Der Essay untersucht das Beziehungsdreieck Geld, Schulden und Gesellschaft unter sozialanalytischen Gesichtspunkten. Dabei zeigt er auf, wie man sich in Europa seit dem 13. Jahrhundert auf das Geld als ein durch Kredit bzw. Schulden generiertes Konstrukt bezieht und geht dabei der Frage nach, was für die Zukunft einer modernen Gesellschaft daraus abzuleiten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Wer Geld hat, schuldet
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische und philosophische Entwicklung des Verhältnisses von Geld und Schulden, hinterfragt die Systematik der Zinseszinsspirale und plädiert für eine ethische Neuausrichtung des Finanzsystems im Sinne eines Gemeinwohls.
- Historische Ursprünge der Geldwirtschaft im Spätmittelalter
- Die moralische und religiöse Umdeutung von Profit und Zins
- Entwicklung und Wirkung der Mindestreserve und des Schuldensystems
- Das Londoner Schuldenabkommen als historisches Modell für Schuldenerlass
- Kritik am gegenwärtigen auf Zinseszins basierenden Finanzsystem
Auszug aus dem Buch
Wer Geld hat, schuldet
Wir kennen es nicht anders, als dass Geld und Schulden zusammengehören, weshalb in einem Wirtschaftsraum wie beispielsweise dem des EURO der Summe der Geldvermögen stets die Summe der Geldschulden gegenüberstehen. Allerdings ist das schuldenfinanzierte stofflose „moderne“ Geld, dessen Illusionscharakter Günter Schmölders bereits in den 1950er Jahren enthüllte und nun angesichts des vermeintlichen Zwangs zur Finanzierung griechischer wie spanischer Staatsdefizite jedermann vor Augen geführt wird, keine „Erfindung“ der Neuesten Geschichte. Seine Ursprünge gehen auf die Zeit des Spätmittelalters und der frühen Renaissance zurück, als das Wirtschaftsleben in den italienischen Handelszentren eine außerordentliche Intensität erlangte.
Während anderswo der Übergang zur Geldwirtschaft sich unter großen moralischen Hemmungen vollzog, man denke nur an die Verteufelung des Geldes durch Luther, erlebte Norditalien zu Anfang des 13. Jahrhunderts die Blüte des Frühkapitalismus, die den Menschen an die Stelle von Gott rückte wie schon im kaiserlichen Rom. Es begann das Zeitalter der Industrie und des Handels, das gekennzeichnet war von schöpferischem Unternehmergeist, großen Wagemut und einer Fülle genialen Erfindertums.
Das theoretische Fundament für diese Entwicklung legte der Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci. Sein im Jahre 1202 erschienenes „Buch der Rechenkunst“ trug durch die Einführung der „indischen Methode der Mathematik“ – also der Verbreitung der sog. arabischen Zahlen samt der Null – den Bedürfnissen des aufblühenden globalen Handels Rechnung, der bis dahin nach dem für komplexe Berechnungen ungeeigneten römischen Zahlensystem verfahren musste.
Zusammenfassung der Kapitel
Wer Geld hat, schuldet: Das Kapitel erläutert die historische Genese des modernen Geldsystems ausgehend von der Renaissance und beleuchtet die problematische Kopplung von Geld und Schuld sowie die Rolle der Zinseszinsmechanismen.
Schlüsselwörter
Geld, Schulden, Zinseszins, Renaissance, Frühkapitalismus, Mindestreserve, Schuldenerlass, Wirtschaftsgeschichte, Finanzsystem, Gemeinwohl, Profitstreben, Londoner Schuldenabkommen, Fibonacci, Währungssystem, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung des aktuellen Finanz- und Schuldensystems und kritisiert dessen fundamentale Abhängigkeit von Zinseszinsen und exponentiellem Wachstum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Geldwirtschaft seit der Renaissance, die Rolle der Zinsen im sozialen Kontext und die historische Relevanz von Schuldenschnitten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass das aktuelle Geldsystem kein Naturgesetz ist, sondern ein historisch gewachsenes Konstrukt, das durch ethische Neuausrichtung zugunsten des Gemeinwohls verändert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Betrachtung, die durch ökonomische und kulturhistorische Quellen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Transformation des Geldbegriffs vom antiken Opfergeld zum modernen Machtinstrument sowie die Entstehung des Bankensystems und der Mindestreserve.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Geld, Schulden, Zinseszins, Renaissance und Gemeinwohl sind die prägenden Begriffe der Untersuchung.
Warum spielt das Londoner Schuldenabkommen von 1952 eine so große Rolle für den Autor?
Es dient als praktisches Beispiel dafür, wie ein massiver Schuldenerlass eine wirtschaftliche Erholung (das „Wirtschaftswunder“) erst ermöglichte und damit als Gegenmodell zur ständigen Schuldenreproduktion fungiert.
Inwieweit kritisieren die Autoren die Rolle der Zinsen?
Zinsen werden als „alles vernichtende Zinseszinsspirale“ kritisiert, die soziale Beziehungen zerstört und den Menschen in eine permanente Schuldendienst-Abhängigkeit zwingt.
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- Magister Artium Björn Rosenstiel (Author), 2012, Die Entwicklung der Geldwirtschaft. Wer Geld hat, schuldet, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/341823