Diese Hausarbeit untersucht das Werk "Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reyse" von Adam Olearius (ca 1599-1671) auf verschiedene Eigenheiten und Aspekte.
Bis heute gilt der Reisebericht als erste wissenschaftliche Reisebeschreibung in deutscher Sprache und damit als einzigartig. Mehrfach wurde der Text in der Forschung behandelt und untersucht. Die Einordnung als Wissenschaftsbericht wurde dabei meist als gegeben angenommen und nicht kritisch hinterfragt. Die teilweise höchst unwissenschaftlichen Aspekte des Textes wurden ausgeblendet oder nur oberflächlich abgehandelt. Sie sollen Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sein.
Ebenfalls enthalten sind eine Biographie über Olearius, der historische Ablauf der Reise nach Moskau und Persien sowie die Hintergründe der von Friedrich III. ins Leben gerufenenen Unternehmung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte des Werkes
2.1. Adam Olearius
2.2. Grund und Verlauf der Reisen nach Moskau und Persien
3. Analyse des Gesamtwerkes
3.1. Aufbau, Inhalt und Auflagen des Buches
3.1.1. Aufbau und Inhalt
3.1.2. Die Auflagen des Buches
3.2. Aspekte und Eigenheiten des Buches
3.2.1. Das Buch als wissenschaftliche Fachliteratur
3.2.2. Das Buch als prosaische Literatur für die Allgemeinheit
3.2.3. Das Buch als Versuch der Prestigesteigerung
4. Fazit
5. Quellen und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Reisebericht-Werk von Adam Olearius, mit dem Ziel, dessen Bedeutung jenseits der rein wissenschaftlichen Länderbeschreibung zu ergründen und die Gründe für seine außergewöhnliche zeitgenössische Popularität zu identifizieren.
- Die Biografie von Adam Olearius als Gelehrter und Reisender.
- Die historischen Rahmenbedingungen der gottorfschen Gesandtschaftsreisen nach Russland und Persien.
- Die Analyse von Aufbau, Inhalt und Editionsgeschichte der „Vermehrten Newen Beschreibung“.
- Die Untersuchung des Werkes als hybrides Konstrukt aus wissenschaftlichem Bericht, Unterhaltungsliteratur und politischem Prestigeprojekt.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Das Buch als wissenschaftliche Fachliteratur
Seit der Auflage von 1656 beinhaltet die Reisebeschreibung eine ganze Reihe von Elementen einer wissenschaftlichen Untersuchung. Zu nennen sind hier zuerst formale Aspekte, wie der Katalog und das Register oder die inhaltliche Arbeit und Auseinandersetzung mit Quellen und themenbezogener Literatur. Bereits in seiner zweiten Vorrede weist Olearius auf die Wichtigkeit einer kritischen Herangehensweise bei Untersuchungen über fremde Kulturen und Länder oder im Umgang mit fremden Texten anderer Autoren auf diesem Gebiet hin. Ganz offen merkt er an, dass Beobachter in der Zeit vor ihm Fehler gemacht hatten, oder ihre Beschreibungen mittlerweile überholt und nicht mehr aktuell wären. Auch betont er, ganz im Stil eines Wissenschaftlers der Moderne, dass für einen möglichst hohen Wahrheitsgehalt des Textes, ein Weglassen von Tatsachen ebenso schädlich ist wie das Hinzudichten. Diese Aussage erinnert an den heutzutage angestrebten Forschungsgrundsatz der neutralen, themenbezogenen Haltung.
Zur Untermauerung seiner Beobachtungen ergänzt Olearius seine Untersuchungen mit eigenen Längenmessungen von Flüssen und Seen und selbst erstellten Landkarten. Diese Eigenanfertigungen behielt er trotz der Proteste aus mehreren Universitäten bei, die ihre Genauigkeit infrage stellten, da sie mit den universitätseigenen Daten nicht übereinstimmten. Sein Hauptargument bei der Entkräftung von verschiedenen Protesten dieser Art war die Aussage, dass er diese Dinge mit eigenen Augen gesehen und seine Messungen selbst durchgeführt habe, was er bei anderen Forschern bezweifeln würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Reiseberichts von Adam Olearius als erste wissenschaftliche Reisebeschreibung in deutscher Sprache ein und benennt die Forschungsfrage.
2. Vorgeschichte des Werkes: Dieses Kapitel skizziert die Biografie des Autors sowie die diplomatischen und finanziellen Hintergründe der gottorfschen Expeditionen.
3. Analyse des Gesamtwerkes: Hier werden der inhaltliche Aufbau, die Unterschiede zwischen den Auflagen sowie die Funktion des Werkes als wissenschaftliche Fachliteratur und Prestigeprojekt analysiert.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und bewertet das Werk als einen Vorläufer der modernen wissenschaftlichen Reisebeschreibung.
5. Quellen und Literaturverzeichnis: Auflistung der im Rahmen der Hausarbeit verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Adam Olearius, Reisebeschreibung, Schleswig-Holstein-Gottorf, Barock, Gesandtschaft, Persien, Moskau, Wissenschaftsbericht, Prestigesteigerung, Unterhaltungsliteratur, Kartografie, Paul Fleming, Friederich III., Landesbeschreibung, Forschungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Werk „Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reyse“ von Adam Olearius unter Berücksichtigung seiner vielfältigen Funktionen im 17. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der Biografie des Autors stehen die Hintergründe der Handelsdiplomatie des Gottorfer Hofes sowie die ästhetische und wissenschaftliche Gestaltung des Reiseberichts im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für die große Beliebtheit des Werkes bei den Zeitgenossen zu ergründen und aufzuzeigen, wie das Buch als Selbstdarstellungsinstrument für den Herzog diente.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt primär die Analyse von Textquellen (Vorreden, Haupttext) sowie den Vergleich mit aktueller Sekundärliteratur, um das Werk in seinen historischen Kontext einzuordnen.
Was ist das Hauptmerkmal des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-biografische Aufarbeitung und eine strukturelle Analyse des Reiseberichts bezüglich seiner wissenschaftlichen und literarischen Qualitäten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Barockreiseliteratur, Repräsentationsstrategie, wissenschaftliche Methodik der Vormoderne und interkulturelle Wahrnehmung beschreiben den Kern der Arbeit.
Warum war der Reisebericht für das Herzogtum so wichtig?
Der Bericht diente dazu, ein gescheitertes diplomatisches und wirtschaftliches Projekt in ein positives Licht zu rücken und den Status des Herzogs als gelehrter und kunstsinniger Regent zu festigen.
Welchen Stellenwert nimmt die Kartografie in Olearius’ Arbeit ein?
Olearius leistete durch eigene Vermessungen einen bedeutenden Beitrag zur Korrektur geografischer Daten über Russland und Persien, was ihm den Ruf eines „holsteinischen Plinius“ einbrachte.
- Arbeit zitieren
- Niels Rauter (Autor:in), 2016, Die "Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reise" des Adam Olearius. Aspekte und Eigenheiten des frühneuzeitlichen Reiseberichts, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320782