In dem folgenden Essay werden zwei Theorien zur Entstehung der Herrschaft von Menschen über Menschen miteinander verglichen. Dabei handelt es sich um Auszüge aus dem Werk „Menschen, Wie wir wurden, was wir sind” von Marvin Harris, die im Seminar behandelt wurden, und „Ursprung der Herrschaft”, den ersten Band der Reihe „Ortsbestimmung der Gegenwart” von Alexander Rüstow.
Rüstow gilt als letzter Vertreter der Überlagerungstheorie. Harris geht davon aus, dass die Übertragung der Vorratswaltung an ein bestimmtes Mitglied der Gruppe die Entwicklung der Herrschaft initiierte. Es ist nicht Ziel des Essays, die historische Korrektheit der beiden Theorien zu überprüfen oder eine alternative Theorie zur Herrschaftsentstehung zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Entstehung von Herrschaft
Fazit
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Theorien von Marvin Harris und Alexander Rüstow zur Entstehung von Herrschaftsstrukturen und untersucht die Übergänge von egalitären Gemeinschaften zu geschichteten Gesellschaften.
- Vergleich der Entstehungsursachen von Herrschaft (intern vs. extern).
- Analyse der Rollen von Oberhäuptern, Anführern und Häuptlingen.
- Bedeutung von Gruppengröße und Arbeitsteilung für die Hierarchisierung.
- Untersuchung des menschlichen Integrationsbedürfnisses und des Hangs zum Egalitarismus.
- Die Rolle der Vorratshaltung und der Überlagerungstheorie.
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung von Herrschaft
Marvin Harris bezieht sich anfangs auf das Volk der Semai in Zentralmalaysia. Die Nahrungsbeschaffung der Wildbeutergemeinschaften hängt stark vom Zufall ab, daher ist jeder auf die anderen angewiesen. Auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhend und ohne genaue Absprachen teilt jeder seine Beute mit den anderen (vgl. Harris 1996: 328ff.)
Alexander Rüstow beginnt hingegen aus einem historischen Blickwinkel bei den den Tierherden folgenden Nomaden im heutigen Kirgisien während der letzten Eiszeit. Sie entwickelten sich bald zu Hirtenvölkern und lebten zu mehreren Familien zusammen bzw. in einer patriarchalischen Großfamilie mit dem Stammvater als absolutistischem Oberhaupt (dies bildete Rüstow zufolge die Struktur der einzelnen Kleinfamilien ab, in denen jeweils der Vater das Oberhaupt war). In kritischen Situationen war eine widerspruchslose Durchführung seiner Entscheidungen erforderlich Da die Nomaden und späteren Hirten ein höheres Lebensalter erreichten als die Jäger, kam es bei der Erlangung der Führungsposition zunehmend auf Ruhe und Erfahrung statt auf Körperkraft an (vgl. Rüstow 1950: 45ff.). Der nomadische Völkerhirte ist jedoch auf das Vertrauen und die freiwillige Zustimmung der Gruppe angewiesen (vgl. Rüstow 1950: 106), er verfügt demnach nicht über Mittel der Zwangsgewalt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der beiden zu vergleichenden Theorien von Harris und Rüstow sowie Definition des Untersuchungsrahmens, der auf einen Literaturvergleich zwischen den Autoren fokussiert ist.
Die Entstehung von Herrschaft: Detaillierte Gegenüberstellung der Ansätze beider Autoren zu Führungspositionen, dem Einfluss von Gruppengrößen, dem Prozess der Hierarchisierung und den Bedingungen für die Entwicklung zum Staat.
Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei die fundamentale Differenz zwischen Rüstows Überlagerungstheorie und Harris' Vorratshaltungsthese sowie die zugrunde liegenden Gemeinsamkeiten im Verständnis natürlicher Hierarchien betont werden.
Bibliographie: Auflistung der im Essay verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Herrschaftsentstehung, Marvin Harris, Alexander Rüstow, Überlagerungstheorie, Vorratshaltung, Egalitarismus, soziale Hierarchien, Gemeinschaft, Häuptlingstum, Arbeitsteilung, Herrschaftsstaaten, Zwangsgewalt, Gruppengröße, Patriarchat, politische Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit einem theoretischen Vergleich zweier Ansätze zur Entstehung von Herrschaft von Menschen über Menschen, basierend auf den Werken von Marvin Harris und Alexander Rüstow.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von Führungspositionen, die Entstehung von Rangordnungen, den Übergang von egalitären Gemeinschaften zu geschichteten Gesellschaften und die verschiedenen Formen der Machtausübung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der Theorien beider Autoren hinsichtlich der Mechanismen, die zur Etablierung von dauerhaften Herrschaftsstrukturen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale Textausschnitte beider Autoren einander gegenüberstellt, ohne externe neue Forschungsergebnisse zu generieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Oberhäuptern, die Rolle von Erfahrung und Tradition, die Bedeutung der Arbeitsteilung sowie die Auswirkung der Gruppengröße auf die Machtmittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Herrschaftsentstehung, Egalitarismus, Vorratshaltung, Überlagerungstheorie und die Differenzierung zwischen natürlichen Hierarchien und Zwangsgewalt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Führung bei Harris und Rüstow?
Harris betont eher eine funktionale Entwicklung aus der Vorratshaltung heraus, während Rüstow historische Überlagerungsprozesse und genealogische Positionen wie den Stammvater in den Vordergrund stellt.
Warum wird das Konzept des Egalitarismus in der Arbeit problematisiert?
Die Arbeit thematisiert den Widerspruch, warum egalitär veranlagte Menschen Hierarchien akzeptieren, und hinterfragt die Annahme einer rein "natürlichen" Gemeinschaft als Ausgangspunkt der Entwicklung.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Die Entstehung der Herrschaft von Menschen über Menschen bei Harris und Rüstow, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/334916