Die Wundergeschichte lässt sich gut in die heutige Zeit übertragen. Es verhält sich nämlich so, dass Jesus sich in einer Dilemma-Situation befindet. Heilt er, so überschreitet er ein Gesetz und bringt sich selber in Gefahr, handelt er nicht, so erfüllt er das Gesetz, wiegt sich selbst in Sicherheit, leistet jedoch keine Hilfe. Solche Situationen sind ein relevantes Thema der Gesellschaft im Rahmen um die Diskussion "Zivilcourage".
Betrachtet man die Zeitungen, so liest man von "U-Bahn-Schlägern" und "Einbrüchen am helllichten Tag". In diesem Zusammenhang wird oft die Zivilcourage der Menschen kritisch diskutiert. Menschen greifen nicht ein, weil sie ihr eigenes Leben damit riskieren oder aber bestehende Regeln brechen und damit ihr eigenes Wohl gefährden. Auch im Klassenverband ist Zivilcourage eine wichtige soziale Komponente, die für das Zusammenleben der Schüler unabdingbar ist. So befinden sich auch Schüler oft in dem Dilemma, dass sie Gutes tun wollen, aber es nicht tun, weil es für sie scheinbar Schlechtes, in welcher Form auch immer, nach sich zieht.
Ein Beispiel: Zwei Schüler spielen auf dem Schulhof, der eine verletzt sich unglücklich und sein Knie blutet. Wie gewohnt, rennt sein Freund zum Lehrerzimmer, um Verbandszeug bei der Lehrerin anzufordern. Die Tür zum Lehrerzimmer steht offen, es ist jedoch keine Lehrkraft zu entdecken. Hier entsteht für den Schüler ein Dilemma. Es verhält sich nämlich so: Es ist ihm untersagt, das Lehrerzimmer zu betreten, will er seinem Freund helfen und das Verbandszeug aus dem Erste-Hilfe-Koffer holen, muss er diese Regel jedoch brechen und eventuelle Strafe auf sich nehmen. Auf dieser Dilemma-Situation soll die Unterrichtsstunde aufbauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Textes
2.1 Abgrenzung und Kontext
2.2 Gliederung des Textes
2.3 Begriffsgeschichte
2.4 Interpretation
2.5 Synoptischer Vergleich
3. Unterrichtsentwurf
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Analyse der fachspezifischen Lernvorrausetzungen
3.3 Sachanalyse
3.4 Didaktische Analyse
3.5 Lernziele
3.6 Skizzierter Unterrichtsverlauf
3.7 Unterrichtsverlauf
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verbindet eine exegetische Untersuchung der biblischen Erzählung von der Heilung eines Mannes am Sabbat mit einem praxisorientierten Unterrichtsentwurf für die achte Jahrgangsstufe, um das Thema Zivilcourage schülerorientiert und lebensnah zu erschließen.
- Historisch-kritische Exegese von Markus 3,1-6
- Synoptischer Vergleich der Heilungserzählung
- Didaktische Aufbereitung für den Religionsunterricht
- Methodik des szenischen Rollenspiels
- Übertragung biblischer Dilemma-Situationen auf den Alltag
Auszug aus dem Buch
2.4 Interpretation
Bei dieser Erzählung handelt es sich nicht das erste Mal um eine Überschreitung des Sabbats durch Jesus. So hat er das Sabbatgebot bereits einmal gebrochen (s. Mk 2, 23-28). So ergibt es sich auch, dass bereits darauf gelauert wird, wie Jesus sich verhält, denn es ist ja bereits bekannt, dass er das Sabbatgebot zuvor überschritten hat.
Nach jüdischem Verständnis ist eine Heilung am Sabbat nur dann rechtens, wenn sich der Erkrankte oder Betroffene in Lebensgefahr befindet. Diese ist aufgrund des hier geschilderten Krankheitsbildes jedoch eindeutig auszuschließen. Obwohl der Evangelist Markus in seiner Erzählung keinen direkten, verbalen Einwand seitens der Menge her erkennen lässt, so deutet er ihn zumindest an dadurch, dass er beschreibt, das die Menge "lauert".
Diese Andeutung lässt ein Bild entstehen, das Jesus anscheinend als Gefahr oder Bedrohung versteht, wodurch er dann fragt: "Leben erhalten oder töten?" Darauf weiß die Menge nichts zu antworten. Auf den ersten Blick scheint Jesu Aussage völlig überzogen, da es sich bei dem geschilderten Krankheitsbild der verdorrten Hand definitiv nicht um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt. Setzt man seine Aussage gleich mit "Gutes tun oder Böses tun" macht sie jedoch Sinn, denn alles Gute führt letztendlich zum Leben und alles Schlechte in letzter Konsequenz zum Tod. So wird das alte Denken darüber, was am Sabbat rechtens ist scheinbar zu verschwimmen, da es nur noch davon abhängig ist, ob es sich um eine gute oder schlechte Tat handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die exegetische Analyse der biblischen Geschichte ein und skizziert das Ziel, den Inhalt für Schüler durch einen Unterrichtsentwurf erfahrbar zu machen.
2. Analyse des Textes: Dieser Abschnitt umfasst die kontextuelle Einordnung, die Strukturierung, eine begriffsgeschichtliche Untersuchung, die inhaltliche Auslegung sowie einen Vergleich mit den synoptischen Evangelien.
3. Unterrichtsentwurf: Hier wird ein konkretes didaktisches Konzept für eine achte Realschulklasse entwickelt, das von den Voraussetzungen der Schüler bis hin zum methodischen Verlauf und den Lernzielen reicht.
4. Schluss: Das Fazit resümiert, wie durch die kreative Verknüpfung von Exegese und Unterrichtsplanung Hemmschwellen gegenüber biblischen Texten abgebaut und Relevanz für das moderne Leben gestiftet werden kann.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Heilung am Sabbat, Exegese, Religionsunterricht, Zivilcourage, Didaktik, Rollenspiel, Dilemma-Situation, Bibeldidaktik, Nächstenliebe, Jesus, Pharisäer, Unterrichtsentwurf, Evangelien, Wundererzählung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der exegetischen Analyse der biblischen Heilungserzählung von Markus 3,1-6 und deren praktischer Umsetzung in einem Unterrichtsentwurf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Exegese, die Theologie des Evangelisten Markus sowie die didaktische Vermittlung biblischer Texte im Rahmen des Religionsunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Aussagegehalt der Geschichte zu bestimmen und diesen durch ein szenisches Rollenspiel für Schüler der achten Klasse im Kontext von Zivilcourage greifbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine historisch-kritische Exegese angewandt, ergänzt durch einen synoptischen Vergleich sowie eine didaktische Bedingungs- und Sachanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Textanalyse (Abgrenzung, Begriffsgeschichte, Interpretation) und einen detaillierten Unterrichtsentwurf mit Verlaufsplanung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sabbatgebot, Vollmacht Jesu, Messiasgeheimnis, Zivilcourage, Dilemma-Situation und Schülermotivation.
Warum wird im Unterrichtsentwurf das Modell der "gerechten Gruppen" gewählt?
Dies soll sowohl die soziale Interaktion zwischen leistungsstärkeren und -schwächeren Schülern fördern als auch das Miteinander in einer heterogenen Klassengemeinschaft stärken.
Welche Bedeutung hat das Rollenspiel für die Lernenden?
Das Rollenspiel ermöglicht den Schülern, durch den Perspektivwechsel eigene Standpunkte zu hinterfragen und die moralische Komplexität von Zivilcourage spielerisch zu erfahren.
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- Anonym (Author), 2011, Die Heilung eines Mannes am Sabbat (8. Klasse, Realschule), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/323089