Immer wieder hört man von gewalttätigen Übergriffen gegen Schwarze in Südafrika, obwohl die Apartheid seit 1994 abgeschafft ist. Es stellt sich die Frage, wie sich Südafrika mehr als zwanzig Jahre nach Ende der Apartheid gesellschaftlich und politisch entwickelt hat.
Die Hausarbeit befasst sich also mit der Frage, ob sich nach der Apartheid in Südafrika im Bezug auf den Umgang mit Gewalt eine friedliche Gesellschaft entwickeln konnte. Analysiert wird diese Frage anhand der Gewalt und Kriminalität in Südafrika während und nach der Apartheid.
Im Jahr 2013 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel zur Polizeigewalt in Südafrika. Hierbei ging es um einen schwarzen Taxifahrer in Johannesburg, welcher ohne nennenswerten Grund von Polizisten aus seinem Taxi gezerrt wurde und anschließend am Polizeiauto festgebunden zum Polizeirevier geschleift wurde. Dieser Vorfall brutaler unbegründeter Gewalt, erinnert an die Zeit der Apartheid.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das zivilisatorische Hexagon
3. Der Gewaltbegriff nach Galtung
4. Der Fall Südafrika
4.1 Kulturelle Gewalt
4.2 Strukturelle Gewalt
4.3 Direkte Gewalt
4.4 Resumé
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob sich in Südafrika mehr als zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid eine friedliche Gesellschaft entwickeln konnte. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert auf den Umgang mit Gewalt in der südafrikanischen Gesellschaft, wobei die historische Entwicklung von Gewaltstrukturen analysiert wird.
- Analyse des zivilisatorischen Hexagons nach Dieter Senghaas als friedenswissenschaftlicher Rahmen.
- Anwendung des differenzierten Gewaltbegriffs nach Johan Galtung (direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt).
- Untersuchung der historischen Bedingungen während der Apartheid von 1948 bis 1994.
- Bewertung der gesellschaftlichen und politischen Lage im Nach-Apartheid-Südafrika.
- Empirische Betrachtung der Mordraten als Indikator für direkte Gewalt.
Auszug aus dem Buch
3. Der Gewaltbegriff nach Galtung
Der Begriff „Gewalt“ ist sehr komplex. Anerkannt ist wird der Gewaltbegriff nach Galtung, der hier näher betrachtet wird. Der Friedensforscher und Soziologe Johan Galtung beschreibt drei Formen von Gewalt, welche zusammen auftreten und in Abhängigkeit zueinander stehen. Bricht in einer Ecke Gewalt aus, kann diese schnell auf die anderen Formen übergehen.
Galtung unterscheidet die direkte oder personelle Gewalt, die strukturelle Gewalt sowie die kulturelle Gewalt (Cultural Violence 1990, 294).
Die direkte Gewalt schließt alle Aktionen ein, bei welchen der Gewaltakt unmittelbar sichtbar ist. Hier bezieht sich also die Handlung auf eine konkrete Person. Beispiele für direkte Gewalt sind mitunter Mord sowie auch sexuelle Gewalt. (Strukturelle Gewalt 1975, 10f.)
Während die Aktionen bei der direkten Gewalt auf einzelne Personen zurückzuführen sind, handelt es sich bei der strukturellen Gewalt um ein System und nicht um eine konkrete Person, das Schaden zufügt. Dieses System ist geprägt von ungleichen Machtstrukturen und in daraus resultierender sozialer Ungerechtigkeit. (ebd, 10)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Polizeigewalt und gesellschaftlichen Spannungen im Post-Apartheid-Südafrika ein und definiert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2. Das zivilisatorische Hexagon: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Modell von Dieter Senghaas, welches Frieden als einen Zivilisierungsprozess definiert, der auf sechs zentralen Kriterien wie Gewaltmonopol und Rechtsstaatlichkeit beruht.
3. Der Gewaltbegriff nach Galtung: Hier werden die drei Dimensionen der Gewalt nach Johan Galtung – direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt – definiert und ihr wechselseitiger Zusammenhang dargelegt.
4. Der Fall Südafrika: In diesem Hauptteil wird die historische und aktuelle Situation Südafrikas anhand der drei Gewaltkategorien analysiert, wobei ein besonderer Fokus auf den Auswirkungen der Apartheid-Politik liegt.
4.1 Kulturelle Gewalt: Dieses Unterkapitel untersucht, wie Ideologien der Rassentrennung und Überlegenheit die Gewalt gegen Schwarze während der Apartheid legitimierten und wie sich dies nach 1994 gewandelt hat.
4.2 Strukturelle Gewalt: Der Abschnitt analysiert die institutionelle Benachteiligung, Gesetze wie den „Population Registration Act“ und die andauernden sozioökonomischen Ungleichheiten in Südafrika.
4.3 Direkte Gewalt: Mittels statistischer Auswertungen der Mordraten von 1950 bis 2015 wird das Ausmaß der physischen Gewalt in den verschiedenen Epochen verglichen.
4.4 Resumé: Dieses Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Erbe der Apartheid weiterhin tief in der Gesellschaft verankert ist.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass trotz des Endes der Apartheid auf dem Papier keine friedliche Gesellschaft im Sinne des zivilisatorischen Hexagons entstehen konnte, da die strukturelle und direkte Gewalt weiterhin präsent sind.
Schlüsselwörter
Apartheid, Südafrika, Gewalt, Frieden, zivilisatorisches Hexagon, Dieter Senghaas, Johan Galtung, strukturelle Gewalt, direkte Gewalt, kulturelle Gewalt, Rassentrennung, Kriminalität, Menschenrechte, Friedensforschung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob sich Südafrika nach dem Ende der Apartheid zu einer friedlichen Gesellschaft entwickeln konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen Friedens- und Konfliktforschung, die Untersuchung von Gewaltformen sowie die historische Analyse des politischen Systems in Südafrika.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, unter Anwendung des „zivilisatorischen Hexagons“ und Galtungs Gewaltbegriff zu klären, inwieweit das Ziel einer friedlichen Gesellschaft nach 1994 erreicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine theoretisch fundierte Analyse verwendet, die Modelle von Senghaas und Galtung auf historische und aktuelle Daten (z.B. Mordstatistiken) anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung von kultureller, struktureller und direkter Gewalt im Kontext der südafrikanischen Geschichte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Apartheid, zivilisatorisches Hexagon, Gewaltformen sowie das Post-Apartheid-Südafrika.
Inwiefern beeinflusst das Modell von Senghaas die Untersuchung?
Das Hexagon dient als Maßstab, um zu bewerten, welche Bedingungen für einen erfolgreichen Zivilisierungsprozess und Frieden in Südafrika notwendig wären.
Welche Rolle spielen die Mordstatistiken für die Schlussfolgerung des Autors?
Die Statistiken dienen als empirischer Beleg dafür, dass trotz politischer Reformen die direkte Gewalt, gemessen an der Mordrate, im internationalen Vergleich extrem hoch bleibt.
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- Anonym (Author), 2015, Gewalt und Kriminalität in Südafrika vor, während und nach der Apartheid. Eine Untersuchung anhand Senghaas' zivilisatorischen Hexagons, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/341814