Die nachfolgende Hausarbeit soll die von Bollnow in seinem Text „Der Erfahrungsbegriff in der Pädagogik“ vertretene These behandeln, dass ein grundlegender Wesenszug der Erfahrung Leid sei.
Um dem nachzugehen, wird zuallererst eine allgemeine Definition des Wortes „Erfahrung“ ausgearbeitet. Anschließend wird Bollnows Verständnis von Erfahrung und seine These der Verknüpfung von Erfahrung mit Leid ausgearbeitet. Hiernach werden Günther Bucks Aussagen zum Wesen der Erfahrung ausgearbeitet. Nach Sabrina Schenk kann man den Philosophen und Pädagogen Günther Buck als „Klassiker“ bezeichnen, wenn es um die Bedeutung der Erfahrung für Lernen, und die Bedeutung der Negativität für die Erfahrung geht.
Aus diesem Grund, und da er einer der verbreitetesten und meist rezipierten Autoren auf diesem Themengebiet ist, wurde Günther Buck zur Ergänzung von Bollnows Thesen gewählt. Im weiteren Verlauf werden noch einige weitere Autoren und deren Thesen zusammenfassend erläutert, welche zu einer Beantwortung der eingangs formulierten Frage hilfreich sein können. Hieraus wird versucht ein Gegenstandpunkt zu Bollnows These zu formulieren und zum Abschluss erfolgt ein kurzes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet der Begriff „Erfahrung“?
2.1 Bollnow’s Verständnis von Erfahrung
2.2 Buck‘s Verständnis von Erfahrung
2.3 Weitere Stimmen zur Erfahrung
3. Kritik und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die pädagogische These von Otto Friedrich Bollnow, dass ein grundlegender Wesenszug von Erfahrung untrennbar mit Leid verbunden sei. Dabei wird geprüft, ob Erfahrungen notwendigerweise schmerzlich sein müssen, um als solche anerkannt zu werden, oder ob alternative Konzepte existieren.
- Definition und begriffliche Einordnung von „Erfahrung“
- Bollnows These der Leidensverknüpfung bei Erfahrung
- Günther Bucks Verständnis von Negativität und Lernen
- Vergleichende Analyse weiterer pädagogischer Stimmen (Göhlich, Zirfas, Dewey, Benner)
- Reflexion des Lernprozesses durch Auseinandersetzung mit Widerständen
Auszug aus dem Buch
2.2 Buck‘s Verständnis von Erfahrung
Nach Sabrina Schenk kann man den Philosophen und Pädagogen Günther Buck als „Klassiker“ bezeichnen, wenn es um die Bedeutung der Erfahrung für Lernen, und die Bedeutung der Negativität für die Erfahrung geht. Somit kann er als einer der Autoren beschrieben werden, der wie Bollnow die Negativität der Erfahrung hervorhebt. Allerdings steht bei Buck weniger die Schmerzhaftigkeit der Erfahrung als vielmehr die Negativität im Sinne eines „nicht (mehr) Ausreichens“ im Vordergrund.
Essentiell für das Verständnis des Begriffs „Erfahrung“ ist das Lernen, denn Lernen und Erfahrung sind eng miteinander verknüpft. Insbesondere bei Bucks Ausführungen wird dies immer wieder deutlich. Definiert man Erfahrung nach Buck, ist diese einerseits die „Voraussetzung allen Lernens“, gleichzeitig ist eine Erfahrung erst dann eine, wenn aus einem bestimmten Erlebnis etwas gelernt wurde. Ein Erlebnis, aus dem man nichts gelernt habe sei auch keine Erfahrung. Buck schreibt hierzu: „Eine Erfahrung, die ohne Konsequenzen bleibt, aus der man nichts gelernt hat, ist keine gewesen. (...) Das Lernen gehört zur Erfahrung und ist in ihr enthalten wie die Folge im Grund. Es ist eine immanente Konsequenz der Erfahrung.“
Buck sieht weiterhin in jeder Erfahrung auch eine Selbsterfahrung, da bei jeder Erfahrung etwas über aktuelle und zukünftige Verhaltensweisen gelernt wird. „Zugleich macht der Erfahrende auch eine Selbsterfahrung: Er erfährt etwas über seine Verhaltensweisen und lernt etwas über künftige Verhaltensweisen.“ Meist scheitert man bei einer Erfahrung an oder mit etwas und erlebt bisherige Einstellungen als „nicht mehr ausreichend“. Daher führt nach ihm jede Erfahrung auch zu einem Um- beziehungsweise Dazulernen. Hierbei wiederum ändern sich nicht nur Handlungsweisen, sogar der Lernende selbst. Buck trifft an unterschiedlichen Stellen Aussagen zu diesem Aspekt des Phänomens der Erfahrung: „Erfahrung bedeutet hier (...) ein Dazulernen. Und dieses wiederum ist nicht ein bruchloses Anfügen von Kenntnissen, sondern wesentlich ein Umlernen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Erfahrung zwingend mit Leid verbunden ist, und legt den Fokus auf die theoretische Auseinandersetzung mit Bollnow und Buck.
2. Was bedeutet der Begriff „Erfahrung“?: Dieses Kapitel definiert Erfahrung durch allgemeine Begriffsbestimmungen, einschließlich sprachlicher und philosophischer Herleitungen.
2.1 Bollnow’s Verständnis von Erfahrung: Hier wird Bollnows These erläutert, die eine enge Verbindung zwischen „fahren“, „leiden“ und dem Lernprozess durch unangenehme Erfahrungen aufzeigt.
2.2 Buck‘s Verständnis von Erfahrung: Dieser Abschnitt analysiert das Konzept von Günther Buck, der Erfahrung primär als einen reflexiven Lernprozess und die „Negativität“ als Unzulänglichkeitserfahrung definiert.
2.3 Weitere Stimmen zur Erfahrung: Zusammenfassung weiterer Positionen, wie denen von Göhlich, Zirfas, Dewey und Benner, die das Thema durch Konzepte wie „trial and error“ oder „pathei mathein“ erweitern.
3. Kritik und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die dargestellten Theorien und stellt fest, dass eine notwendige Verknüpfung von Leid und Erfahrung nicht eindeutig belegt werden kann.
Schlüsselwörter
Erfahrung, Leid, Bollnow, Günther Buck, Pädagogik, Negativität, Lernen, Selbsterfahrung, Umlernen, Lehrgeld, Wissenserwerb, Reflexion, Erziehungswissenschaften, Wissenskonstrukt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die philosophische und pädagogische These, ob Erfahrungen zwangsläufig mit Leid oder Schmerz verbunden sind, um als solche wahrgenommen zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition des Erfahrungsbegriffs, die pädagogische Bedeutung von Leid beim Lernen und die Rolle der Negativität in Erkenntnisprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Bollnows These von der notwendigen Verknüpfung von Leid und Erfahrung kritisch zu prüfen und durch alternative Ansätze, insbesondere von Günther Buck, zu ergänzen oder zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine literaturkritische Vorgehensweise, bei der die Theorien verschiedener „Klassiker“ der Pädagogik gegenübergestellt und auf ihre Tragfähigkeit hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Definition, eine detaillierte Analyse der Thesen von Bollnow und Buck sowie eine Zusammenfassung ergänzender Positionen von Autoren wie Dewey und Benner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie „Negativität der Erfahrung“, „Lernen als Umlernen“, „Leid“ und „Selbsterfahrung“.
Welchen Unterschied sieht Buck in der „Negativität“ im Vergleich zu Bollnow?
Während Bollnow das Leiden betont, interpretiert Buck die Negativität als ein „Nicht-mehr-Ausreichen“ des bisherigen Wissens, was zum Umlernen zwingt, ohne zwingend emotionalen Schmerz vorauszusetzen.
Wie lautet die Schlussfolgerung bezüglich der These Bollnows?
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass sich eine unabdingbare Verknüpfung von Erfahrung und Leid durch die vorliegende Literatur weder abschließend bestätigen noch vollständig ablehnen lässt.
- Arbeit zitieren
- Yannah Holzderber (Autor:in), 2016, Sind Erfahrungen grundsätzlich mit Leid verbunden? Eine Analyse der These Otto Bollnows, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/334894