„The eighteenth century marked the heyday of Caribbean colonies when they not only generated great wealth but were the hub of a commercial system involving three continents. The sugar colonies bought slaves from Africa, manufactured goods and luxuries for the planter elite from Europe and basic foods – wheat, maize, beef, pork – and timber from North America. They exported in return sugar, rum and molasses.“1 Das 18. Jahrhundert markierte eine Zeit der stürmischen Entwicklung der Zuckerindustrie. Die europäischen Importe wuchsen rasant an und Zucker wurde erstmals in seiner Geschichte zu einem Massengut. Wie bei kaum einem anderen Nahrungsmittel ging ein sinkender Zuckerpreis auch immer mit einer stark steigenden Nachfrage nach Zucker einher. So konnte sich der süße Stoff schnell eine wichtige Stellung im Alltagsleben vieler Europäer und Nordamerikaner erobern. Noch heute liegt der Zuckerkonsum in den wohlhabenden Ländern deutlich über jenem der ärmeren Nationen. Für diese stellt Zucker noch immer dar, was er bis ins 17. Jahrhundert für die ganze Weltbevölkerung war: ein Luxusgut.
Diese Arbeit versucht den Weg des Zuckers vom Mittelmeer in die Karibik nachzuzeichnen. Dabei sollen die Zuckerkolonien der Karibik im 18. Jahrhundert als ein wichtiger Baustein des aufstrebenden Welthandels dargestellt werden. Die Zuckerkolonien handelten mit mehreren Kontinenten über große Entfernungen hinweg. Noch im 15. Jahrhundert wäre dieser ausgeprägte Handel kaum möglich gewesen. Im 19. Jahrhundert hingegen hatte sich der Handel schon soweit intensiviert und ausgeweitet, dass viele der ehemals reichen Zuckerkolonien unter dem großen Konkurrenzdruck von neuen, aufstrebenden Zuckeranbauregionen litten und zusammenbrachen. Die Zeit vom späten 17. Jahrhundert bis ins späte 18. Jahrhundert stellte für die Karibikinseln eine Zeit großer Prosperität und enormen Wachstums dar. Die Region kann somit als ein Musterbeispiel für den Wandel gelten, der durch den Welthandel möglich gemacht wurde.
Die Arbeit gliedert sich in vier Abschnitte. Im ersten Teil wird eine kurze Geschichte des Zuckers wiedergegeben. Es soll erklärt werden, wie und unter welchen Umständen der Zucker nach Amerika gelangte. Der Zweite Teil der Arbeit widmet sich der Transformation der Karibikinseln in enorm spezialisierte Zuckerkolonien. Im dritten Teil werden die Grundlagen der karibischen Plantagenwirtschaft beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kleine Geschichte des Zuckers bis ins 17. Jh.
2. Die Entstehung der Zuckerplantagen in der Karibik
3. Grundlagen des Plantagensystems
3.1 Exporte nach Europa und Nordamerika
3.2 Versorgung durch Nordamerika und Europa
3.3 Sklaverei
4. Probleme gegen Ende des 18 Jh.
Welthandel und Zucker
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufstieg und Niedergang der karibischen Zuckerkolonien zwischen 1640 und 1775 und analysiert diese als exemplarisches Fallbeispiel für die tiefgreifenden Auswirkungen des aufstrebenden Welthandels auf regionale Wirtschaftssysteme.
- Historische Genese der Zuckerproduktion vom Mittelmeerraum bis in die Karibik.
- Analyse des Plantagensystems als spezialisierte, von globalen Handelsströmen abhängige Institution.
- Bedeutung der Sklavenarbeit als Fundament der karibischen Plantagenökonomie.
- Wechselwirkungen zwischen kolonialer Produktion, merkantilistischer Politik und dem Bedarf der Mutterländer.
- Krisenfaktoren gegen Ende des 18. Jahrhunderts und der daraus resultierende Niedergang der Region.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Sklavenhandel
Die Geschichte des Zuckeranbaus war bereits in der voratlantischen Zeit durch Sklaverei geprägt. Auf den Zuckerplantagen des Mittelmeers schufteten moslemische Kriegsgefangene neben versklavten Völkern aus der Region des Schwarzen Meeres. Ab dem 14. Jahrhundert kamen auch die ersten afrikanischen Sklaven auf europäische Plantagen, ihre Anzahl war jedoch noch verschwindend gering. Mit der Bewegung des Plantagenkomplexes in den Atlantik trat auch eine neue Quelle von Arbeitskräften in den Vordergrund. Die Portugiesen hatten erste Kontakte zu den Völkern südlich der Sahara geschlossen und die Westafrikanische Küste war für viele der Atlantikinseln besser erreichbar als das europäische Festland.
Um 1500 herum begannen die Portugiesen damit, auf Sao Tomé Zucker anzubauen. Gleichzeitig nahmen sie einen intensiven Kontakt zum Königreich Kongo auf. Es wurden mehrere tausend Sklaven pro Jahr auf die kleine Atlantikinsel verschifft und schon ab 1530 wurden Sklaven in größerem Maße nach Brasilien und spanisch Amerika verkauft. Einen entscheidenden Impuls erhielt der Sklavenhandel in den 1560er Jahren. In Westafrika kam es zu mehreren Konflikten durch welche sich das Angebot an Sklaven deutlich erhöhte. Gleichzeitig stieg in Amerika auch die Nachfrage nach Arbeitskräften immer weiter an.
Jedoch waren Sklaven keineswegs billiger als europäische Servants und auch die oft zitierte höhere Resistenz der Schwarzen gegen tropische Krankheiten erwies sich nur zu oft als Trugschluss. Trotzdem wurden bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts bereits von Spaniern und Portugiesen jeweils etwa 150.000 schwarze Sklaven nach Amerika transportiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Karibik als zentraler Knotenpunkt im Welthandel des 18. Jahrhunderts und Vorstellung der methodischen Herangehensweise.
1. Kleine Geschichte des Zuckers bis ins 17. Jh.: Überblick über die Ausbreitung des Zuckeranbaus von Neuguinea über Indien und den Mittelmeerraum bis zu den ersten atlantischen Plantagen.
2. Die Entstehung der Zuckerplantagen in der Karibik: Analyse der Transformation der Region in spezialisierte Zuckerkolonien unter Einfluss der europäischen Großmächte.
3. Grundlagen des Plantagensystems: Untersuchung der wirtschaftlichen Voraussetzungen, insbesondere der Abhängigkeit von Exportmärkten, der Versorgung durch Nordamerika und der Sklavenhaltung.
3.1 Exporte nach Europa und Nordamerika: Analyse des Konsumwandels und der Bedeutung der steigenden Nachfrage nach Zucker, Tee und Kaffee für die Produktionsmengen.
3.2 Versorgung durch Nordamerika und Europa: Darstellung der wechselseitigen ökonomischen Abhängigkeit zwischen den Karibikinseln und den kontinentalen Kolonien für die Grundversorgung.
3.3 Sklaverei: Untersuchung der ökonomischen und sozialen Hintergründe für den Übergang zu einer auf Sklavenarbeit basierenden Plantagengesellschaft.
4. Probleme gegen Ende des 18 Jh.: Analyse der strukturellen Krisen, ausgelöst durch politische Konflikte, Sklavenrevolten und den Wandel zur Freihandelsideologie.
Welthandel und Zucker: Fazit über die Entwicklung der karibischen Kolonien als System, das durch den Welthandel ermöglicht wurde und durch dessen Wandel sein Ende fand.
Schlüsselwörter
Zucker, Karibik, Plantagenwirtschaft, Welthandel, Sklavenhandel, 18. Jahrhundert, Kolonialgeschichte, Merkantilismus, Massenkonsum, Importmärkte, Nordamerika, Wirtschaftswandel, Abolitionismus, Rübenzucker, Barbados.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Aufstieg und Niedergang der karibischen Zuckerkolonien im Zeitraum von 1640 bis 1775 als systemisches Beispiel für die Einbindung einer Region in den globalen Handel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Plantagentechnologie, den Handelsbeziehungen zwischen Europa, Nordamerika und der Karibik, der Rolle der Sklaverei sowie den Krisenphänomenen am Ende des 18. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein global integriertes Wirtschaftssystem einerseits zu enormem Wachstum führte, die Region jedoch durch ihre einseitige Spezialisierung extrem anfällig für weltwirtschaftliche Strukturveränderungen machte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-ökonomische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer statistischer Daten zur Handelsentwicklung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Geschichte des Zuckers, den Aufbau der Plantagensysteme in der Karibik, die Analyse der Handels- und Abhängigkeitsstrukturen sowie die Faktoren, die zum ökonomischen Zerfall der Kolonien führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Zucker, Karibik, Plantagenwirtschaft, Sklavenhandel, Welthandel, Merkantilismus und der systemische Wandel durch die aufkommende Freihandelsideologie.
Warum waren die Karibikinseln so stark von Nordamerika abhängig?
Da die karibischen Pflanzer fast alle verfügbaren Flächen für den lukrativen Zuckeranbau nutzten, mussten Nahrungsmittel, Vieh und Holzmaterialien für Fässer sowie Werkzeuge importiert werden, wobei die nordamerikanischen Kolonien als primäre Lieferanten fungierten.
Inwiefern beeinflusste die Französische Revolution die karibische Zuckerproduktion?
Die politischen Unruhen in Frankreich schwappten auf die Karibik über und führten 1791 zu einer massiven Sklavenrevolte auf St. Domingue, was zum Zusammenbruch der dortigen Produktion und damit zum Ausfall des größten Konkurrenten der britischen Zuckerpflanzer führte.
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- Stefan Zahnweh (Author), 2004, Aufstieg und Niedergang der Zuckerkolonien in der Karibik 1640-1775. Ein exemplarisches Beispiel für die Auswirkungen des aufstrebenden Welthandels., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/32445