Diese Arbeit soll sich mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Berliner Mauer beschäftigen. Dabei soll die Mauer selbst nicht ausschließlich als „Schandmauer“ verstanden, sondern unter anderen Aspekten als Leinwand, Inspirationsquelle und Gesamtkunstwerk betrachtet werden.
Um die Rahmenbedingungen nachvollziehen zu können, soll zunächst ein zeitlicher Abriss über den Mauerbau wiedergegeben werden. Im Anschluss werden die einzelne Aktivitäten
verschiedener Künstler vorgestellt, um die Vielseitigkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Mauer zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Mauerbau
Grenzmauer 75
Anfänge und Entwicklungstendenzen der Mauerkunst
Graffiti
Thierry Noir – „Klotz- Stein und Eierköpfe“
Keith Haring - „Figurenkette“
Installationskunst
Christophe Bouchet - „Hommage a Marcel Duchamp“
Peter Unsicker - die „Wall Street Gallery“
Aktionskunst
Allan Kaprow und René Block - „Sweet Wall“
Die tödliche Doris
Kain Karawahn - „Berliner Mauer - Flammen“
Stephan Elsner - „Grenzverletzung“
Die Aktion weißer Strich
Die Mauer in der Erinnerungskultur
Die East Side Gallery
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berliner Mauer als künstlerisches Objekt und beleuchtet, wie Künstler die Teilung durch verschiedene Ausdrucksformen wie Graffiti, Installationen und Aktionen kritisch hinterfragten und neu kontextualisierten. Ziel ist es, die Mauer nicht nur als physische Barriere zu begreifen, sondern ihre Rolle als Inspirationsquelle und Leinwand aufzuzeigen, die einen künstlerisch-moralischen Diskurs über die innerdeutsche Grenze ermöglichte.
- Historischer Kontext der Berliner Mauer
- Künstlerische Auseinandersetzung und Graffiti als Widerstand
- Installationskunst und ihre provokative Wirkung
- Formen der Aktionskunst und Grenzerfahrungen
- Die Mauer in der heutigen Erinnerungskultur und die East Side Gallery
Auszug aus dem Buch
Thierry Noir – „Klotz- Stein und Eierköpfe“
Thierry Noir trat als erstes als bedeutender Mauerkünstler in Erscheinung und beteiligte sich auch nach dem Fall noch aktiv an der Gestaltung von Mauersegmenten in der East Side Gallery.
Der gebürtige Franzose reiste 1982, im Alter von knapp 24 Jahren, nach Westberlin, jedoch zunächst ohne Zukunftsaussichten oder jeglicher beruflicher Perspektive. Im Kreis der Kreuzberger Künstlerszene fühlte er sich schnell heimisch und sah sich gezwungen, den tristen, grauen Alltag mit seiner Kreativität farbig auszugestalten.
So begann er, im Frühjahr 1984, die Mauer zu bemalen – ohne damit jedoch eine tiefgehende Absicht zu verfolgen. Er wohnte zu jener Zeit im „Georg von Rauch Haus“, einem zu jener Zeit besetzen Haus in Berlin Kreuzberg, in dem er auch auf andere Künstler, wie Christophe Bouchet oder Kiddy Citny traf, die sich später an der Mauergestaltung beteiligten.
Sie verfolgten mit ihrer Bemalung lediglich die Absicht, sich den Blick nach draußen etwas bunter zu gestalten.10 Noir verspürte den Drang, „irgend etwas gegen diese beängstigende Mauer zu tun. Eine Art körperliche Reaktion gegen den Druck des täglichen Lebens neben der Berliner Mauer.“11
Erschwert war dies durch die finanzielle Situation des Künstlers, die es ihm nur erlaubte, Farbreste zu verwerten. Zusammen mit dem Christophe Bouchet, Kiddy Citny und Alexander Hacke gestalteten sie die Mauer immer umfassender aus.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Berliner Mauer als Kunstobjekt und Zielsetzung der Arbeit.
Mauerbau: Überblick über den historischen Prozess der Grenzbefestigung und die Entstehung des DDR-Grenzregimes bis zur Grenzmauer 75.
Anfänge und Entwicklungstendenzen der Mauerkunst: Analyse der ersten künstlerischen Versuche am Niemandsland und der Entwicklung hin zur flächendeckenden Mauerkunst.
Graffiti: Darstellung der Rolle von Graffiti als politischer Ausdruck und die Einordnung der Berliner Mauer als größtes Graffiti-Objekt der Welt.
Installationskunst: Vorstellung provokativer Installationen, die den täglichen Gebrauch und die Symbolik der Teilung hinterfragten.
Aktionskunst: Untersuchung von performativen Aktionen, die durch ihre temporäre Natur oder gefährliche Inszenierung Aufmerksamkeit auf das Grenzregime lenkten.
Die Mauer in der Erinnerungskultur: Betrachtung der Kommerzialisierung von Mauerstücken nach der Wende und die Entstehung der East Side Gallery als Denkmal.
Zusammenfassung: Fazit zur Bedeutung der künstlerischen Arbeit als Mittel zur geistigen Überwindung der Mauer.
Schlüsselwörter
Berliner Mauer, Mauerkunst, Graffiti, Installationskunst, Aktionskunst, Thierry Noir, DDR-Grenzregime, Ost-West-Teilung, East Side Gallery, Widerstand, Erinnerungskultur, Betonrecycling, Grenzverletzung, Politische Kunst, 1980er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die künstlerische Auseinandersetzung mit der Berliner Mauer während der Zeit der Teilung und betrachtet diese nicht nur als Schandmauer, sondern als Leinwand und Inspirationsquelle für Künstler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören die historischen Hintergründe des Mauerbaus, verschiedene Kunstströmungen wie Graffiti, Installationen und Aktionskunst sowie die spätere Erinnerungskultur.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Vielseitigkeit und den enormen Stellenwert der künstlerischen Reaktion auf die innerdeutsche Teilung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einem historischen Abriss sowie einer dokumentarischen Auswertung von Künstleraktivitäten und deren künstlerisch-moralischer Intention.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene künstlerische Gattungen: Graffiti, Installationen und Aktionen, illustriert durch konkrete Beispiele wie die Werke von Thierry Noir oder die „Wall Street Gallery“.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind Mauerkunst, Widerstand, DDR-Grenzregime, Erinnerungskultur und die Transformation der Mauer vom Sperrelement zum Kunstobjekt.
Wie reagierten die DDR-Grenztruppen auf die künstlerischen Aktionen?
Die Reaktionen reichten von der Zerstörung oder Demontage der Kunstwerke bis hin zur Festnahme, Verhängung von Einreiseverboten oder Haftstrafen für die Akteure.
Warum spielt die "East Side Gallery" eine besondere Rolle für das Thema?
Sie gilt als das bedeutendste Relikt der Mauerkunst, das nach der Wende als Kompromiss zwischen Behörden und Künstlern entstand und heute als längste Freiluftgalerie der Welt unter Denkmalschutz steht.
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- Clara Göbel (Author), 2011, Die Berliner Mauer als Kunstobjekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/342470