In den folgenden Ausführungen geht es um die Frage, ob der professionelle Fußball die gegenwärtigen Machtstrukturen der Gesellschaft festigt.
Dabei gibt es unterschiedliche Ansichten zu dieser Thematik. Zwei extreme Positionen sind zum einen die Ansicht, dass der Fußball eine Droge in den Händen der kapitalistischen Ausbeuter sei. Frei nach Marx zitiert ist er „Opium fürs Volk“ (vgl. Morris, 1981: S. 23). Besonders hervorzuheben ist dabei, dass dessen mediale Präsenz als elementare Voraussetzung für die Rechtfertigung, den Fortbestand und die Weiterentwicklung des bestehenden politischen Systems angesehen wird. Zum anderen herrscht die Perspektive vor, dass viele Fabrikbesitzer in den Anfängen des Fußballs eher besorgt um die Gesundheit ihrer Arbeiter waren und jene deshalb den Fußball als Möglichkeit begrüßten, die Gesundheit ihrer Arbeiter zu verbessern und ihnen echte Unterhaltung zu bieten. Natürlich gibt es auch Ansichten zwischen diesen beiden Extremen, welche wohl anteilsmäßig die Mehrheit stellen dürften.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Erklärungsansätze
2.1 Figurationsansatz nach Elias
2.2 Marxistischer Ansatz
2.3 Weberscher Ansatz
2.4 Ethologischer Ansatz nach Morris
2.5 Empirischer Ansatz
3. Beobachtung aktueller Gegebenheiten
3.1 Beobachtung relevanter Akteure
3.2 Beobachtung von Interdependenzen
3.3 Instrumentelle Funktionen des Fußballs
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fragestellung, ob der professionelle Fußball als Instrument zur Festigung bestehender gesellschaftlicher Machtstrukturen dient oder ob ihm auch ein emanzipatorisches, vergemeinschaftendes Potenzial innewohnt.
- Analyse soziologischer Erklärungsmodelle (u.a. Elias, Marx, Weber)
- Untersuchung der Rolle relevanter Akteure im Profifußball
- Betrachtung von Interdependenzen zwischen Politik und Sport
- Darstellung instrumenteller Funktionen des Fußballs (Inszenierung, Wachstum, Lenkung, Rebellion)
Auszug aus dem Buch
Instrumentelle Funktionen des Fußballs
Als instrumentelle Funktionen des Fußballs können die Inszenierungsfunktion, die Wachstumsfunktion, die Lenkungsfunktion und die Rebellionsfunktion genannt werden.
Insbesondere Politiker nutzen den Fußball als Projektionsfläche um sich in Szene zu setzen und politikferne Schichten zu erreichen (vgl. Klein/Meuser, 2008: S. 233 ff.). Dabei wird sich die Methodik der klassischen Konditionierung zunutze gemacht: Ein neutraler Reiz (Politiker) wird mit einem positiven Reiz (Fußballer als Person, Atmosphäre, etc.) gekoppelt, wobei die Intention besteht, dass diese Kopplung auch zukünftig beim Betrachter Bestand haben wird (vgl. Homburg, 2012: S. 35, 36). Als Beispiel lässt sich Gerhard Schröder im korruptionsbelasteten Umfeld von Sepp Blatter, Ex-DFB Präsident Theo Zwanziger und Franz Beckenbauer anführen, welcher sein vermeintliches fußballerisches Können unter Beweis zu stellen versucht.
Die Wachstumsfunktion wird vonseiten der austragenden Regierungen von Wettbewerben propagiert (vgl. Klein/Meuser, 2008: S. 234). So hat die Bundesregierung in einem abschließenden Bericht zur Fußball-WM 2006 darauf hingewiesen, dass jene sich positiv auf das Wirtschaftswachstum ausgewirkt habe (vgl. Stab WM 2006, 2006). Tatsächlich ist aber davon auszugehen, dass die Profiteure von großen Wettbewerben wie der Weltmeisterschaft, in Wirklichkeit die FIFA, die lokalen Verbände und Großunternehmen hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektive und die Regierungen hinsichtlich ihres Medienimages sind (vgl. Witte, 2010). Der Großteil der Bevölkerung bleibt vom wirtschaftlichen Wachstum ausgeschlossen oder erleidet sogar Einbußen, da Verluste eingefahren werden, welche beispielsweise im sozialen Wohnungsbau dann fehlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, ob der Profifußball gesellschaftliche Machtstrukturen festigt, und skizziert verschiedene extreme sowie gemäßigte Ansichten zu dieser Thematik.
2. Theoretische Erklärungsansätze: Hier werden zentrale soziologische Modelle wie der Figurationsansatz, der marxistische Ansatz, die webersche Rationalisierungstheorie sowie ethologische und empirische Erklärungen zur Wirkung von Sport auf die Gesellschaft gegenübergestellt.
3. Beobachtung aktueller Gegebenheiten: Dieser Abschnitt analysiert die Akteure, ihre wechselseitigen Abhängigkeiten und die verschiedenen Funktionen (Inszenierung, Wachstum, Lenkung, Rebellion), die der Fußball in der heutigen Gesellschaft erfüllt.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Ausgangsfrage nicht eindeutig zu beantworten ist, da der Sport sowohl als stabilisierendes Element für Machtverhältnisse als auch als Basis für Widerstand und Solidarität fungieren kann.
Schlüsselwörter
Profifußball, Machtstrukturen, Gesellschaft, Soziologie, Figurationsansatz, Marxistischer Ansatz, Rationalisierung, Instrumentalisierung, Politik, Wirtschaftswachstum, Sozialkapital, Fußball-WM, politische Mitbestimmung, Aggressionsabbau, Hegemonie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die soziologische Rolle des professionellen Fußballs und die Frage, inwieweit dieser zur Stabilisierung gesellschaftlicher Machtstrukturen beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung des Fußballs durch soziologische Ansätze, der Analyse politisch-ökonomischer Verflechtungen und der Untersuchung seiner instrumentellen Funktionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der These, ob der Fußball als „Opium fürs Volk“ fungiert und systemerhaltend wirkt, oder ob er emanzipatorische Potenziale bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene soziologische Modelle (Elias, Marx, Weber) mit aktuellen Beobachtungen und Erkenntnissen aus der Politiksoziologie verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Diskussion verschiedener soziologischer Ansätze sowie eine empirisch orientierte Analyse aktueller Akteure und Funktionsmechanismen des Profifußballs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Machtstrukturen, Figurationsansatz, Rationalisierung, politische Instrumentalisierung und die kritische Auseinandersetzung mit ökonomischen Effekten von Großereignissen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Politikern im Fußball?
Die Arbeit zeigt auf, dass Politiker den Fußball häufig als Projektionsfläche nutzen, um durch die Kopplung ihrer Person mit positiven Emotionen des Sports ihr eigenes Image bei der Bevölkerung zu verbessern.
Inwiefern beeinflusst der Fußball das Wirtschaftswachstum laut der Arbeit?
Die Arbeit kritisiert, dass das propagierte Wirtschaftswachstum bei Großereignissen primär den Verbänden wie der FIFA und Großunternehmen zugutekommt, während die breite Bevölkerung oft von den Investitionen ausgeschlossen bleibt.
Welche Rolle spielt der Begriff der "Rebellionsfunktion" im Kontext des Fußballs?
Die Rebellionsfunktion beschreibt das Potenzial von Fans und Sportlern, durch gemeinschaftliches Handeln oder öffentliche Statements Widerstand gegen dominante Interessen oder herrschende Zustände zu artikulieren.
- Arbeit zitieren
- Sven Böttger (Autor:in), 2014, Festigt der professionelle Fußball die gegenwärtigen gesellschaftlichen Machtstrukturen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/335034