Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Einblick in das Thema Gentrifizierung zu geben, so dass der Leser die Zusammenhänge zwischen marktwirtschaftlichem Handeln und den daraus resultierenden Folgen besser nachvollziehen kann.
Eines der größten und aktuellsten sozialökonomischen Probleme in deutschen Metropolen ist die Wohnungsnot. Gründe für diese finden sich viele.
Wenn man sich tiefer mit dieser Materie auseinander setzt, dann kommt man zum Schluss, dass einige Faktoren eine große Rolle spielen: Der Wohnraum ist nicht nur zu knapp, sondern viele der derzeit noch erschwinglichen Wohnung werden saniert, zusammengelegt und danach mit erhöhten Miet- oder Kaufpreisen neu vermittelt.
Dieser Ablauf und die daraus hervorgehenden Konsequenzen, werden im soziologischen Sinne als Gentrifizierung bezeichnet.
Bei diesem Gentrifizierungsprozess werden oftmals heruntergekommene und günstige innenstadtnahe Bereiche, durch Renovierungsarbeiten und das Ansiedeln von Gastronomie, Geschäften und Kulturstätten aufgewertet. Nach dieser Aufwertung steigen die Mietpreise in diesen Quartieren durch Investoren und Besitzern. Daraus folgen ein Wegzug der angestammten Bevölkerung und ein Zuzug von finanziell bessergestellten. Ein schwerwiegender Nebeneffekt der Gentrifizierung ist der Verlust der Sozialstrukturen und des Gesichts der Wohnquartiere. Es kommt in den Großstädten zur sozialen Segregation, die zu verschiedenen negativen Konsequenzen und daraus zur Stadtentwicklungskritik führt.
Zunächst wird über die genaue Definition und die grundlegenden Thesen dieses Prozesses ein Überblick verschafft. Darauf anschließend gehe ich auf den geläufigsten Ablauf der Gentrifizierung ein, werde die Folgen und Konsequenzen darstellen und einen leistungsfähigen Lösungsansatz vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Gentrifizierungsprozess
2.1 Definition
2.2 Thesen zur Entstehung von Gentrifizierung
2.3 Akteure des Gentrifizierungsprozesses
2.4 Ablauf der Gentrifizierung
3 Konsequenzen der Gentrifizierung
3.1 Soziale Segregation
3.2 Fehlender Wohnraum
3.3 Lösungsansätze
4 Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Hausarbeit untersucht die Gentrifizierung als soziales Problem in deutschen Großstädten mit dem Ziel, die Zusammenhänge zwischen marktwirtschaftlichen Prozessen, städtischer Aufwertung und der daraus resultierenden sozialen Verdrängung sowie Wohnungsnot aufzuzeigen.
- Definition und Entstehungsursachen der Gentrifizierung
- Analyse der beteiligten Akteure (Alteingesessene, Pioniere, Gentrifier)
- Folgen wie soziale Segregation und Wohnraumknappheit
- Diskussion politischer Lösungsansätze wie der Mietpreisbremse
- Bewertung der Auswirkungen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen
Auszug aus dem Buch
2.3 Akteure des Gentrifizierungsprozesses
Der Gentrifizierungsprozess wird durch verschiedene Akteure hervor gerufen. Diese wirken in fünf Phasen auf das jeweilige Quartier oder Viertel, bis der Prozess vollzogen ist (siehe Abb. 1). Gentrifizierungsprozesse finden vornehmlich in Vierteln statt, die Innenstadtnah angesiedelt sind, sich an Flüssen befinden, und in denen es an renovierungsbedürftiger Altbausubstanz nicht mangelt. Das generelle Erscheinungsbild wird vor dem Einzug der jeweiligen Akteure allgemein als sozial schwach bezeichnet. Nach dem Durchlauf eines Prozesses hat sich das komplette Stadtbild geändert. Es lässt sich nun als aufgewertet bezeichnen. In diesem Stadium leben kaum noch Bewohner in dem Viertel, die auch schon vor dem Gentrifizierungsprozess in diesem lebten. Nach Dangschat (1988) und seinem „doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus“ haben folgende drei Akteure einen direkten Einfluss auf die Gentrifizierung:
Die Gruppe der Alteingesessenen verbindet, dass sie schon lange in dem jeweiligen Viertel leben. Sie werden als Arme, Alte, Arbeitslose oder Migranten beschrieben und verfügen über wenig finanzielle Mittel, sowie wenige soziale Kontakte. Das führt zu einer geringen Flexibilität, die sie nicht konkurrenzfähig gegenüber den Pionieren und Gentrifiern macht. Am Ende verlieren sie als schwächste beteiligte Gruppe ihren Wohnraum und müssen sich einen neuen bezahlbaren Wohnraum suchen.
Die Pioniere verfügen in der Regel über eine hohe Schulbildung, sind kinderlos, haben keinen geregelten oder sicheren beruflichen Stand, sind selten verheiratet, aber besitzen ein großes soziales Netzwerk. Die Attribute ermöglichen ihnen eine große Flexibilität, die sie in Bezug auf die Alteingesessenen überlegen machen. Als typische Mitglieder dieser Gruppe gelten Studenten oder Künstler. Durch die von ihnen mitgebrachte Kreativität und Lebensart machen die Pioniere das Viertel erst so attraktiv, dass es zu einem Gentrifizierungsprozess kommt.
Die Gruppe der Gentrifier wird als einkommensstark, mit guter beruflicher Position, kinderlos und unverheiratet, aber in Partnerschaft lebend beschrieben. Ihre gute finanzielle Situation macht sie zu der durchsetzungsstärkeren der drei Hauptakteure.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Wohnungsnot in deutschen Metropolen und führt in den Begriff der Gentrifizierung als soziologisches Phänomen ein.
2 Der Gentrifizierungsprozess: Dieses Kapitel definiert den Begriff, erläutert Thesen zur Entstehung, analysiert die beteiligten Akteure und beschreibt den phasenhaften Ablauf des Prozesses.
3 Konsequenzen der Gentrifizierung: Es werden die negativen Auswirkungen wie soziale Segregation und Wohnungsmangel analysiert sowie staatliche Lösungsansätze, etwa durch Erhaltungssatzungen, kritisch diskutiert.
4 Schluss: Das Kapitel reflektiert die Ambivalenz der Gentrifizierung, die für die Stadt positive Aspekte bietet, jedoch für die betroffene Bevölkerung existenzielle Risiken birgt.
Schlüsselwörter
Gentrifizierung, Wohnungsnot, soziale Segregation, Mietpreisbremse, Stadtentwicklung, Invasions-Sukzessions-Zyklus, Mietmarkt, Verdrängung, Quartiersaufwertung, Pioniere, Gentrifier, Alteingesessene, Wohnraum, Immobilienwirtschaft, Sozialökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Gentrifizierung als soziales Problem in deutschen Großstädten und betrachtet dabei insbesondere die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und die Stadtgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Gentrifizierung, die Identifikation der Akteure (Alteingesessene, Pioniere, Gentrifier), die Untersuchung von Segregationsprozessen und die Bewertung politischer Gegenmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die komplexen Zusammenhänge zwischen der ökonomischen Aufwertung von Stadtvierteln und der daraus resultierenden Verdrängung sozial schwächerer Gruppen verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse stadtsoziologischer und sozialökonomischer Theorien, wie dem „doppelten Invasions-Sukzessions-Zyklus“ nach Dangschat.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Prozesses, die Analyse seiner Akteure sowie die Untersuchung der Konsequenzen (Segregation, Wohnraumknappheit) und möglicher Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind neben Gentrifizierung auch soziale Segregation, Mietpreisbremse, Verdrängung und die drei Akteursgruppen Pioniere, Gentrifier und Alteingesessene.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Pionieren und Gentrifiern?
Pioniere sind meist hochgebildet, aber einkommensschwach (z. B. Studenten, Künstler), die durch ihre Lebensweise ein Viertel attraktiv machen. Gentrifier hingegen sind einkommensstark und setzen das Viertel als Investitionsobjekt durch.
Welche Rolle spielt die Mietpreisbremse in der Argumentation?
Die Autorin diskutiert die Mietpreisbremse als versuchten kommunalen Lösungsansatz, stellt jedoch in Frage, ob diese Maßnahme in stark gentrifizierten Gebieten bei modernisiertem Wohnraum tatsächlich effektiv gegen Verdrängung wirken kann.
- Arbeit zitieren
- Christopher Maximilian Krull (Autor:in), 2015, Gentrifizierung als soziales Problem von Großstädten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/333881