Folgende Arbeit beschäftigt sich aus bildungspolitischer Perspektive mit zwei Reformplänen: zum einen mit dem „Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemein bildenden öffentlichen Schulwesens“ aus dem Jahr 1959 vom Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen und zum anderen mit dem vom Deutschen Bildungsrat entwickelten „Strukturplan für das Bildungswesen“ von 1970.
Es wird dargestellt, welche gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen zu dem jeweiligen Rahmen- bzw. Strukturplan führten und welche Reformziele in den Plänen verfolgt wurden. Außerdem wird herausgearbeitet, inwiefern sich der Strukturplan von 1970 auf den Rahmenplan von 1959 bezieht, das heißt, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten vorzufinden sind. Im Fokus innerhalb dieser beiden Pläne stehen schwerpunktmäßig die Reformen bezüglich der Grundschule.
Das Bildungssystem in der Bundesrepublik Deutschland erfuhr in den 1960er und 1970er Jahren einschneidende Veränderungen. In Reaktion auf eine massive Bildungsexpansion, neue wirtschaftliche Herausforderungen, ungelöste soziale Strukturprobleme sowie zunehmende Kritik am bestehenden Bildungswesen wurde eine öffentliche Diskussion in Gang gesetzt, welche den Boden für umfassende Reformen des Schulwesens bereitete.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rahmenplan von 1959
2.1 Gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und bildungspolitischer Hintergrund
2.2 Inhalte des Rahmenplans (1959)
3. Strukturplan von 1970
3.1 Gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und bildungspolitischer Kontext
3.2 Inhalte des Strukturplans (1970)
4. Im Vergleich: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Reformpläne
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht aus bildungspolitischer Perspektive die zwei zentralen Reformdokumente "Rahmenplan von 1959" und "Strukturplan von 1970". Ziel der Untersuchung ist es, die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kontexte dieser Pläne zu analysieren, deren Reformziele insbesondere im Bereich der Grundschule herauszuarbeiten und die inhaltliche sowie strukturelle Entwicklungslinie zwischen beiden Entwürfen kritisch zu beleuchten.
- Historische Einordnung des deutschen Bildungswesens nach 1945.
- Analyse der Ziele und Inhalte des Rahmenplans von 1959.
- Untersuchung der bildungspolitischen Neuorientierung zum Strukturplan von 1970.
- Vergleich der Reformansätze hinsichtlich ihrer Zielsetzungen und Strukturkonzepte.
- Evaluation der Fortschritte in der Grundschulreform und der Förderung von Chancengleichheit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Inhalte des Strukturplans (1970)
Die in Reaktion auf die Kritik initiierten Reformen fanden 1970 ihren Niederschlag in dem sogenannten „Strukturplan für das Bildungswesen“. Das Dokument war der Beweis für eine bildungspolitische Neuorientierung. Damit legte der Deutsche Bildungsrat eine langfristige Perspektive für das ganze bundesdeutsche Bildungssystem vor, deren Themen die Bildungspolitik bis in die Gegenwart bestimmen. Fast alle Bereiche des Bildungssystems bis auf die Hochschule wurden in den Blick genommen (vgl. Neuhaus 1990, 162f.). Ziel des Strukturplans war es nicht, „einen weiteren Plan zur Reform des Bildungswesens zu entwerfen. Es [wurde] vielmehr der Versuch unternommen, die Reformpläne auf dem Hintergrund erziehungswissenschaftlicher Erkenntnisse zu analysieren, auf ihre positiven Aspekte und auf ihre Gefahren hinzuweisen und Entwicklungstendenzen aufzuzeigen, um so einem besseren Verständnis der anstehende Problem beizutragen“ (ebd., 162).
Im Vergleich zum Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen waren im Bildungsrat auch Vertreter der Exekutive repräsentiert, um dem Strukturplan im Hinblick auf die Realisierung der Reformen ein bestimmtes Maß an Absicherung zu ermöglichen. Viele der Vorstellungen schlugen sich im Bildungsgesamtplan von 1973 der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung nieder (vgl. Rodehüser 1987, 573f.).
Kernziele des Strukturplans waren der Ausgleich von individuellen und gesellschaftlichen Interessen wie auch die Förderung des wissenschaftsbestimmten Lernens (vgl. Neuhaus 1990, 173ff.). Im Gegensatz zu der vertikalen Schulstruktur, die der Rahmenplan von 1959 vorschlug, empfahl der Strukturplan im Sinne größerer Durchlässigkeit den Umbau des bestehenden vertikal gegliederten Schulsystems mit seinen verschiedenen Schularten, einschließlich berufliches Schulwesen und Vorschulerziehung, in einen horizontal gegliederten stufenförmigen Aufbau.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die bildungspolitische Situation der 1960er und 1970er Jahre ein und benennt die Zielsetzung der vergleichenden Analyse von zwei zentralen Reformplänen.
2. Rahmenplan von 1959: Hier werden die historischen Hintergründe der Nachkriegszeit sowie die inhaltlichen Kernpunkte des Rahmenplans zur Umgestaltung des Schulwesens beleuchtet.
3. Strukturplan von 1970: Das Kapitel analysiert den Kontext der politischen Neuorientierung und stellt die neue Strukturkonzeption des Deutschen Bildungsrates dar.
4. Im Vergleich: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Reformpläne: Diese Sektion arbeitet die Kontinuitäten und Brüche zwischen beiden Plänen heraus und diskutiert die Bedeutung von Struktur- und Curriculumreformen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und versteht die Reformpläne als einen stetigen, kontextabhängigen Prozess der Weiterentwicklung des Bildungssystems.
Schlüsselwörter
Bildungssystem, Reformplan, Rahmenplan 1959, Strukturplan 1970, Grundschule, Bildungspolitik, Chancengleichheit, Bildungsrat, Schulreform, Demokratisierung, Wissenschaftsorientierung, Bildungsgeschichte, Bildungsplanung, Differenzierung, Gesamtschuldebatte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Schulreformen in der Bundesrepublik Deutschland anhand zweier bedeutender Dokumente aus den Jahren 1959 und 1970.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die wissenschaftliche Begründung von Bildungsreformen und die strukturelle Neugestaltung des Schulwesens mit Fokus auf die Grundschule.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie sich die bildungspolitische Perspektive von 1959 zu 1970 gewandelt hat und welche gemeinsamen sowie trennenden Merkmale die beiden Reformpläne aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine bildungshistorische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur sowie der Untersuchung der beiden primären Reformdokumente basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und den direkten Vergleich der Inhalte und Zielsetzungen des Rahmenplans von 1959 und des Strukturplans von 1970.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind unter anderem Bildungsreform, Strukturplan, Rahmenplan, Chancengleichheit und bildungspolitische Neuorientierung.
Welche Rolle spielte der Sputnik-Schock für die Bildungsdebatte?
Der Sputnik-Schock führte zu einer Intensivierung der Bildungsprogramme, insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich, und hinterfragte die technische Überlegenheit des Westens.
Wie unterscheidet sich der Strukturplan von 1970 methodisch vom Rahmenplan 1959?
Während der Rahmenplan 1959 noch an traditionellen Strukturen festhielt, strebte der Strukturplan von 1970 einen horizontal gegliederten, stufenförmigen Aufbau an, um die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu erhöhen.
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- Anonym (Author), 2015, Bildungspolitische Reformen der Grundschule. Der Rahmenplan 1959 und der Strukturplan 1970, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/321100