Die folgende Arbeit hat die Aufgabe, die strategischen Einsatzplanungen der NATO nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Ende des Ost-West Konfliktes in ihren grundlegenden Zusammensetzungen und Aussagen, sowie deren Entstehung unter dem Eindruck von uni- oder multilateraler amerikanischer Außenpolitik zu untersuchen und zu beleuchten. Hierbei soll abschließend vor allem die Frage geklärt werden, in wie weit sich bei den Planungen der Strategien und deren Umsetzungen die Amerikaner uni- oder multilateral verhalten haben.
Die Basis für die Untersuchungen bilden hierbei die strategischen Dokumente, die vom NATO-Hauptquartier SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) herausgegeben wurden. Es erschien mir hierbei am günstigsten, die einzelnen Planungen und Strategien der NATO chronologisch und weitestgehend separiert zu betrachten. Ich betrachte dies als notwendig, um den amerikanischen Einfluss sowohl bei den Einflussfaktoren zur Entstehung als auch bei den Maßnahmen zur Umsetzung besser untersuchen zu können.
Gliederung
1 Die Gründungsphase, Anfangsplanungen und Zielsetzung der NATO
2 Der Planungszeitraum bis 1957 und die ersten Konzepte
2.1 Das erste strategische Konzept 1949 und deren Umsetzung
2.2 Das militärische Kräfteverhältnis von 1950 und die „forward strategy“
3 Die Strategie der „Massiven Vergeltung“ (MC 48 und MC 14/2)
3.1 Vorangehende Planungen und „New Look“
3.2 Entwicklung und Inhalt der „Massiven Vergeltung“
4 Das Umdenken und die Strategie der „flexible response“ (MC 14/3)
4.1 Die militärischen Kräfteverhältnisse USA - UdSSR um 1960
4.2 Die Zusammensetzung der „flexible response“ und die Bedeutung des Harmel Berichts.
5 Schlussbetrachtungen und die multilaterale Prägung der NATO in der neuen Strategie von Rom 1991.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der militärischen NATO-Einsatzplanungen von der Nachkriegszeit bis zum Ende des Ost-West-Konflikts, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse des amerikanischen Einflusses und dem Spannungsfeld zwischen unilateralem Handeln der USA und multilateraler Bündnisintegration liegt.
- Entwicklung und Wandel der zentralen NATO-Strategien (Massive Vergeltung vs. Flexible Response).
- Analyse des amerikanischen Einflusses auf die militärische Strategiebildung.
- Untersuchung der konventionellen und nuklearen Kräfteverhältnisse zwischen NATO und Warschauer Pakt.
- Die Rolle des Harmel-Berichts für die politische Dimension der NATO.
- Transformation der NATO-Strategie zum Ende des Kalten Krieges (Strategie von Rom 1991).
Auszug aus dem Buch
3.2 Entwicklung und Inhalt der „Massiven Vergeltung“
Die Grundannahme des „New Look“ lautete, dass die strategische Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten, beeinflusst durch innenpolitische Faktoren und die konventionelle Unterlegenheit, nur durch den Einsatz eines zahlreichen und hoch entwickelten Potentials nuklearer Abschreckung gesichert werden konnte. An diesen globalen Sicherheitsanstrengungen der USA sollten auch die NATO-Bündnispartner beteiligt werden. Diese Sichtweise hatte auch massive Auswirkungen auf die weiter vereinbarte Aufrüstung und konventionelle Verstärkung der NATO-Verbündeten in Europa, die nach wie vor nicht im geforderten Umfang umgesetzt werden konnte. Die Strategie der „Massiven Vergeltung“ wurde von US-Außenminister John Foster Dulles 1954 vor dem NATO-Rat vorgestellt. Angesichts der nach wie vor bestehenden konventionellen Überlegenheit des Warschauer Paktes in Europa auf der einen und der gleichzeitigen amerikanischen Überlegenheit an strategischen Atomwaffen auf der anderen Seite, sollte jegliche Aggression gegen ein Territorium eines NATO-Staates mit massiver und uneingeschränkter atomarer Vergeltung beantwortet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Gründungsphase, Anfangsplanungen und Zielsetzung der NATO: Beschreibt die Entstehung der NATO vor dem Hintergrund des Ost-West-Gegensatzes und die Suche nach einem kollektiven Sicherheitssystem.
2 Der Planungszeitraum bis 1957 und die ersten Konzepte: Beleuchtet die frühen militärischen Konzepte, das Kräfteverhältnis von 1950 und die Einführung der „forward strategy“.
3 Die Strategie der „Massiven Vergeltung“ (MC 48 und MC 14/2): Analysiert den Einfluss des amerikanischen „New Look“ und die Entwicklung der nuklearen Vergeltungsstrategie als Antwort auf die konventionelle Unterlegenheit.
4 Das Umdenken und die Strategie der „flexible response“ (MC 14/3): Untersucht den Übergang zu einer flexiblen Reaktion aufgrund nuklearer Parität und die Bedeutung des Harmel-Berichts für eine erweiterte Sicherheitspolitik.
5 Schlussbetrachtungen und die multilaterale Prägung der NATO in der neuen Strategie von Rom 1991.: Fasst die Transformation der NATO nach dem Ende des Kalten Krieges zusammen und bewertet das Spannungsfeld zwischen amerikanischem Unilateralismus und multilateralem Konsens.
Schlüsselwörter
NATO, Militärstrategie, Kalter Krieg, Massive Vergeltung, Flexible Response, USA, Warschauer Pakt, Nukleare Abschreckung, Harmel-Bericht, Multilateralismus, Unilateralismus, Verteidigungspolitik, Entspannungspolitik, Ost-West-Konflikt, Strategie von Rom.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die militärischen Einsatzplanungen der NATO von 1949 bis 1991 und deren strategische Entwicklung unter amerikanischem Einfluss.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Themen sind der Übergang von der konventionellen Verteidigung zur „Massiven Vergeltung“, der Schwenk zur „Flexible Response“ sowie die politische Transformation der NATO hin zur Strategie von 1991.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die amerikanische Außenpolitik bei der strategischen Planung der NATO unilateralen oder multilateralen Mustern folgte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen chronologischen Ansatz und stützt sich dabei maßgeblich auf primäre strategische Dokumente des NATO-Hauptquartiers SHAPE sowie einschlägige Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Gründungsphase, die Entwicklung der verschiedenen NATO-Strategien sowie die Untersuchung der militärischen Kräfteverhältnisse und des politischen Einflusses des Harmel-Berichts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen NATO-Strategie, Massive Vergeltung, Flexible Response, Nukleare Abschreckung und die multilaterale Bündnisentwicklung.
Was genau versteht die NATO unter dem Konzept der „Flexible Response“?
Es handelt sich um eine abgestufte Reaktion auf Aggressionen, die auf drei Ebenen basiert: Direktverteidigung mit konventionellen Kräften, vorbedachte Eskalation mit taktischen Nuklearwaffen und die allgemeine nukleare Reaktion.
Warum war der „Harmel-Bericht“ für die NATO von so großer Bedeutung?
Er etablierte die „Zwei-Pfeiler-Doktrin“, die militärische Stärke mit Entspannungspolitik verband, und stärkte damit die politische Dimension des Bündnisses sowie den Einfluss kleinerer Mitgliedstaaten.
Inwiefern hat der „Sputnik-Schock“ die NATO-Strategie beeinflusst?
Der technologische Fortschritt der UdSSR bei den Raketensystemen machte die „Massive Vergeltung“ unglaubwürdig, da nun auch das Territorium der USA direkt bedroht war, was das Umdenken hin zur „Flexible Response“ beschleunigte.
- Arbeit zitieren
- Christian Rucker (Autor:in), 2012, Die NATO-Militärstrategien 1949-1991. Entwicklung und Inhalt der militärischen Einsatzplanungen unter amerikanischem Uni- und Multilateralismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320922