Um sich bewusst zu machen, ob der Konstruktivismus im 'Lernsystem Schule' die nötigen Methoden und Denkweisen darbietet, um Lernen ansprechender und lebensnaher zu gestalten, folgt in dieser Ausarbeitung nach einer konzeptuellen Vorstellung der Theorie eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Umsetzungsmöglichkeiten.
Insbesondere werden die Auswirkungen konstruktivistischer Leitideen auf Lernende/Lehrende in Unterrichtsprozessen betrachet. Zunächst bietet sich ein historischer Blick auf die Entwicklung des Konstruktivismus an. Seine Kernaussagen werden dargestellt und durch biologisch-kognitive Erkenntnisse untermauert.
Im Hauptteil der Arbeit liegt der Fokus auf schulischen Lernsituationen, die unter verschiedenen konstruktivistischen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Chancen und Probleme für Lernende und Lehrende werden aufgezeigt. Letztendlich soll herausgearbeitet werden, welche Chancen konstruktivistische Leitideen in der Schulwelt haben und welche Konsequenzen sich hierfür auch für die Lehrerausbildung ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konstruktivismus
2.1 Entwicklung einer interdisziplinären Theorie
2.2 Biologische Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung
3. Konstruktivismus und Schule
3.1 Probleme eines starren Curriculums
3.2 Umdenken von Problemsituationen
4. Konstruktivistische Auffassung von ‘Lernen‘
4.1 Kommunikation als Anregung von Lernprozessen
4.2 Viabilität als Lernantrieb
4.3 Kersten Reichs Auffassung von ‘Lernen‘
5. Lehr- und Lernprozesse konstruktivistisch interpretiert
5.1 Konstruktivistische Lernprinzipien
5.2 Das Interaktionssystem Unterricht als Lernantrieb
5.3 Die Bedeutung der Lehrer-Schüler Beziehung
6. Auswirkungen konstruktivistischem Umdenkens
6.1 Chancen und Probleme für Lernende
6.2 Chancen und Probleme für Lehrkräfte
6.3 Konsequenzen für die Hochschulausbildung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit konstruktivistischen Paradigmen und deren praktischen Umsetzungsmöglichkeiten im Lernsystem Schule auseinander, wobei der Fokus auf einem Wandel der Lehr-Lern-Kultur weg von rein instruktionsbasierten Modellen liegt.
- Grundlagen des Konstruktivismus als interdisziplinäre Theorie.
- Analyse konstruktivistischer Ansätze für schulische Lernumgebungen.
- Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung und der Kommunikation.
- Herausforderungen für Lernende und Lehrkräfte im Schulalltag.
- Konsequenzen für eine notwendige Reform der Hochschulausbildung von Lehrkräften.
Auszug aus dem Buch
4.1 Kommunikation als Anregung von Lernprozessen
Anknüpfend an die biologischen Befunde konstruktivistischer Theorien sollen diese nun auf Lernprozesse im schulischen Bereich bezogen werden. Basierend auf den biologisch-erkenntnistheoretischen Befunden von Maturana und Varela kann und muss man davon ausgehen, dass Wissen von einer Lehrperson nicht in den Kopf der Schüler/in transportiert werden kann (Siebert 1994, S.45). Im Unterrichtsgeschehen kann Sprache aus konstruktivistischer Sicht nicht die Fähigkeit besitzen, Wissen und Begriffe „von einer Person zu einer anderen zu übermitteln“ (von Glasersfeld 1995, S.8). Audiovisuelle Reize, die der Lernende wahrnimmt, sind damit erst einmal bedeutungsfrei. In einer Kommunikationssituation verstehen Personen Informationen „gemäß (ihrer) eigenen Strukturdeterminiertheit“ (Wyrwa 1995, S.20). Worte (oder Schrift) dienen dabei zwar als Anregung (Höbarth 2013, S.29), das eigentliche Wissen entspringt jedoch einer mentalen und kognitiven Konstruktion (Neubert/Reich/Voß, S.256) als „Resultat der aktiven Erfahrungsinterpretation“ (Terhart 1999, S.639).
Infolgedessen bieten die biologischen Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn seine Umwelt wahrnimmt, ein neues Verständnis von Lehr- und Lernkontexten, die der Konstruktivismus zu definieren sucht (Krüssel 2009, S.92). Die Verbindung verdeutlicht Siebert (1994, S.45): Genauso wie Erkennen nicht die genaue Abbildung einer äußeren Wirklichkeit ist, ist Lernen nicht das Abbild von Lehren. Konstruktivistisch betrachtet ist Lernen noch nicht einmal eine Reaktion zu ‘Lehren’, sondern wird selbsttätig ausgeführt. „Bildung können wir nur selbst erwerben, nicht, weil ein anderer es will“ schreibt Kluge (2003, zit. nach Arnold/Gómez 2007, S. 74). Hierdurch wird der Lernkulturwandel deutlich, der sich im letzten Jahrhundert vollzogen hat. Wenn Lernen erfolgreich sein soll, muss es selbstgesteuert ablaufen. Dadurch wird der vorherrschenden Vorstellung, Wissen sei machbar, entgegengesprochen (ebd., S.74).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung des gesellschaftlichen Bedarfs an pädagogischem Wandel und Einführung in die konstruktivistische Sichtweise auf schulisches Lernen.
2. Konstruktivismus: Darstellung der interdisziplinären Wurzeln der Theorie sowie der biologischen Grundlagen menschlicher Wahrnehmung als geschlossenes System.
3. Konstruktivismus und Schule: Kritische Analyse der Probleme starrer Curricula und Plädoyer für ein Umdenken in Problemsituationen innerhalb des Schulsystems.
4. Konstruktivistische Auffassung von ‘Lernen‘: Untersuchung der Rolle von Kommunikation und Viabilität als Lernantrieb sowie Vorstellung von Kersten Reichs interaktionistischem Ansatz.
5. Lehr- und Lernprozesse konstruktivistisch interpretiert: Erörterung konstruktivistischer Lernprinzipien, des Interaktionssystems Unterricht und der Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung.
6. Auswirkungen konstruktivistischem Umdenkens: Diskussion der Chancen und Probleme für Lernende und Lehrkräfte sowie der notwendigen Konsequenzen für die Hochschulausbildung.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der praktischen Relevanz konstruktivistischer Leitideen und deren Einordnung in den Schulalltag.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Schulpädagogik, Selbststeuerung, Lernprozesse, Viabilität, Wirklichkeitskonstruktion, Interaktionssystem, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Didaktik, kognitive Umstrukturierung, Lernkulturwandel, Autonomie, Bildungstheorie, Kompetenzentwicklung, subjektive Wirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht konstruktivistische Erklärungsmodelle für Lehr- und Lernprozesse und deren Anwendbarkeit im schulischen Kontext, um den Wandel weg von der klassischen Belehrungsdidaktik zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die biologischen Grundlagen der Wahrnehmung, die konstruktivistische Didaktik, das Verhältnis von Lehrer und Schüler sowie die Herausforderungen einer notwendigen Reform der Lehrerbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie konstruktivistische Leitideen Lernen lebensnäher gestalten können und welche Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung im System Schule sowie in der Hochschulausbildung erforderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse, bei der zentrale konstruktivistische Paradigmen (u.a. von Maturana, Varela, Reich) kritisch in Bezug auf ihre schulische Umsetzbarkeit reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die spezifische Analyse schulischer Lernsituationen (Kommunikation, Viabilität, Lernprinzipien) und die Auswirkungen auf die Akteure (Schüler und Lehrer).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Konstruktivismus, Selbststeuerung, Wirklichkeitskonstruktion, Lernprozesse und Schulpädagogik definieren.
Inwiefern beeinflussen biologische Erkenntnisse die konstruktivistische Schulpädagogik?
Biologische Befunde, etwa von Maturana und Varela, belegen, dass das Gehirn ein autopoietisches, geschlossenes System ist, weshalb Wissen nicht direkt transportiert, sondern nur vom Lernenden selbst konstruiert werden kann.
Warum wird im Fazit die Notwendigkeit eines Wandels der Hochschulausbildung betont?
Da Lehramtsstudierende oft noch in traditionellen, mechanistischen Lernstrukturen sozialisiert sind, ist eine Reform der Hochschuldidaktik essenziell, damit diese künftigen Lehrkräfte konstruktivistische Ansätze authentisch in die eigene spätere Schulpraxis einbringen können.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Konstruktivistische Erklärungsmodelle von Lehr - und Lernprozessen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/344767