Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, Herdenverhalten auf Finanzmärkten anhand von theoretischen und empirischen Befunden darzustellen. Vermehrte Aufklärung sowie das Aufzeigen der Ursachen und Folgen soll das Entstehen von Preisblasen durch Herdenverhalten zukünftig verhindern. Um das Phänomen des Herdenverhaltens wissenschaftlich einordnen zu können, wird zunächst die Forschungsrichtung der Behavioral Finance und dessen Ursprünge erklärt.
Im Anschluss wird der Begriff Herdenverhalten definiert und die Merkmale herausgestellt. Außerdem wird rationales von irrationalem Herdenverhalten abgegrenzt. Um die Ursachen und Auslöser von Herdenverhalten zu verstehen wird darauffolgend das Informationskaskaden- sowie das Reputationsmodell vorgestellt. Zuletzt werden die möglichen Auswirkungen von Herdenverhalten aufgezeigt. Neben dem Entstehen von Preisblasen werden die Folgen des Herdenverhaltens anhand des empirischen Beispiels der Finanzkrise ab 2007 dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
2 Wissenschaftliche Zuordnung – Behavioral Finance
2.1 Ursprung
2.2 Definition
3 Theoretische Grundlage - Herdenverhalten
3.1 Definition und Merkmale
3.2 Ursachen und Auslöser
3.2.1 Informationskaskadenmodell
3.2.2 Reputationsmodell
4 Auswirkungen von Herdenverhalten
4.1 Preisblasen
4.2 Finanzkrise ab 2007
5 Fazit
5.1 Zielerreichung
5.2 Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Seminararbeit ist die theoretische und empirische Untersuchung des Phänomens Herdenverhalten auf Finanzmärkten, um dessen Entstehung, Ursachen und Folgen – insbesondere im Hinblick auf Preisblasen und Finanzkrisen – wissenschaftlich einzuordnen und aufzuzeigen.
- Behavioral Finance als theoretischer Erklärungsrahmen
- Definition und psychologische Hintergründe von Herdenverhalten
- Informationskaskaden- und Reputationsmodell als Auslöser
- Mechanismen bei der Entstehung und dem Platzen von Preisblasen
- Analyse der Finanzkrise ab 2007 als empirisches Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Reputationsmodell
Der Ursprung des Reputationsmodells findet sich in dem Modell von Scharfstein und Stein (1990) wieder. Dieses zeigt die Entstehung von Herdenverhalten in Bezug auf die Sorge um Reputation zweier Manager auf. Anleger auf Finanzmärkten übernehmen demnach unabhängig ihrer privaten Information die Entscheidung ihrer Vorgänger, um somit dem Risiko zu entgehen, Ansehen aufgrund von Fehlern zu verlieren. Die Richtigkeit von Entscheidungen wird durch die Kompetenz von Individuen bestimmt. Bei der Annahme von Entscheidungen Anderer wird die Verantwortung einer Fehlentscheidung mit allen Entscheidungsträgern geteilt und bei Eintritt ein geringerer Reputationsschaden erlitten. Dies wird auch als ,sharing-the-blame effect‘ bezeichnet. Die Reputations- und Imagekosten einer Fehlentscheidung werden mit der Masse geteilt und somit geringer eingeschätzt als die Kosten einer alleinigen Fehlentscheidung. So hat auch Keynes die Rationalität dieses Verhaltens herausgestellt: „Worldly wisdom teaches that it is better for reputation to fail conventionally than to succeed unconventionally“.
In diesem Modell wird ein Herdenverhalten ausgelöst, indem ein Individuum, unabhängig von seiner persönlichen Information, sich der Meinung seines Vorgängers anschließt. Reputationsbasiertes Herdenverhalten lässt sich auf Finanzmärkten besonders häufig bei Fondsmanagern oder Analysten vorfinden. Indem Einschätzungen und Vorhersagen nach den Meinungen der Masse ausgerichtet werden, müssen diese bei negativen Kursentwicklungen nur geringere Reputationsverluste hinnehmen. Dieses individuell rationale Verhalten kann zu einer Lücke zwischen Markpreisen und dessen zugrunde liegenden Fundamentaldaten führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Unvorhersehbarkeit von Finanzmärkten ein, thematisiert die Rolle psychologischer Einflüsse und definiert das Ziel der Arbeit.
2 Wissenschaftliche Zuordnung – Behavioral Finance: Hier werden die neoklassische Kapitalmarkttheorie kritisch betrachtet und die Behavioral Finance als ergänzende Forschungsrichtung eingeführt.
3 Theoretische Grundlage - Herdenverhalten: Das Kapitel erläutert den Ursprung des Begriffs, unterscheidet zwischen rationalen und irrationalen Motiven und stellt zentrale Modelle wie das Informationskaskaden- und Reputationsmodell vor.
4 Auswirkungen von Herdenverhalten: Hier wird der Prozess von Preisblasen beschrieben und die Finanzkrise ab 2007 als praktisches Beispiel für die fatalen Folgen von Herdenverhalten analysiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert, dass Herdenverhalten aufgrund unvollständiger Informationen auch zukünftig ein integraler Bestandteil von Finanzmärkten bleiben wird.
Schlüsselwörter
Herdenverhalten, Behavioral Finance, Finanzmärkte, Preisblasen, Finanzkrise 2007, Informationskaskaden, Reputationsmodell, Homo Oeconomicus, Markttransparenz, Anlegerverhalten, Kapitalmarkttheorie, Spekulation, Volatilität, Anlagementalität, Risiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Herdenverhaltens an Finanzmärkten, bei dem sich Anleger an der Masse orientieren, anstatt auf Basis eigener Informationen zu entscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet Theorieansätze aus der Behavioral Finance mit der praktischen Analyse von Preisblasen und Finanzkrisen, insbesondere der Krise ab 2007.
Was ist das primäre Ziel der Seminararbeit?
Ziel ist es, das Herdenverhalten wissenschaftlich zu erklären und aufzuzeigen, wie psychologische Faktoren zur Entstehung von Marktanomalien und ökonomischen Krisen beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sowie einer Analyse empirischer Befunde und bekannter ökonomischer Modelle zum Anlegerverhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung (Behavioral Finance), die Definition von Herdenverhalten inklusive Ursachenmodellen und die Darstellung der Auswirkungen auf reale Finanzmärkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Herdenverhalten, Behavioral Finance, Finanzkrise, Preisblasen, Informationskaskaden und Reputationsmodelle.
Was besagt das Informationskaskadenmodell?
Es erklärt, warum es für Anleger rational sein kann, eigene Informationen zu ignorieren und stattdessen den Entscheidungen anderer zu folgen, was in einer Kaskade zur massenhaften Fehlentscheidung führen kann.
Warum spielt das Reputationsmodell eine Rolle für Manager?
Es beschreibt den "sharing-the-blame"-Effekt: Wenn viele Analysten oder Fondsmanager die gleiche Fehlentscheidung treffen, ist der persönliche Reputationsschaden geringer, als wenn man alleine mit einer unkonventionellen Entscheidung scheitert.
- Arbeit zitieren
- Momo Fabio (Autor:in), 2015, Die Auswirkungen von Herdenverhalten auf Finanzmärkte. Wissenschaftliche Zuordnung und theoretische Grundlagen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/322864