Die vorliegende Arbeit wird sich der Doping-Diskussion aus der ethischen Sicht nähern und eine Dopinglegalisierung aus der Sicht des Utilitarismus und der deontologischen Ethik nach Kant untersuchen. Dabei beschränkt sich die Analyse auf einige ausgewählte nationale Beispiele und deren Auswirkungen, die eine Dopinglegalisierung im Hochleistungssport mit sich bringen würde.
Zunächst wird auf die Grundannahmen des Utilitarismus eingegangen und anschließend nach Pawlenka eine Dopinglegalisierung diskutiert. Analog dazu, wird im zweiten Teil der Arbeit Kants deontologische Ethik kurz vorgestellt und durch die Analyse eine Dopinglegalisierung aus Sicht der Kantischen Ethik diskutiert. Im Anschluss daran finden eine Gegenüberstellung der Analysen und ein abschließendes Fazit statt.
Die XX. Olympischen Winterspiele wurden vom 10.02.2006 - 26.02.2006 in Turin ausgetragen. Insgesamt traten Athleten aus 80 Nationen an, die 16 Tage auf der Basis von Loyalität und Fairness in den sportlichen Wettkampf treten. Allerdings wurden auch diese Spiele durch ein Thema überschattet, welches ein „konstitutives Dilemma“ (Digel, 2002, S. VII) des modernen Sports seit dem Ende des 19. Jahrhunderts darstellt – dem Doping.
Die vorliegende Arbeit verwendet den Dopingbegriff im Sinne der Definition des Deutschen Sport Bundes (DSB) von 1980: „Doping ist der Versuch einer unphysiologischen Steigerung der Leistungsfähigkeit des Sportlers durch Anwendung…einer Doping-Substanz durch den Sportler oder einer Hilfsperson…vor einem Wettkampf oder während eines Wettkampfes und für die anabole Hormone auch im Training“ (Lüschen, 1994, S.10).
Der moderne Sport ist nach Grupe dadurch charakterisiert, dass er eigene, geschriebene und ungeschriebene Regeln, einen eigenen Sinn, das zentrale Prinzip der Chancengleichheit, die Fairnessidee, ein Grundvertrauen der aktiven Athleten und ein pädagogisch erziehendes Selbstverständnis vertritt. Die Sportregeln entscheiden darüber, was in der ausgeübten Sportart erlaubt und was verboten ist. Dementsprechend gehört der Regelverstoß genauso wie die erwünschte Regelbefolgung zum Konstitutivum des modernen Sports.
Seit den 90iger Jahren rückte vor allem das Doping als Form des Regelverstoßes zusehends in das öffentliche Blickfeld und die gesellschaftliche Diskussion. Dabei ist das Dopingproblem des Sports nicht neu, da bereits in den olympischen Spielen der Antike zu Drogenmissbrauch gekommen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DOPING AUS DER SICHT DES UTILITARISMUS
2.1 Grundannahme und Wesenszüge des Utilitarismus
2.2 Anwendung des Utilitarismus auf die Dopingproblematik
3 DOPING AUS DER SICHT DES KATEGORISCHEN IMPERATIVS
3.1 Grundannahme des kategorischen Imperativs
3.2 Anwendung des kategorischen Imperatives auf die Dopingproblematik
4 GEGENÜBERSTELLUNG DER ANSÄTZE UND FAZIT
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen Doping im modernen Sport aus zwei zentralen ethischen Perspektiven – dem Utilitarismus und der deontologischen Ethik nach Immanuel Kant – um auf dieser Grundlage eine begründete ethische Bewertung einer potenziellen Legalisierung von Doping im Hochleistungssport vorzunehmen.
- Grundlagen des klassischen Utilitarismus und Anwendung auf die Dopingproblematik
- Einführung in die deontologische Ethik Kants und den kategorischen Imperativ
- Ethische Prüfung verschiedener Doping-Maximen auf ihre Allgemeingültigkeit
- Diskussion über das Zuschauerinteresse und die Glaubwürdigkeit des Sports
- Gesundheitliche Risiken und die sportärztliche Berufsethik im Kontext des Dopings
- Vergleichende Gegenüberstellung der utilitaristischen und deontologischen Analyse
Auszug aus dem Buch
2.2 Anwendung des Utilitarismus auf die Dopingproblematik
Die entscheidende Frage die sich hinsichtlich des Dopings stellt: „Was bedeutet Doping für die kollektive Glücksbilanz im Wettkampfsport? Fördert Doping das größte allgemeine Wohlergehen (vgl. Pawlenka, 2001, S. 32)?“
Versuch an einem Beispiel aus dem Radsport. Wenn ein Radprofi der Utilitarist ist sich nun fragen würde, ob er für den Sieg dopen darf, ergibt sich für ihn nach Pawlenka (2001, S. 32f) folgendes Szenario:
Wenn er Doping in Bezug auf das Wettkampfergebnis einsetzt, so wäre die Freude bei einem Sieg nicht dieselbe, wie wenn er nicht gedopt hätte. Dies hätte eine Schmälerung der eigenen Lust und des eigenen maximalen Nutzens zur Folge, was utilitaristisch gesehen unsinnig wäre. Zudem könnte der Verdacht des Dopingversuchs des Siegers Unlustgefühle bei den Verlierern verursachen, da sie um den Sieg gebracht worden sind und hätte eine damit verbundene objektive Beeinträchtigung des Gesamtnutzens aller zur Folge. Das hier aufgezeigte Beispiel stellt keinen Einzelfall im Hochleistungssport dar, umso mehr muss man die langfristigen Folgen eines solchen Dopingmissbrauchs sehen, denn wenn eine Sportart erst einmal mit dem Vorurteil des Dopings behaftet ist, wird das Misstrauen in sie immer größer und man stellt viele Leistungen der Athleten in Frage. Folglich wäre auch dies eine Schmälerung des Nutzens und des Glücks für alle Betroffenen. Deshalb wird Doping in Hinsicht auf das Wettkampfergebnis, aus utilitaristischer Sicht nicht erlaubt (vgl. Pawlenka, 2001, S. 33f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den Dopingbegriff im Sport und erläutert die Relevanz des Themas im Kontext von Fairness, Regelverstößen und der gesellschaftlichen Diskussion seit den 90er Jahren.
2 DOPING AUS DER SICHT DES UTILITARISMUS: Dieses Kapitel führt in die utilitaristische Ethik ein und bewertet Doping kritisch anhand des Nutzenkalküls sowie der kollektiven Glücksbilanz aller Beteiligten.
3 DOPING AUS DER SICHT DES KATEGORISCHEN IMPERATIVS: Nach der theoretischen Einführung in Kants Ethik werden verschiedene Handlungsmaximen von Athleten und Befürwortern durch den kategorischen Imperativ auf ihre moralische Zulässigkeit geprüft.
4 GEGENÜBERSTELLUNG DER ANSÄTZE UND FAZIT: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse beider ethischer Analysen, diskutiert ihre Stärken und Schwächen und plädiert abschließend für die Bewahrung eines dopingfreien Sports durch ehrliches Training.
Schlüsselwörter
Doping, Utilitarismus, kategorischer Imperativ, Immanuel Kant, Sportethik, Leistungssteigerung, Hochleistungssport, Chancengleichheit, moralisches Handeln, Deontologie, Echoeffekt, Fairness, Zuschauerinteresse, Gesundheitsrisiko, Sportmedizin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Bewertung der Dopingproblematik im modernen Hochleistungssport unter Rückgriff auf zwei klassische philosophische Positionen.
Welche zentralen ethischen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte sind der Utilitarismus (Nutzenethik) und die deontologische Pflichtenethik nach Immanuel Kant.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch die Anwendung dieser ethischen Theorien fundierte Argumente für oder gegen eine Dopinglegalisierung zu gewinnen und die moralische Vertretbarkeit des Dopings zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, bei der Doping-Argumente in Handlungsmaximen übersetzt und mit den Kriterien des Utilitarismus bzw. des kategorischen Imperativs abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Einführung in die beiden Ethikschulen, gefolgt von einer angewandten Analyse konkreter Szenarien und Argumente der Dopingbefürworter.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Doping, Utilitarismus, kategorischer Imperativ, Chancengleichheit und sportliche Integrität geprägt.
Warum lehnt der Utilitarismus Doping nach Ansicht der Arbeit ab?
Da Doping langfristig das Vertrauen in den Sport untergräbt, Misstrauen schafft und kollektiv den Nutzen bzw. das Glück aller Betroffenen mindert, wird es utilitaristisch abgelehnt.
Warum würde Kant Doping als moralisch verwerflich einstufen?
Da sich die Maxime eines Dopingsünders nicht als allgemeines Gesetz widerspruchsfrei denken lässt und Doping den Sportler zu einem Mittel zum Zweck degradiert, verstößt es gegen das Sittengesetz.
Welche Rolle spielt das Beispiel des Radsports in der Analyse?
Der Radsport dient als anschauliches Beispiel, um sowohl die utilitaristische Berechnung des Gesamtnutzens als auch die logischen Widersprüche bei einer Verallgemeinerung des Dopingverhaltens aufzuzeigen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit in Bezug auf die sportärztliche Moral?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Weitergabe von Medikamenten an gesunde Sportler zur Leistungssteigerung der sportärztlichen Berufsmoral widerspricht, da diese primär auf Heilung ausgerichtet ist.
- Arbeit zitieren
- Daniel Sigg (Autor:in), 2008, Lässt sich Doping aus utilitaristischer und deontologischer Sicht legalisieren?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/323424