„At the heart of research on social dilemmas lies the question of human nature. Are we selfish creatures or do we act for the benefit of the common good?“ (Biel, 2000, S.25). Seit Ende der 50er Jahre gewinnen experimentelle Untersuchungen in der Ökonomie immer mehr an Bedeutung für die Wissenschaft. Die Überprüfung von Theorien mittels kontrollierter Experimente ist Gegenstand der experimentellen Wirtschaftsforschung. Sie widmet sich unter anderem dem Problem der Bereitstellung öffentlicher Güter und insbesondere dem Trittbrettfahrerproblem. Dieses Problem wird auch als Soziales Dilemma bezeichnet, da potenzielle Nutzer nicht von dem Konsum eines Gutes ausgeschlossen werden können, auch wenn die Kosten für die Bereitstellung lediglich von einzelnen Individuen getragen werden. Soziale Dilemmata stellen demzufolge Situationen dar, in denen Individuen einen Konflikt zwischen der Maximierung ihres persönlichen Gewinns und dem kollektiven Interesse sehen.
Die Vorliegende Arbeit beschreibt die Ergebnisse eines Experiments zum Einfluss unterschiedlicher Treatments auf die Kooperationsbereitschaft von 34 Probanden in einem Public Good Game. Sofern eine Änderung in Form von Treatments einen Einfluss auf das Beitragsniveau der einzelnen Spieler entfalten würde, ließe sich daraus möglicherweise eine Lösung für Gemeingüterprobleme finden. Demzufolge galt es zu ergründen, wie ein gesellschaftlich wünschenswertes Beitragsniveau zum öffentlichen Gut erreicht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Öffentliche Güter - Definition und theoretische Grundlagen
2.2 Modelltheoretische Analyse
2.3 Spieltheoretische Analyse
3. Experiment
3.1 Experimentelles Design
3.2 Auswertung der Ergebnisse
3.2.1 Kontrollrunde
3.2.2 Charity-Treatment
3.2.3 Gruppen-Treatment
3.2.4 Golden-Balls-Treatment
4. Kritische Stellungnahme und Ausblick
5. Fazit
A.1 Instruktionen zur Erläuterung des Experiments
A.2 Spielregeln
A.2.1 Kontrollrunde
A.2.2 Charity-Runde
A.2.3 Gruppen-Runde
A.2.4 Golden-Balls-Runde
A.3 Beiträge in das öffentliche Gut
A.4 Wilcoxon-Test
A.5 Qualitative Auswertungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht experimentell den Einfluss verschiedener Treatments auf die Kooperationsbereitschaft von Probanden in einem Public Good Game, um Lösungsansätze für soziale Dilemmata und das Trittbrettfahrerproblem zu identifizieren.
- Analyse der Theorie öffentlicher Güter und sozialer Dilemmata
- Durchführung eines experimentellen Public Good Games mit vier Runden
- Untersuchung von Charity-Spenden als Anreizmechanismus
- Vergleich von Individual- gegenüber Gruppenentscheidungen
- Einfluss von medialem Priming auf das Kooperationsverhalten
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Kontrollrunde
Wie oben bereits erwähnt, handelte es sich bei der ersten Runde um ein klassisches öffentliches Gut Spiel, welche über alle Runden hinweg die Kontrollrunde darstellte. Der Payoff eines einzelnen Spielers setzt sich aus dem investierten Betrag in das Privatkonto und der Auszahlung aus dem Gruppenkonto zusammen. Infolgedessen ergibt sich für den Ertrag Πi für jedes Individuums folgende Auszahlungsfunktion: Die spieltheoretische Annahme lautet, um seinen eigenen Payoff zu maximieren, leistet kein Spieler einen Beitrag zum öffentlichen Gut. Somit verfolgt jeder Spieler die dominante Strategie (vgl. hierzu u.a. Dawes und Thaler, 1988, S.187; Ledyard, 1995, S.112; Palfrey, Prisbrey, 1996, S.409; Anderson et al., 1998, S.297f; Fehr, Gächter, 2000, S.980).
In der Empirie existieren jedoch Abweichungen zu der spieltheoretischen Vorhersage, denn Ergebnisse aus anderen Experimenten zeigen, dass Probanden, hauptsächlich begründet durch Altruismus bzw. Warm-Glow-Präferenzen, Reziprozität, Fairness oder den Confusion-Effekt, in den ersten Runden einen Beitrag in das öffentliche Gut leisten, welcher durchschnittlich bei etwa 40 – 60 Prozent der Spielmarken liegt. Weiterhin heißt es in der Literatur, dass die Beiträge in das öffentliche Gut tendenziell bei Wiederholung des Spieles sinken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Problem öffentlicher Güter und Darstellung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
2. Theoretischer Hintergrund: Erläuterung der ökonomischen Definition öffentlicher Güter sowie modell- und spieltheoretische Herleitung des sozialen Dilemmas.
3. Experiment: Detaillierte Beschreibung des experimentellen Designs und Auswertung der Ergebnisse aus vier verschiedenen Runden (Kontroll-, Charity-, Gruppen- und Golden-Balls-Runde).
4. Kritische Stellungnahme und Ausblick: Reflexion über die Aussagekraft der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Stichprobe sowie Diskussion praktischer Anwendungsfelder.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der experimentellen Erkenntnisse und Bestätigung der Hypothesen zu den Auswirkungen unterschiedlicher Treatments.
Schlüsselwörter
Öffentliche Güter, Public Good Game, soziales Dilemma, Trittbrettfahrerproblem, Kooperationsbereitschaft, experimentelle Wirtschaftsforschung, Charity-Treatment, Gruppentscheidungen, mediales Priming, Rational Egoists, Conditional Cooperators, Spieltheorie, Nash-Gleichgewicht, Warm-Glow-Effekt, Verhaltensökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Kooperationsverhalten in sozialen Dilemma-Situationen, speziell bei der Bereitstellung öffentlicher Güter.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der spieltheoretischen Analyse von Anreizstrukturen, dem Einfluss von Altruismus sowie der Wirkung von Gruppenkontexten und medialem Priming.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, ob und wie unterschiedliche Rahmenbedingungen (Treatments) ein gesellschaftlich wünschenswertes Beitragsniveau zum öffentlichen Gut fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein kontrolliertes Laborexperiment mit einem wiederholten, jedoch in den Runden unabhängigen, Public Good Game (within-subjects design) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die empirischen Ergebnisse aus vier Runden, wobei jede Runde eine spezifische Variation (z.B. Spendenbezug, Gruppenentscheidung, Videopriming) aufweist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Public Good Game, soziales Dilemma, Free-Riding, Kooperationsbereitschaft und Warm-Glow-Effekt.
Was bewirkt das Charity-Treatment laut den Ergebnissen?
Das Charity-Treatment führt zu einer signifikant höheren Kooperationsbereitschaft, da die Spieler einen Anreiz verspüren, durch ihre Investition Gutes für eine Organisation zu tun.
Warum konnten für das Gruppen-Treatment keine signifikanten Effekte nachgewiesen werden?
Es wird vermutet, dass die geringe Anzahl der Gruppen sowie konkurrierende Effekte wie soziale Erwünschtheit innerhalb der Gruppen das Ergebnis beeinflusst haben könnten.
Welchen Einfluss hatte das Golden-Balls-Video (Priming)?
Das Video löste ein negatives mediales Priming aus, welches das egoistische Verhalten der Probanden im Vergleich zur Kontrollrunde verstärkte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Praxis?
Der Autor schlussfolgert, dass die Erkenntnisse zur Förderung von Kooperation auf aktuelle Probleme wie den Klimaschutz übertragen werden können, sofern Rahmenbedingungen gezielt beeinflusst werden.
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- Gabriele Alheid (Author), 2012, Public Good Experiment. Experimentelle Wirtschaftsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/338276