Diese Arbeit beinhaltet die Untersuchung des sozialphilosophischen Denkens Johann Wolfgang Goethes gegenüber der Französischen Revolution in ihren Anfangsjahren. Da es kaum Zeugnisse über Goethes Reaktionen innerhalb dieses Zeitraumes gibt, müssen seine Werke hinsichtlich dessen untersucht werden. Das Motiv für die spärlichen Informationen über Goethes Reaktionen könnte in seiner starken politischen Tätigkeit unter Herzog Carl August begründet sein. Demnach untersteht er dem Absolutismus und kann nichts gegen diesen äußern, ohne dabei die Autorität des Herzogs anzugreifen. Deshalb war er in dieser Zeit sehr vorsichtig mit Anmerkungen zur Revolution umgegangen.
Der Einwand, die von Goethe verfassten autobiographischen Schriften die Campagne in Frankreich und die Belagerung von Maynz als Reflexionen Goethes über die Französische Revolution heranzuziehen, muss widerlegt werden, da diese Schriften in zu großer zeitlicher Distanz zum Geschehenen, nämlich erst 1822, veröffentlicht und einige Jahre zuvor geschrieben wurden. Im Nachhinein kann man ja immer behaupten, die Revolution durch diesen oder jenen Aspekt voraus gesehen zu haben. Außerdem sind viele Emotionen und Erinnerungen nach so langer Zeit in einer abgeschwächten und verklärten Version vorhanden, was man selbst sicher auch schon mal festgestellt hat. Allgemeinhin ist dennoch bekannt, dass Goethe der Revolution von Beginn an negativ gegenüberstand.
Es stellt sich nun die Frage, wie Goethe seine Ansichten über die ersten Jahre der Revolution von 1787-1793 in seinen Werken reflektiert hat. Denn ein Autor kann, wenn sein Kommentar zu einem Thema nur unter Befangenheit möglich ist zu geben, in seinen Werken indirekt, z. B. mittels Metaphern und Anspielungen, seine Ansichten kundtun. Daher ist es sinnvoll den Groß-Cophta von 1791 und den Bürgergeneral von 1793 nach den Revolutionsreflexionen Goethes werkimmanent zu untersuchen. Hierzu ist es wichtig, den
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Groß-Cophta
2.1 Werkentstehung und historischer Kontext
2.2 Revolutionsreflexionen
2.2.1 Halsbandaffäre
2.2.2 Geheimgesellschaften
2.2.3 Korruptes Adelsgeschlecht
2.2.4 Schlussfolgerungen Goethes
3 Der Bürgergeneral
3.1 Werkentstehung und historischer Kontext
3.2 Revolutionsreflexionen
3.2.1 Revolutionsangst in Deutschland
3.2.2 Kritik an Bürgern in höheren Ämtern
3.2.3 Jakobinerkritik
3.2.4 Schlussfolgerungen Goethes
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sozialphilosophische Denken Johann Wolfgang Goethes im Kontext der frühen Jahre der Französischen Revolution, indem sie seine Werke Groß-Cophta und Bürgergeneral werkimmanent analysiert, um seine indirekt geäußerten politischen Ansichten zu entschlüsseln.
- Analyse von Goethes indirekter politischer Reflexion in seinen dramatischen Werken.
- Untersuchung des historischen Entstehungskontextes der beiden Lustspiele.
- Kritik an Adel, Korruption und Geheimgesellschaften als Symptome gesellschaftlichen Verfalls.
- Analyse der Haltung Goethes zur Französischen Revolution und deren Ausstrahlung auf Deutschland.
- Herausarbeitung von Handlungsanweisungen zum Umgang mit politischer Instabilität.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Halsbandaffäre
Der Werkinhalt erklärt sich fast von selbst, wenn die Halsbandaffäre näher erläutert wird. Jeanne de St. Rémy de Valois, verheiratet mit dem Grafen de La Motte, spielte dem Fürstbischof von Straßburg Louis-René de Rohan, der bei Marie Antoinettes in Ungnade gefallen war und ihre Gunst wieder erlangen wollte, vor, sie sei eine Vertraute der Königin. Dadurch sollte de Rohan de la Motte vertrauen. Sie engagierte Marie-Nicole LeGuay d’Oliva, eine Schauspielerin und Prostituierte, die dem Kardinal vorspielen sollte, sie sei die Königin. Dies geschah im August 1784 im Garten von Versailles. Dort überreichte sie ihm als Zeichen der Wiedererlangung der Gunst des Hofes eine Rose.
Des Weiteren wurden gefälschte Briefe an den Kardinal übergeben. Durch diese wurde ihm weisgemacht, dass die Königin ein Halsband im Wert von 1,9 Mio. Livre kaufen möchte, aber der Kardinal als Käufer auftreten solle. Er kaufte dieses Anfang Februar 1785 und übergab es de la Motte, die als Übermittlerin fungieren sollte. Diese behielt das Halsband für sich, ließ es auseinanderbrechen und verkaufte einen Teil der Diamanten in Frankreich und mittels Ehemann auch in England. Das hatte zur Folge, dass die Zahlungen an die Juweliere ausblieben und diese sich im August 1785 an den Hof wendeten. Dadurch flog der Schwindel auf, de la Motte wurde zu lebenslänglichem Kerker verurteilt, de Rohan und d‘Oliva wurden freigesprochen. Des Weiteren befand sich ein berühmter Abenteurer, Geisterseher und Magier mit Namen Giuseppe Balsamo, der sich fälschlicherweise als Conte Alessandro di Cagliostro ausgab, zum Zeitpunkt dieser Intrige in Paris
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Analyse der Werke Groß-Cophta und Bürgergeneral als Methode, um Goethes vorsichtige, indirekte Revolutionsreflexionen in einer politisch angespannten Zeit zu erfassen.
2 Der Groß-Cophta: Dieses Kapitel beleuchtet die Werkentstehung im historischen Kontext und untersucht mittels der Halsbandaffäre Goethes Kritik an einem korrupten Adel und Geheimgesellschaften als Symptome für den Verfall des Ancien régime.
3 Der Bürgergeneral: Der Fokus liegt hier auf der Revolutionsangst in Deutschland sowie der Kritik an Jakobinern und bürgerlichen Aufsteigern, wobei Goethe Strategien zur Verhinderung revolutionärer Übergriffe skizziert.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Goethe in beiden Werken nicht nur Kritik an den politischen Zuständen übt, sondern konkrete, diskrete Handlungsanweisungen für die Führungsschicht zur Stabilitätssicherung formuliert.
Schlüsselwörter
Goethe, Französische Revolution, Groß-Cophta, Bürgergeneral, Revolutionsreflexionen, Adelskritik, Geheimgesellschaften, Halsbandaffäre, Jakobiner, Ancien régime, Monarchie, politische Stabilität, Ständegesellschaft, Aufklärung, Lustspiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sozialphilosophische Denken Johann Wolfgang Goethes gegenüber der Französischen Revolution, indem sie seine indirekten Äußerungen und Reflexionen in den zwei Lustspielen Groß-Cophta und Bürgergeneral analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Kritik am korrupten Adel, die Gefahr durch Geheimgesellschaften, die Revolutionsangst in Deutschland sowie das Verhältnis von Stabilität und politischem Wandel.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, werkimmanent zu zeigen, wie Goethe durch Metaphern und Anspielungen seine kritische Haltung zur Revolution und zu gesellschaftlichen Umbrüchen reflektiert und welche Handlungsanweisungen er daraus ableitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Untersuchung der beiden Dramen Groß-Cophta und Bürgergeneral unter Einbeziehung des jeweiligen historischen Entstehungskontextes und einschlägiger Sekundärliteratur.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Entstehungsgeschichte, die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Halsbandaffäre und Geheimbünden im Groß-Cophta sowie die Themen Revolutionsangst, Jakobinerkritik und das Verhalten bürgerlicher Aufsteiger im Bürgergeneral.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Goethe, Französische Revolution, Adelskritik, Geheimgesellschaften, Ancien régime, politische Stabilität und Ständegesellschaft bestimmt.
Warum hält Goethe ein diskretes Vorgehen des Adels bei Skandalen für notwendig?
Goethe argumentiert, dass eine öffentliche Aufarbeitung von Skandalen in den Führungsschichten die Monarchie schwächen und angreifbar machen würde, weshalb eine diskrete Bestrafung als „edle Tat“ zur Wahrung der Ordnung dient.
Wie bewertet Goethe das Aufbrechen der Ständegesellschaft im Bürgergeneral?
Goethe betrachtet dies kritisch und sieht in der Anmaßung unterer Schichten, höhere Ämter zu bekleiden, eine Gefahr für den Staat, da diese dazu neigen, nicht zum Wohle des Ganzen, sondern egoistisch zu handeln.
- Arbeit zitieren
- Marita Becker (Autor:in), 2014, Goethes Revolutionsreflexionen in seinen Werken "Der Groß-Cophta" und "Der Bürgergeneral", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/341605