Ich möchte mich im Folgenden näher mit einer Überlebenstechnik aus der Verhaltensbiologie der Tierwelt - mit der Mimikry - auseinandersetzen.
Ausgehen möchte ich dabei von einer selbstgewählten Bildquelle. Ich werde die Bildquelle zunächst beschreiben und die formalen Bildkriterien herausarbeiten (2.), um die einzelnen Bildelemente in einem anschließenden Schritt zu deuten. Hierzu möchte ich verschiedene kulturelle und geschichtliche Gegenstände und Symbole in dieser Fotografie beleuchten:
Ich werde einen Bezug zu Federn und Federkopfschmuck und deren Bedeutung in Kulturen naturvölkischer Stämme auf der ganzen Welt herstellen. Weiterhin möchte ich den kulturellen und geschichtlichen Kontext der Maskierung erörtern und auch hier besonderes Augenmerk auf die Praktiken der Naturvölker legen. Anschließend möchte ich der Bedeutung des Vogels bzw. des Pfaus als Symbol verschiedener Kulturen Beachtung schenken. Auch mit Farbdeutungen bezogen auf das Farbschema der Bildquelle und das Thema Survival werde ich mich näher befassen.
Am Ende jeder „Objektdeutung“ wird eine Bezugnahme auf das Thema Survival und eine erste Anwendung auf die Bildquelle stattfinden. Hierbei werden unterschiedlichste Aspekte zum Ausdruck kommen: Neben dem praktischen, „nackten“ Überleben, setze ich in meiner Arbeit einen besonderen Fokus auf das soziale, gesellschaftliche „Überleben“. Es werden in diesem Zusammenhang unterschiedlichste Mythen und Gesellschaftsgruppen Anklang finden. Vielfach werde ich auch bestimmte Rituale und Zeremonien naturvölkischer Stämme und deren Todes-Vorstellungen erläutern.
3. In der finalen Interpretation möchte ich einen größeren Bogen spannen, indem ich anhand der Bildquelle beweise, dass die Technik der Mimikry zwischen Tier und Tier einseitig auch auf Mensch und Tier übertragbar ist. Ein größerer Zusammenhang wird hergestellt werden, zwischen Masken/Federschmuck und der Identifikation mit Wesen der Tierwelt, im Besonderen mit Wesen der Vogelwelt. Hierzu werde ich dieses naturvölkische Phänomen ergänzend weiter ausführen.
Letztlich möchte ich erarbeiten, welche Stellung Mimikry für den sozialen Überlebenskampf des menschlichen Individuums und die soziale Identität noch heute und auch in unserer Kultur einnimmt. Dabei kommt der Maskierung erneut eine tragende Rolle zu - vor allem bezogen auf den Karneval.
Inhaltsverzeichnis
1. Von der Feder zur Mimikry - Einleitung
1.1 Mimikry als Maske? - Eine Einführung
2. Grün in Grün - Eine Bildbeschreibung
2.1 Die Magie des Federschmucks
2.2 Von Totemtieren, Pharaonen und Karnevalisten - Die Maske
2.3 Pfau-Symbolik und Mythologie des Vogels
2.4 Bemalung und Federn - Die zweite Haut
2.5 Chlorophyll bis „Baumgefühl“ - Die Farbe Grün
2.6 Majestätische Wildheit - Deutungsergebnis
3. Das Verzauberungs-Phänomen und der Mensch als Mimet - Interpretation / Ergebnis / Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der biologischen Überlebenstechnik der Mimikry und der menschlichen Praxis der Maskierung sowie Körpergestaltung. Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Technik der Mimikry einseitig auf das Verhältnis von Mensch und Tier übertragbar ist und zur sozialen Identitätsstiftung sowie als Überlebensstrategie fungiert.
- Sozio-kulturelle Bedeutung von Federschmuck und Masken
- Symbolgehalt von Vögeln und Pfauen in verschiedenen Kulturen
- Funktion von Körperbemalung als „zweite Haut“
- Farbsymbolik und deren Einfluss auf die psychologische Wirkung
- Der Mensch als Mimet und die psychologische Transformation durch Maskierung
Auszug aus dem Buch
1.1 Mimikry als Maske? - Eine Einführung
In diesem Kapitel möchte ich einen kurzen Einblick in die klassische Mimikry der tierischen Verhaltensbiologie geben, um dies im Schlussteil als Grundlage nutzen zu können.
Gemeinhin kann laut dem deutschen Biologen und Zoologen Prof. Klaus Lunau zwischen Bates´scher, Müller´scher und Peckham´scher Mimikry unterschieden werden; diese Differenzierung ist zur Behandlung meines Themas jedoch nicht relevant und ich werde darum nur eine allgemeine Zusammenfassung formulieren: Wie der deutsche Zoologe, Verhaltensforscher und Publizist Wolfgang Wickler in seinen Ausführungen nahelegt, sei die Mimikry eine Form der Signalfälschung, bei der Nachahmer (Mimet) und Vorbild als Signalsender und ein Signalempfänger beteiligt seien. Mimikry-Systeme beschreibt Wickler demnach als Kommunikation zwischen Sendern und Empfängern von Signalreizen, wobei Signalempfänger auf das „ursprüngliche“ Signal und seine Nachahmung in gleicher Weise reagierten. Man spreche nur von Mimikry, wenn der Signalempfänger getäuscht würde und diese Täuschung bestehe in einer ungenügenden oder fehlenden Unterscheidung zwischen Vorbild und Nachahmer, so Wickler.
Wie Biologe und Zoologe Prof. Dr. Jürgen Markl u.a. hinzufügen, werde die Mimikry auch als Scheintracht oder Scheinwarntracht bezeichnet und finde bei bestimmten Arten als Schutzmechanismus Anwendung. Dies zeigen Markl u.a. an einem populären Beispiel:
Die Zeichnung Schwarz-Gelb (wie z.B. auch Schwarz-Rot) besitze einen Warn-Charakter, da viele Arten mit dieser Färbung chemische Schutzmechanismen oder Giftapparate aufwiesen, die die erfolgreiche Erbeutung durch einen Räuber erschwerten oder unmöglich machten. Auch gebe es Hinweise darauf, dass Räuber bei derart gefärbten Beutetieren vorsichtig agierten oder diese mieden. Somit könne gleich eine ganze Reihe von Arten von Schwarz-Gelb profitieren, wie z.B. Bienen, Feuersalamander, oder Hornissenschwärmer. Durch die Warntracht haben sie einen Überlebens-Vorteil, so Markl u.a. Sie stellen in ihren Ausführungen heraus, es handele sich bei Mimikry um unehrliche Kommunikation zwischen den Arten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Von der Feder zur Mimikry - Einleitung: Die Einleitung führt in den Begriff Survival ein und umreißt das Forschungsvorhaben, die biologische Mimikry auf kulturelle Maskierungsrituale zu übertragen.
1.1 Mimikry als Maske? - Eine Einführung: Dieses Kapitel definiert die biologischen Grundlagen der Mimikry als Form der Signalfälschung und Schutzmechanismus in der Tierwelt.
2. Grün in Grün - Eine Bildbeschreibung: Es erfolgt eine detaillierte formale Analyse der Fotografie „Marcie“, wobei die Bildelemente wie Kleidung, Federschmuck und Hintergrund beschrieben werden.
2.1 Die Magie des Federschmucks: Untersuchung der sozialen und magischen Funktion von Federschmuck bei Naturvölkern als Statussymbol und Schutz.
2.2 Von Totemtieren, Pharaonen und Karnevalisten - Die Maske: Analyse der Maske als rituelles Instrument zur Identitätsstärkung und zur Verwandlung des Menschen in ein mythologisches Wesen.
2.3 Pfau-Symbolik und Mythologie des Vogels: Erörterung der ambivalenten Bedeutung des Pfaus, der sowohl für Unsterblichkeit und Schönheit als auch für Eitelkeit stehen kann.
2.4 Bemalung und Federn - Die zweite Haut: Auseinandersetzung mit Körperbemalung als Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit, Status und magischem Schutz.
2.5 Chlorophyll bis „Baumgefühl“ - Die Farbe Grün: Analyse der Farbsymbolik von Grün in Bezug auf Leben, Natur, aber auch in seiner ambivalenten Wirkung als Farbe des Dämonischen.
2.6 Majestätische Wildheit - Deutungsergebnis: Zusammenführende Interpretation der Bildelemente und deren Wirkung auf den Betrachter sowie die Rolle des Survivals.
3. Das Verzauberungs-Phänomen und der Mensch als Mimet - Interpretation / Ergebnis / Ausblick: Finale Konkretisierung der These der Transformation des Menschen in ein tierisches Wesen durch Maskierung und deren psychologische Dimensionen.
Schlüsselwörter
Mimikry, Survival, Maskierung, Federschmuck, Körperbemalung, Identität, Pfauensymbolik, Ritus, Magie, Metamorphose, Naturvölker, Farbsymbolik, Selbstbehauptung, Signalfälschung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragung der biologischen Mimikry-Technik auf menschliche Praktiken wie Maskierung und Körperbemalung, um deren Rolle für das soziale Überleben zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf die Bedeutung von Federschmuck, Masken, Körperschmuck, die Symbolik des Pfaus und die psychologischen Auswirkungen der Farbe Grün.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Mensch durch Maskierung in eine "tierische" Rolle schlüpfen kann, um soziale Identität zu festigen und das eigene Selbstbewusstsein zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine bildwissenschaftliche und kulturanthropologische Analyse, die eine konkrete Bildquelle (die Fotografie "Marcie") mit ethnographischen und biologischen Theorien verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bildbeschreibung und eine tiefgehende symbolische Deutung der einzelnen Elemente der Fotografie im kulturellen Kontext.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Mimikry, Identitätsstiftung, Survival, Magie, Metamorphose und der symbolische Gebrauch von Federn und Masken.
Wie trägt Federschmuck zum sozialen Überleben bei?
Er fungiert als Statussymbol, Ausdruck von Macht und Schönheit und verleiht dem Träger in rituellen Kontexten magischen Schutz und eine übergeordnete soziale Stellung.
Was bedeutet die "Ventilwirkung" der Maske?
Die Maske ermöglicht es dem Menschen, seine unterdrückten Triebe und die "Schattenseite" der Identität kontrolliert auszuleben, ohne die soziale Fassade dauerhaft zu beschädigen.
Warum wird der Pfau in der Arbeit als so zentrales Symbol angesehen?
Der Pfau vereint in der Symbolik zahlreiche Aspekte: Schönheit, Unsterblichkeit, Macht und Wachsamkeit, was ihn zur idealen "Maske" für eine überhöhte, majestätische Erscheinung macht.
- Arbeit zitieren
- Anna Franken (Autor:in), 2016, Von der Feder zur Mimikry. Mimikry als Maske, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/335114