Zuerst werden im Folgenden die vom BCBS (Basler Ausschuss für Bankenaufsicht) beschriebenen Zinsschockszenarien dargestellt, dann auf die Systematik der Aufteilung der Positionen des Anlagebuchs auf die Laufzeitbänder eingegangen und dabei besonders die Überlegungen zu variablen Einlagen dargestellt. Diese sind von besonderem Interesse, da hier beide Parteien die Möglichkeit haben, unmittelbar zu reagieren, der Bankkunde kann diese rechtlich gesehen täglich verfügen und die Bank den Zinssatz variabel anpassen. Da die verhaltensbezogene Laufzeit länger ist als die vertragliche Laufzeit, werden Annahmen über die verhaltensbezogene Laufzeit getroffen, die die Messung des Zinsänderungsrisikos beeinflussen. Anschließend folgt die Darstellung, wie Zinsänderungsrisiken künftig bei der Eigenkapitalunterlegung zu berücksichtigen wären und abschließend eine Gesamtschau der Arbeit.
Generell entstehen „Zinsänderungsrisiken [..] aus unterschiedlichen Zinsbindungsdauern auf Aktiv- und Passivseite sowie aus unterschiedlichem Zinsanpassungsverhalten variabel verzinslicher Positionen“ (Hartmann-Wendels et al., 2015, S. 561). Diese Zinsänderungsrisiken sind für Banken momentan von besonderem Interesse, da die Anleger von langfristigen Anlagen auf Sichteinlagen umgeschichtet haben und Kreditnehmer sich das niedrige Zinsniveau durch lange Sollzinsbindungsfristen gesichert haben. Insbesondere die sinkenden Opportunitätskosten der Geldhaltung (rückläufiger Zinsabstand zwischen Spar- bzw. Termineinlagen und Sichteinlagen), die Risikoaversion und die Liquiditätspräferenz der Anleger haben zu dieser Entwicklung geführt. Von der Europäischen Bankenaufsichts-behörde (EBA) wird das Thema der Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs ebenfalls durch eine neu herausgegebene Leitlinie adressiert, darin geht es besonders um Szenarien und Stresstests, Bewertungsprämissen, verschiedene Methoden zur Messung des Zinsänderungsrisikos und die Zuteilung von Kapital für Zinsänderungsrisiken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zinsschockszenarien
2.1. Generelle Berechnung
2.2. Berechnungsbeispiele
3. Behandlung von Positionen im Anlagebuch
3.1. Systematik
3.2. Beispielhafte Aufteilung der variablen Einlagen
3.3. Beispielhafte Aufteilung von Darlehen
4. Eigenkapitalanforderungen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert das Konsultationspapier Nr. 319 des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht zur Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Ziel ist es, die vorgeschlagenen Methoden zur Unterlegung dieser Risiken mit Eigenkapital kritisch zu beleuchten und deren praktische Implikationen für Banken zu untersuchen.
- Methoden zur Berechnung von Zinsschockszenarien
- Systematik der Risikobehandlung im Anlagebuch
- Aufteilung und Bewertung von variablen Einlagen (NMDs)
- Ansätze zur Ermittlung von Eigenkapitalanforderungen
- Herausforderungen im Zielkonflikt zwischen Standardisierung und Flexibilität
Auszug aus dem Buch
3.1. Systematik
Um die Kapitalanforderungen für das Zinsänderungsrisiko zu bestimmen, wird ein sechsstufiger Ablaufprozess, wie in Abbildung 6 dargestellt, durchgeführt. In Stufe 1 werden alle zinssensitiven bilanziellen und außerbilanziellen Positionen nach ihrer Standardisierung aufgeteilt (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 13). Dabei stellen beispielsweise Kredite mit vorzeitiger Rückzahlungsoption, jederzeit abrufbare Kreditlinien und Einlagen mit unbestimmter Fälligkeit (Non-maturity deposits, NMD) ungeeignete Positionen dar, da sie nicht standardisiert sind. Festgeldanlagen oder Kredite mit fest vereinbarten Zins- und Rückzahlungsterminen dagegen fallen in die Kategorie ‚Geeignet‘ und können direkt den vorgeschriebenen 19 Laufzeitbändern zugeordnet werden (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 14).
In die Kategorie ‚Weniger geeignet‘ fallen beispielsweise in Grundgeschäfte eingeschlossene Optionen oder explizite Zinsoptionen, hierbei sind der Cashflow und/oder der Zeitpunkt unsicher. Ein Beispiel für eine eingeschlossene Option ist ein Darlehensvertrag mit einem vereinbarten Zins Cap und/oder Floor. Der Darlehenscashflow fällt hierbei bis zu seinem nächsten Zinsanpassungstermin in die Kategorie ‚Geeignet‘, wohingegen der Cap/Floor als separate Option innerhalb der Kategorie ‚Weniger geeignet‘ bewertet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Konsultationspapier des Basler Ausschusses zur Eigenkapitalunterlegung bei Zinsänderungsrisiken vor und erläutert die Relevanz des Themas im aktuellen Niedrigzinsumfeld.
2. Zinsschockszenarien: Dieses Kapitel beschreibt die sechs vorgeschlagenen Szenarien sowie die mathematische Berechnung der Zinskurvenänderungen inklusive der methodischen Einschränkungen.
3. Behandlung von Positionen im Anlagebuch: Hier wird der Prozess der Risikomessung erläutert, wobei ein besonderer Fokus auf der Klassifizierung von Positionen und der Aufteilung von variablen Einlagen sowie Darlehen liegt.
4. Eigenkapitalanforderungen: Das Kapitel vergleicht vier verschiedene Optionen zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung unter Berücksichtigung von barwertigen Risiken und Nettozinserträgen.
5. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Ergebnisse reflektiert und kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderung, Standardisierung und bankindividuelle Flexibilität zu vereinen.
Schlüsselwörter
Zinsänderungsrisiko, Anlagebuch, Eigenkapitalunterlegung, Basler Ausschuss, Zinsschockszenarien, Barwert, Nettozinsertrag, variable Einlagen, NMD, Laufzeitbänder, Finanzstabilität, Risikomessung, Bankenaufsicht, Zinsrisiko, Eigenkapitalanforderungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umsetzung des Konsultationspapiers Nr. 319 des Basler Ausschusses zur Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch (IRRBB).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Modellierung von Zinsschocks, die Kategorisierung von Bankpositionen und die methodischen Varianten der Eigenkapitalunterlegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Analyse und kritische Würdigung der vorgeschlagenen regulatorischen Ansätze zur Quantifizierung von Zinsänderungsrisiken in Banken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Analyse der regulatorischen Vorgaben, ergänzt durch beispielhafte Berechnungen und eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Berechnung von Zinsschocks, die Systematik zur Aufteilung von Anlagebuchpositionen und die vier spezifischen Optionen zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zinsänderungsrisiko, Anlagebuch, Eigenkapitalunterlegung, Basler Ausschuss, Zinsschockszenarien und Barwertbetrachtung.
Warum sind variable Einlagen (NMDs) für die Risikomessung so schwierig?
Da Kunden jederzeit über ihr Guthaben verfügen können, ist die vertragliche Laufzeit kurz, während das tatsächliche Kundenverhalten oft eine längere Bindung impliziert, was die präzise Zuordnung zu Laufzeitbändern erschwert.
Welche Kritik übt die Deutsche Kreditwirtschaft an dem Vorschlag?
Sie kritisiert, dass eine standardisierte Messung aufgrund der Heterogenität der Geschäftsmodelle von Banken weder möglich noch notwendig sei.
- Arbeit zitieren
- Christoph Schubert (Autor:in), 2016, Die Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Analyse des Konsultationspapiers des Basler Ausschusses Nr. 319, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/334526