Im Folgenden werden Lösungsansätze beschrieben, wie Krankenhäuser einem steigenden Wettbewerbsdruck begegnen können.
Im Laufe der Zeit ist die funktionale Aufbauorganisation im deutschen Gesundheitssystem dominierend geworden. Es werden hierbei einzelne medizinische/pflegerische Funktionen zu Bereichen zusammengefasst. Durch gesetzliche Veränderungen in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam es zu gravierenden Änderungen der Krankenhauslandschaft. Das Gesundheits-Strukturgesetz (GSG) von 1993 und die Bundespflegesatz-Verordnung (BPflV) von 1995 haben für die Krankenhäuser einen erhöhten Wettbewerbsdruck zur Folge. Aufgrund dieser Entwicklung kommt es zu verschiedenen Problematiken. Nicht alle Krankenhäuser sind in ihrer bisherigen Struktur diesem Wettbewerbsdruck gewachsen.
Hierzu bieten verschiedene Autoren Lösungsansätze, wie das Krankenhausmanagement diesen Anforderungen sowohl im Sinne des Patienten als auch im Sinne eines wirtschaftlichen Erfolges gerecht werden kann. In dieser Arbeit werden zwei dieser Ansätze anhand geeigneter Literatur dargestellt und auf die Situation Krankenhaus übertragen. Anschließend werden beide Ansätze (Profitcenter-Ansatz und der Ansatz der Prozessorientierung in Form eines abteilungsübergreifenden Casemanagements) in einer sinnvollen Art und Weise miteinander kombiniert. Dargestellt wird ebenfalls, welche Berufsgruppe für das Casemanagement am besten geeignet ist.
Im zweiten Kapitel der Hausarbeit wird ein Praxisbezug der theoretisch aufgearbeiteten Thematik erstellt. Hierzu wird ein fiktiver Patient kreiert. Dieser Patient durchläuft dann zum einen ein Krankenhaus mit einer Profitcenter-Organisation, das ohne ein Casemanagement aufgebaut ist. Zum anderen durchläuft er ein ähnliches Krankenhaus, das unterstützend zur Profitcenter-Organisation ein Casemanagement besitzt. Zusätzlich zum Vergleich der Krankenhausverweildauer wird eine Gegenüberstellung der entstandenen Kosten angeführt. Auf dieser Grundlage wird dargestellt, dass beide Ansätze auf eine sinnvolle Art und Weise miteinander kombiniert werden können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Theoretische Darstellung
1.1 Definitionen
1.1.1 Profitcenter
1.1.2 Prozessorientierung
1.2 Profitcenter-Ansatz
1.2.1 Profitcenter-Organisation in einem Krankenhaus
1.2.2 Controlling in Profitcenter-Organisationen
1.2.3 Verrechnungspreisproblematik
1.2.4 Strategische und operative Leistungsplanung
1.3 Prozessorientierung
1.4 Profitcenter und Casemanagement
2 Praxisbezug
2.1 Fallbeispiel
2.2 Darstellung des Behandlungsverlaufes
2.2.1 Patientenbetreuung ohne Casemanagement
2.2.2 Patientenbetreuung mit Casemanagement
2.3 Monetäre Gegenüberstellung
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und den Mehrwert eines pflegerischen Casemanagements in Krankenhäusern, die mittels Profitcenter-Strukturen geführt werden. Ziel ist es, durch die Analyse der theoretischen Grundlagen und eines Praxisbeispiels aufzuzeigen, wie eine Kombination beider Ansätze die Patientenversorgung optimieren und wirtschaftliche Effizienz steigern kann.
- Grundlagen der Profitcenter-Organisation im Krankenhaus
- Prozessorientierung als Steuerungsprinzip
- Herausforderungen der Arbeitsteilung und Schnittstellenproblematik
- Integration von Casemanagement in Profitcenter-Strukturen
- Wirtschaftliche Analyse anhand von Patientenbeispielen
Auszug aus dem Buch
1.4 Profitcenter und Casemanagement
Aus aufbauorganisatorischer Sicht ist erkennbar, dass der dezentrale Führungsansatz der Profitcenter-Organisation vorteilhaft erscheint. Jedoch muss insbesondere im Hinblick auf multimorbide Patienten darauf hingewiesen werden, dass hier für eine multidisziplinäre Behandlung ein großes Hindernis vorhanden sein kann (Multerer, 2008). Eine Kombination aus beiden vorgestellten Organisationsformen könnte diesem Hindernis entgegenwirken.
Abbildung 1 zeigt auf, auf welche Art und Weise der Profitcenter-Ansatz mit einem Casemanagement kombiniert werden kann. Das Casemanagement, hier durch den Prozess der Patientenbetreuung abgebildet, koordiniert die einzelnen Profitcenter (Notaufnahme, Labor, Radiologie, Chirurgie, usw.) miteinander, sodass der Patient mit nur geringen Warte- und Liegezeiten belastet wird. Das so kombinierte System ist gänzlich auf den Patienten ausgerichtet (Picot & Korb, 1999). Das Casemanagement übernimmt nach dem Vorbild von Fertigungsstraßen in der Automobil- und Elektrobranche die Begleitung des Patienten durch den gesamten Krankenhausaufenthalt. So führt er ihn von der Aufnahme bis zur Entlassung durch die einzelnen Profitcenter, die ihren jeweiligen Anteil am Diagnose- und Behandlungsprozess erfüllen (Multerer, 2008). Für ein solches System sprechen bereits verschiedene Ergebnisse aus der ambulanten Patientenversorgung, wo bspw. administrative Kosten um 39% und Gesamtkosten um 70% reduziert werden konnten (Picot & Korb, 1999).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den durch gesetzliche Rahmenbedingungen gestiegenen Wettbewerbsdruck im deutschen Gesundheitswesen und führt Casemanagement als Lösungsansatz ein.
1 Theoretische Darstellung: Dieses Kapitel definiert Profitcenter und Prozessorientierung als zentrale betriebswirtschaftliche Konzepte und diskutiert deren Anwendung sowie Controlling-Notwendigkeiten im Krankenhaus.
2 Praxisbezug: Anhand eines fiktiven Patientenbeispiels wird die Wirksamkeit von Casemanagement durch den Vergleich von Behandlungsverläufen und entstandenen Kosten konkret illustriert.
Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit bestätigt die Sinnhaftigkeit der Kombination von Profitcenter-Organisation und Casemanagement zur Steigerung der Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Schlüsselwörter
Krankenhausmanagement, Profitcenter, Casemanagement, Prozessorientierung, Patientenversorgung, Krankenhausverweildauer, Controlling, Gesundheitswesen, Wirtschaftlichkeit, Behandlungspfad, Patientenorientierung, Fallmanagement, Aufbauorganisation, Ablauforganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die organisatorische Herausforderung von Krankenhäusern, die in Profitcenter unterteilt sind, und untersucht, wie ein pflegerisches Casemanagement die Effizienz und Patientenversorgung in diesem System verbessern kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Profitcenter-Organisation im Krankenhaus, das Prozessmanagement, die Rolle des Casemanagements sowie die ökonomische Bewertung von Behandlungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die Ergänzung einer Profitcenter-Struktur um ein abteilungsübergreifendes Casemanagement sowohl ethisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es werden Literaturanalysen zur theoretischen Fundierung genutzt, ergänzt durch eine deduktive Herleitung mittels eines fiktiven Praxisbeispiels, das die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe definiert und der Profitcenter-Ansatz detailliert dargestellt. Darauf folgt die theoretische Einbettung des Casemanagements und die Anwendung auf ein Patientenbeispiel zur Veranschaulichung der Effekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Krankenhausmanagement, Profitcenter, Casemanagement, Prozessorientierung und Patientenorientierung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Patientenbetreuung ohne Casemanagement im Fallbeispiel?
Ohne Casemanagement kommt es zu längeren Wartezeiten, unnötigen Doppeluntersuchungen, Kommunikationsproblemen zwischen den Abteilungen und einer deutlich längeren Verweildauer des Patienten.
Welche wirtschaftlichen Vorteile bringt laut Autor das Casemanagement?
Durch die effizientere Steuerung des Behandlungsprozesses sinken die Gesamtkosten deutlich, da Liegezeiten verkürzt und administrative sowie medizinische Ressourcen optimaler genutzt werden.
Warum wird eine Kombination von Profitcenter und Casemanagement empfohlen?
Die Kombination nutzt die Flexibilität und Eigenverantwortung der Profitcenter, während das Casemanagement die notwendige Prozesskoordination sicherstellt, um den Ressort-Egoismus zu überwinden.
- Arbeit zitieren
- Martin M. Müller (Autor:in), 2014, Notwendigkeit eines pflegerischen Casemanagements in einem mittels Profitcenter-Strukturen geführten Krankenhaus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319632