Indexnachbildung (physisch vs. synthetisch), eine Bewertung der Produkteigenschaften sowie eine ausführliche Diskussion der Anwendungsmöglichkeiten in der Vermögensverwaltung.
Was charakterisiert diese Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von ETF-Strukturdaten mit klassischen Kapitalmarkttheorien aus und bietet praxisnahe Beispiele zur Portfoliooptimierung.
Was unterscheidet synthetische von physischen ETFs?
Physische ETFs investieren direkt in die Indextitel, während synthetische ETFs über Swap-Geschäfte eine garantierte Indexperformance durch einen Vertragspartner absichern.
Wie kann ein Anleger das Portfoliorisiko mit ETFs senken?
Dies kann durch den Einsatz von Minimum-Volatility-ETFs geschehen, die statistisch so zusammengesetzt sind, dass sie Aktien mit geringer Volatilität und Korrelation bevorzugen.
Welche Bedeutung hat die Core-Satellite-Strategie?
Sie erlaubt es Anlegern, den Kern ihres Portfolios durch breit gestreute ETFs stabil zu halten, während gezielte Satelliten-Investments dazu dienen, mögliche Überrenditen (Alpha) zu generieren.
Wie bewertet der Autor die Zukunft der ETF-Branche?
Der Autor erwartet ein anhaltendes Wachstum, insbesondere getrieben durch das Niedrigzinsumfeld und eine zunehmende Professionalisierung der Anlagestruktur in Deutschland.
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- Rainer Emslander (Author), 2014, Exchange Traded Funds. Konstruktion und Anwendung bei der Vermögensanlage, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/345244