Schon lange vor Dan Brown setzte sich Umberto Eco mit Verschwörungstheorien aller Art auseinander. In seinem quasi allumfassenden Werk "Das Foucaultsche Pendel" zeichnet Eco eine Geschichte der Verschwörungstheorien, die im Mittelalter bei den Templern beginnt und bis ins 20 Jh. reicht. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie die Lehren der jüdischen und mystischen Kabbala (besonders hervorzuheben ist hier das System der zehn Sefirot) und die Theorie der digitale Texterzeugnisse den Aufbau des Buches beeinflussen.
Dazu werde ich zunächst die beiden eben genannten Begriffe näher eingrenzen. Danach soll es um das System der zehn Sefirot gehen. Dies wird den größten Teil der Arbeit ausmachen. Darauf folgend werde ich den Umgang mit Texten seitens der Kabbalisten und der drei Hauptfiguren im Buch betrachten und zum Schluss auf die besondere Rolle des Computers Abulafia eingehen. Dabei werde ich die Gemeinsamkeiten der Arbeitsweisen zur Textgenerieung im Buch und von Theo Lutz und Rul Gunzehäuser aufzeigen. Um ein einfacheres Lesen dieses Textes zu ermöglichen, gebe ich meine Textverweise in Fußnoten an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Bergriffe
3. Die zehn Sefirot
4. Symbolisches Verstehen von Texten
5. Abulaifia und die Stochastischen Texte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Umberto Ecos Roman "Das Foucaultsche Pendel" durch kabbalistische Lehren und Methoden der digitalen Textgenerierung strukturiert ist. Dabei wird analysiert, inwiefern die Romanhandlung auf diese Konzepte zurückgreift und welche Parallelen zwischen den fiktionalen Praktiken der Romanfiguren und realen stochastischen Experimenten der Literaturwissenschaft bestehen.
- Struktureller Einfluss der zehn Sefirot auf den Romanaufbau
- Vergleich zwischen kabbalistischen Traditionen und der "Templerverschwörung" im Buch
- Rolle digitaler Texterzeugnisse und die Funktion des Computers "Abulafia"
- Analyse der stochastischen Textgenerierung nach Theo Lutz und Rul Gunzenhäuser
- Ironische Selbstreflexion des Autors über den kreativen Schreibprozess
Auszug aus dem Buch
Abulafia und die Stochastischen Texte
Zunächst stellt sich die Frage, wieso der Computer Belbos von so großer Bedeutung ist, dass er namentlich benannt wird. "Jetzt habe ich also - mir zu Diensten, so wie deine Feunde den Golem hatten - meinen persönlichen Abulafia. Ich werde ihn Abulafia nennen, Abu für die Freunde." Eco verweist hier ganz bewusst auf die Figur des Golems. Dieser taucht erstmals im frühen 13. Jahrhundert in Deutschland auf und ist eine Interpretation aus einem Kommentar zum Sefer Jezira (Buch der Schöpfung), in welchem präzise beschrieben wird, wie mittels des hebräischen Alphabets aus Erde einen Menschen erschaffen werden kann. Somit kann Abulafia hier als Hilfsmittel zur Schöpfung verstanden werden, als was er bei der Schaffung des großen Plans auch genutzt wird.
Benannt ist der Computer wahrscheinlich nach Abraham Abulafia, einem im 13. Jahrhundert lebenden ekstatischen Kabbalisten, welcher sich mit der Kombination von Buchstaben und der Permutation der daraus entstehenden Wörter beschäftigt hat. Über dieses Faktum schlägt Eco nun die Brücke zu den stochastischen Textexperiementen von Theo Lutz, Rul Gunzenhäuser und anderen. "Es soll hier berichtet werden über ein Programm, [...] der Großrechenanlage ZUSE Z 22 [...] Die Maschine wurde verwendet zur Erzeugung von stochastischen Texten, von Sätzen also, deren Wörter zufallsmäßig bestimmt werden." Hier wird dem Programm eine Auswahl verschiedener Subjekte und Prädikate vorgeben, aus denen es zufällige Elementarsätze bildet, welche dann ebenfalls zufällig durch vorgebene Konjunktionen miteinander verknüpft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Umberto Ecos "Das Foucaultsche Pendel" durch die Verschränkung von Kabbala und digitalen Schreibprozessen geprägt ist.
Allgemeine Bergriffe: Es werden die Definitionen von digitalen Texterzeugnissen und der Kabbala dargelegt, um das begriffliche Fundament für die weitere Analyse zu schaffen.
Die zehn Sefirot: Dieses Kapitel erläutert das kabbalistische Sefirot-System und zeigt dessen fundamentale Bedeutung für die Gliederung und Symbolik des Romans auf.
Symbolisches Verstehen von Texten: Hier wird untersucht, wie die Protagonisten durch die Interpretation des "Großen Plans" in die Tradition der christlichen Kabbala und einer pansymbolischen Weltsicht rücken.
Abulaifia und die Stochastischen Texte: Der Abschnitt verbindet die Rolle des Computers im Roman mit realen stochastischen Textexperimenten der 1960er Jahre und diskutiert das Verständnis von Kreativität.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Verschränkung von Kabbala und digitaler Generierung ein zentrales strukturelles und ironisches Element des Romans darstellt.
Schlüsselwörter
Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel, Kabbala, Sefirot, Abulafia, stochastische Texte, digitale Textgenerierung, Theo Lutz, Rul Gunzenhäuser, Templerverschwörung, Hermeneutik, Literaturwissenschaft, Permutation, digitale Poesie, Strukturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die inhaltliche und strukturelle Verbindung zwischen kabbalistischen Lehren und digitalen, computergenerierten Schreibprozessen in Umberto Ecos Roman "Das Foucaultsche Pendel".
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Hauptthemenfelder sind die Strukturtheorie der zehn Sefirot, die Geschichte der Kabbala, stochastische Literaturexperimente sowie die ironische Selbstreflexion über den Prozess des Schreibens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Eco wissenschaftliche Theorien und historische Traditionen nutzt, um seinen Roman zu strukturieren und dabei die Frage nach der "Kreativität" von Maschinen zu thematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär textimmanent arbeitet und durch den Einbezug fachwissenschaftlicher Literatur zur Kabbala sowie zur digitalen Poesie gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Sefirot-Systems im Roman, die Untersuchung des symbolischen Textverständnisses der Protagonisten und den Vergleich der fiktiven Textgenerierung mit realen Experimenten wie denen von Theo Lutz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Umberto Eco, Kabbala, Sefirot, stochastische Texte, digitale Textgenerierung und der Computer "Abulafia".
Warum spielt der Name "Abulafia" für den Computer im Roman eine so zentrale Rolle?
Der Name verweist einerseits auf den historischen Kabbalisten Abraham Abulafia, der sich mit Buchstabenkombinationen beschäftigte, und schlägt damit eine Brücke zu der Idee der mechanischen Textpermutation im Roman.
Inwiefern zeigt Eco im Roman eine Ironie bezüglich der digitalen Texterzeugung?
Die Ironie liegt darin, dass der Prozess der digitalen Textgenerierung, der den Anspruch der Zufälligkeit und Objektivität erhebt, innerhalb eines hochgradig geplanten analogen Buches thematisiert und dadurch als "gymnastische Übung" entlarvt wird.
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- Philipp Nobis (Author), 2015, Umberto Ecos "Das Foucaultsche Pendel". Der Einfluss von Kabbala-Lehre und digitalen Texterzeugnissen auf den Aufbau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320424