Die Hausarbeit gibt einen ausführlichen Überblick über den Sprachgebrauch im Nationalsozialismus und untersucht anhand einer Studie, wie viel davon noch im heutigen Sprachgebrauch zu finden ist. Dies wird anhand von einem bestimmten Vokabulars-Satz überprüft. Die Ergebnisse werden in der Hausarbeit analysiert und ausgewertet.
Politische Sprache prägt, lenkt und hat das Potenzial, gesellschaftliche Zustände zu verändern. Im Dritten Reich wurde Sprache dazu benutzt, um Wahrheiten zu vertuschen, Tatsachen zu verdrehen, Kriegspropaganda zu treiben und Hetze gegen alles Unerwünschte zu veranstalten. Die gesamte Sprache der Nationalsozialisten diente dem Zweck, Massen zu lenken und für die eigenen Ziele zu gebrauchen. Dabei war wohl das prägendste Merkmal die Verarmung der Sprache, welche von Victor Klemperer diagnostiziert wurde.
Im Licht aktueller Ereignisse wie der Flüchtlingskrise, der zunehmenden Einwanderung nach Deutschland und den damit verbundenen, verstärkt auftretenden rechtsgerichteten Meinungsäußerungen ist es höchst interessant, wieviel von den höchst belasteten Vokabeln in den Köpfen der Deutschen noch vorhanden ist und wie weit das Vokabular immer noch aktiv verwendet wird, auch um das Fremde zu beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historie der deutsch-nationalistisch geprägten Sprache
2.1. Die Herkunft des antisemitischen Sprachgebrauchs
2.2. Unterscheidung des Sprache nach Polenz
3. Sprachsystem der Nationalsozialisten
3.1. Methoden der Sprachlenkung
4. Die Umfrage zum aktuellen Gebrauch einschlägigen NS-Vokabulars
4.1. Hypothesen
4.2. Aufbau der Umfrage
4.3. Auswertung der Umfrage
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Vokabular des Nationalsozialismus in den Köpfen der heutigen Bevölkerung präsent ist und ob dieses belastete Sprachgut im gegenwärtigen Alltag noch aktiv verwendet wird. Dabei steht die Assoziation der Begriffe mit ihrer historischen Bedeutung im Fokus.
- Historische Entwicklung der deutsch-nationalistischen Sprache
- Methodik und Struktur des nationalsozialistischen Sprachsystems
- Empirische Untersuchung mittels einer Online-Umfrage
- Analyse des Bekanntheitsgrades von NS-Vokabeln
- Bewertung der Konnotationen und Verwendungsbereitschaft belasteter Begriffe
Auszug aus dem Buch
3.1. Methoden der Sprachlenkung
Bevor im Einzelnen auf den Sprachgebrauch im Nationalsozialismus eingegangen wird, soll darauf hingewiesen werden, dass der Fokus auf das Vokabular und weniger auf Argumentationsformen oder Prosodie gelegt wird.
Dies ist sowohl dem Umfang der Hausarbeit, als auch der Art der Umfrage geschuldet, welche explizit nach einzelnen Wörtern fragt. Besonders genau wird das Methodensystem von Schlosser hier vorgestellt, da es sich als gute Grundlage für die nachfolgende Umfrageuntersuchung eignet. Die unterschiedlichen Wörter werden in neun verschiedene Kategorien aufgeteilt, die sich voneinander in ihrer Funktion oder dem semantischen Herkunftsfeld unterscheiden.
Die erste Kategorie beinhaltet Wörter, die für die Ideologie der Nazis ausschlaggebend sind und welche somit eine zentrale Rolle spielen. Sie werden inflationär verwendet, sind meist weniger extrem und können somit gut im Sprachgebrauch der Nation verankert werden. Zu den Hochwörtern zählen unter anderem: Deutschland/deutsch, Vaterland, die Partei, der Führer. Sowohl die Partei als auch der Führer treten oft an Stelle der Eigennamen NSDAP und Adolf Hitler.
Als zweite Wortgruppe beschreibt Schlosser pseudo-biologische Wörter, welche einen Großteil des rassenideologischen Sprachgebrauchs ausmachen. Schlagworte wie Blut und Rassereinheit werden aufgewertet und kombiniert mit der anthropologischen Konstante der Deutschen als Arier, Germanen oder nordische Menschen. Die Vermischung des Germanenmythos mit der Pseudo-Biologie mag zwar wissenschaftlich unhaltbar sein, verfehlt aber ihre Wirkung nicht. Generell bedienen sich die Nationalsozialisten gerne überall, wo alte Tradition und tiefe Werte verdreht und für die eigene Propaganda genutzt werden können. Christliche Traditionen bis hin zur Reliquienverehrung werden nachgeahmt und der christliche Sprachgebrauch ausgebeutet: Amen, göttliche Vorsehung, Blutfahne.
Die Militarisierung des Sprachgebrauchs ist wichtiger Faktor der Kriegspropaganda, weswegen sie als dritte Gruppe beschrieben wird. Selbst „zivile Sachverhalte, wie die Steigerung der Geburtenzahl, die Arbeitsbeschaffung [...] w[e]rden verbal militarisiert, als „Geburtenschlacht“, „Arbeitsschlacht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der durch den Nationalsozialismus geprägten Sprache ein und skizziert das Forschungsziel, die heutige Bekanntheit und Verwendung dieses Vokabulars zu untersuchen.
2. Historie der deutsch-nationalistisch geprägten Sprache: Das Kapitel beleuchtet die Wurzeln politischer Begriffe im 19. Jahrhundert und zeigt auf, wie diese durch Akteure wie Hegel und durch den wachsenden Nationalismus für eine ideologische Sprache instrumentalisiert wurden.
2.1. Die Herkunft des antisemitischen Sprachgebrauchs: Dieser Abschnitt beschreibt die historische Tradition der Diffamierung jüdischer Mitbürger und die Etablierung rassistischer Begriffskonstruktionen.
2.2. Unterscheidung des Sprache nach Polenz: Es werden verschiedene Kategorien der Sprache im Kontext des Nationalsozialismus erläutert, die zwischen dem spezifischen NSDAP-Jargon und der allgemeineren nationalsozialistischen Sprachprägung differenzieren.
3. Sprachsystem der Nationalsozialisten: Hier wird das System der Sprachlenkung analysiert, das darauf abzielte, durch Wiederholung und ideologische Aufladung die Wahrnehmung der Massen zu kontrollieren.
3.1. Methoden der Sprachlenkung: Dieses Kapitel legt dar, wie durch gezielte Kategorisierung und Umdeutung von Wörtern – etwa im Sinne einer Militarisierung oder Rassenideologie – das Sprachbewusstsein beeinflusst wurde.
4. Die Umfrage zum aktuellen Gebrauch einschlägigen NS-Vokabulars: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise der durchgeführten Online-Umfrage, um das heutige Wissen und Sprachverhalten der Teilnehmer zu evaluieren.
4.1. Hypothesen: Hier werden die fünf zentralen Annahmen formuliert, die im Rahmen der empirischen Studie auf ihre Richtigkeit überprüft werden sollen.
4.2. Aufbau der Umfrage: Das Kapitel erläutert die Struktur der Online-Befragung, einschließlich der soziodemografischen Variablen und der Auswahl der abgefragten Begriffe.
4.3. Auswertung der Umfrage: Die Ergebnisse der Umfrage werden zusammenfassend dargestellt und kritisch im Hinblick auf die zuvor aufgestellten Hypothesen analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass zwar ein Großteil des NS-Vokabulars bekannt ist, viele Begriffe jedoch heute losgelöst von ihrem ursprünglichen historischen Kontext verwendet werden.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, LTI, Sprachgeschichte, Sprachlenkung, Antisemitismus, Propaganda, Umfrage, Vokabular, Ideologie, Konnotation, Semantik, Sprachgebrauch, Reliquienverehrung, Militarisierung, Bewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprache des Nationalsozialismus und der Frage, inwiefern Begriffe dieses Regimes heute noch im allgemeinen Sprachgebrauch vorhanden sind und wie sie assoziiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die historische Herkunft nationalsozialistischer Sprache, deren methodische Anwendung zur Manipulation der Massen sowie eine empirische Bestandsaufnahme des heutigen Sprachwissens bei verschiedenen Generationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob belastete Begriffe des NS-Vokabulars im Gedächtnis der Menschen präsent sind, welche Konnotationen diese heute tragen und in welchem Maße sie im privaten Sprachgebrauch noch Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur (z.B. Victor Klemperer, Peter von Polenz) sowie eine eigene quantitative Online-Umfrage unter 72 Teilnehmern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zum einen die historische Entwicklung und Methoden der Sprachlenkung (z.B. Militarisierung, Umdeutung) und präsentiert zum anderen die Ergebnisse der Befragung hinsichtlich Bekanntheit und Bewertung der Begriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind hierbei der Nationalsozialismus, Sprachlenkung, Ideologie, semantische Konnotation sowie die empirische Sprachanalyse.
Warum ist das Wort "Rasse" auch heute noch so problematisch?
Die Umfrage zeigt, dass "Rasse" trotz des historischen Kontextes im heutigen Sprachgebrauch teilweise verwendet wird, jedoch auch heute noch als stark negativ oder zumindest belastet wahrgenommen wird.
Gibt es einen Unterschied in der Sprachverwendung zwischen den Generationen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die älteren Teilnehmer eine höhere Sensibilität gegenüber einschlägigem NS-Vokabular zeigen, während bei jüngeren Generationen die historische Einordnung schwieriger sein kann.
Welche Rolle spielt die "Rückumdeutung" von Wörtern?
Einige Begriffe haben nach dem Krieg eine Rückumdeutung erfahren, wie etwa "Fanatismus" oder "rücksichtslos", die heute in einem anderen Kontext verwendet werden, wobei ihre einstige extrem positive nationalsozialistische Konnotation weitgehend entfällt.
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- Janina Franke (Author), 2015, Sprache des Nationalsozialismus. Wie bekannt und verbreitet sind Vokabeln des Nationalsozialismus im heutigen Sprachgebrauch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/324083