Diese Arbeit soll sich mit folgender Frage beschäftigen: Inwiefern werden Scham und Schuld in der Schöpfungsgeschichte und dem Sündenfall um Adam und Eva thematisiert und dargestellt? Der Teil des Alten Testaments, der in dieser Arbeit analysiert werden soll, gehört zu den am meisten gelesenen und am häufigsten interpretierten Erzählungen der Weltliteratur und trotzdem ist diese Geschichte bis heute noch nicht zu Ende erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise
2 Scham und Schuld
2.1 Was ist Scham?
2.2 Was ist Schuld?
3 Die Schöpfung und der Sündenfall
4 Schuld und Scham in Genesis 2-3
4.1 Schuld in Genesis 2-3
4.2 Scham in Genesis 2-3
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Thematisierung von Scham- und Schuldgefühlen in der biblischen Erzählung von der Schöpfung und dem Sündenfall. Dabei liegt der Fokus nicht auf einer rein theologischen Analyse, sondern auf der Bedeutung dieser Affekte für die moderne westliche Gesellschaft und ihre individuellen sowie zwischenmenschlichen Herausforderungen.
- Definition und Abgrenzung der Affekte Scham und Schuld
- Analyse der biblischen Genesis-Erzählung (Kapitel 2 und 3)
- Untersuchung der psychologischen Dynamiken von Autonomie und Entfremdung
- Bedeutung der Schamgrenze im Zeitalter der Individualisierung
- Vergleich historischer biblischer Narrative mit heutigen gesellschaftlichen Normen
Auszug aus dem Buch
4.2 Scham in Genesis 2-3
Aufbauend auf die, im vorangegangenen Abschnitt erfolgte Analyse des Bibeltextes im Zusammenhang mit Schuld, wird dieser nun hinsichtlich der Thematisierung von Scham untersucht.
Anstatt das direkte Fehlverhalten von Adam und Eva zu benennen, wird in Genesis drei kunstvoll auf dessen Folgen hingewiesen (vgl. Backhaus & Fischer, 2000, S. 13). In Genesis zwei stellt die Nacktheit von Adam und Eva beispielsweise überhaupt kein Problem dar: „Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, doch sie schämten sich nicht voreinander.“ (Gen 2,25). In Genesis drei, nachdem die Sünde begangen wurde, verhält es sich dann ganz anders.
Durch das Essen vom Baum der Erkenntnis gehen den beiden die Augen auf und sie erkennen, dass sie nackt sind. Bisher hatten die beiden damit keine Probleme, aber jetzt versuchen sie ihre nackten Körper zu bedecken: „Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.“ (Gen 3,7). Die Kleidung ist hier ein Zeichen der Scham (vgl. Trilling, 1964, S. 73). Hinzu kommt, dass die beiden sich auch noch vor Gott verstecken: „Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens.“ (Gen 3,8). Nun könnte man meinen, Adam und Eva versteckten sich nur vor Gott, weil sie sich ihrer Schuld bewusst werden und den Zorn und die Vergeltung Gottes fürchten. Diese Annahme wird jedoch durch Adams Aussage widerlegt, in der er Gott erklärt, warum die beiden sich vor ihm verstecken: „...da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.“ (Gen 3,10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die hohe Gegenwartsbedeutung der Analyse von Scham und Schuld anhand der Sündenfall-Erzählung.
2 Scham und Schuld: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Scham und Schuld wissenschaftlich, beschreibt ihre jeweiligen Anzeichen und untersucht die komplexe Abgrenzung der beiden Affekte.
3 Die Schöpfung und der Sündenfall: Das Kapitel bietet einen inhaltlichen Überblick über die Genesis-Erzählung im Kontext des Alten Testaments und betrachtet die Entstehung und Bedeutung dieser Texte.
4 Schuld und Scham in Genesis 2-3: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Genesis-Texte, wobei das Entstehen von Schuld durch den Beziehungsbruch und die Entdeckung der Scham nach dem Sündenfall untersucht werden.
5 Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, inwiefern der Sündenfall als Fundament für das Verständnis von Scham und Schuld in der heutigen, säkularisierten Gesellschaft dienen kann.
Schlüsselwörter
Scham, Schuld, Sündenfall, Genesis, Adam und Eva, Autonomie, Entfremdung, Psychologie, Gesellschaft, Normen, Individuation, Schamgrenze, Theologie, Selbstbewusstsein, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert, wie die Begriffe Scham und Schuld in der biblischen Geschichte von Adam und Eva thematisiert werden und welche Relevanz diese alten Motive für unsere heutige Gesellschaft besitzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologische Definition von Scham und Schuld, die exegetische Untersuchung der Genesis 2-3 sowie die gesellschaftliche Reflexion über Moral und Individualisierung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Darstellungsformen von Scham und Schuld in der Schöpfungsgeschichte herauszuarbeiten und zu prüfen, inwiefern diese für moderne Wertvorstellungen und gesellschaftliche Regelsysteme bedeutsam sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und psychologisch fundierte Analyse angewandt, die durch ein Close Reading der biblischen Textstellen die Dynamik von Schuld und Scham freilegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung der Affekte und eine tiefgehende Exegese der Genesis 2-3, in der der Übergang von der Unschuld zur Schuld und Scham analysiert wird.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Scham, Schuld, Sündenfall, Genesis, Autonomie, Entfremdung und die heutige gesellschaftliche Bedeutung dieser Konzepte.
Wie unterscheidet sich laut der Arbeit die Entstehung von Scham und Schuld?
Schuld resultiert meist aus einem Normverstoß, der sich auf den Geschädigten bezieht, während Scham häufig durch eine akute Bloßstellung und die Wahrnehmung des eigenen Körpers vor einem Beobachter entsteht.
Warum spielt die Nacktheit von Adam und Eva eine so zentrale Rolle?
Die Nacktheit steht symbolisch für den Zustand vor der "anthropologischen Differenz"; erst durch den Sündenfall werden sie sich ihrer selbst bewusst, was zur Scham über die eigene Erbärmlichkeit führt.
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- Ronja Schmidt-Prestin (Author), 2014, Die Schöpfung und der Sündenfall. Genesis 2-3 im Kontext von Schuld und Scham, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/337658