Die vorliegende Arbeit behandelt den Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland. Dabei möchte ich vorwiegend der Frage nachgehen, ob die Bundesrepublik ein weiteres Mal dazu in der Lage ist – so wie zum Ende der 1950er Jahre – eine Vollbeschäftigung herzustellen.
Für eine möglichst gute Verständlichkeit befasse ich mich zunächst mit der aktuellen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt, wobei die Wirtschaftslage ebenso beleuchtet wird. Dabei bleiben die Erläuterungen auf der Makroebene des Staates.
Im Weiteren beleuchte ich einige wichtige theoretische Positionen zur Vollbeschäftigung. Dabei beziehe ich mich besonders auf das volkswirtschaftliche Modell der Neoklassik. Darüber hinaus werden Theorien des US-amerikanischen Soziologen Jeremy Rifkin erörtert, der als ebenso anerkannter Ökonom verschiedene Thesen zum Ende der Arbeit geliefert hat.
Das dritte Kapitel handelt von der Entwicklung der Arbeitslosigkeit und des Arbeitsmarktes der Bundesrepublik seit den 1950er Jahren. Es beschreibt auch die Entwicklung einer nachfrageorientierten Politik hin zu einer angebotsorientierten Politik. Dies dient dem Vergleich mit der heutigen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftslage der BRD und als empirischer Beleg dafür, ob Rifkins Hauptthese, „das Ende der Arbeit durch Technisierung der Welt“, realitätsnah ist.
Schließlich erläutere ich welche Maßnahmen der Staat in die Wege geleitet hat, um die Arbeitslosigkeit - zum Ziele der Vollbeschäftigung - zu verringern. Außerdem wird behandelt, ob jene Maßnahmen seit ihrer Einführung nennenswerte Erfolge aufweisen können und ob es Faktoren zur Senkung der Arbeitslosigkeit gibt, auf die der Staat kaum Einfluss üben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bundesrepublik Deutschland - Betrachtung des Arbeitsmarktes heute
3. Theoretische Positionen zur Erreichung der Vollbeschäftigung
4. Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der BRD seit der Nachkriegszeit
5. Staatliche Interventionen zur Realisierung der Vollbeschäftigung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Arbeitsmarkt der Bundesrepublik Deutschland vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung seit den 1950er Jahren. Dabei wird der zentralen Forschungsfrage nachgegangen, ob Deutschland erneut in der Lage ist, eine Vollbeschäftigung zu erreichen, und inwieweit staatliche Interventionen sowie technologische Entwicklungen diesen Prozess beeinflussen oder behindern.
- Aktuelle Analyse der Arbeitsmarktlage und Wirtschaftssituation in Deutschland.
- Gegenüberstellung neoklassischer Theorien und Jeremy Rifkins Thesen zum Ende der Arbeit.
- Historische Untersuchung der Arbeitslosigkeit und beschäftigungspolitischer Strategien seit 1950.
- Evaluierung staatlicher Maßnahmen wie der "Agenda 2010" und deren Erfolgsaussichten.
- Einfluss des demografischen Wandels und der Technisierung auf die zukünftige Beschäftigung.
Auszug aus dem Buch
3. Theoretische Positionen zur Erreichung der Vollbeschäftigung
„Gemäß neoklassischer Theorie entsteht Arbeitslosigkeit als mikroökonomisches Problem immanent durch unterstellte Verhaltensweisen am Arbeitsmarkt.“ (AAW 2006, 55). Nach dieser Theorie ist der Arbeitsmarkt eigenständig und existiert isoliert neben anderen Güter- und Geldmärkten. In ihrem Therapieansatz besteht die Neoklassik unnachgiebig auf Lohnsenkungen und auf Senkungen der Lohnnebenkosten. Wenn also das Arbeitsangebot die Arbeitsnachfrage der Unternehmen übersteigt, „so müsse der Lohn so lange sinken, bis sich ein neuer markträumender Gleichgewichtslohn einstellt.“ (a.a.O., 55ff) Neben den Lohnsenkungen seien auch Faktoren wie der Kündigungsschutz und Lohnersatzleistungen zu beseitigen bzw. in Höhe und zeitlicher Gewährung zu kürzen. Ansonsten - so die Theorie - bestehe für Unternehmen eine zu hohe Einstellungs- und Entlassungsbarriere und Arbeitslose hätten gleichzeitig keinen Anreiz ihre Arbeitskraft anzubieten (a.a.O., 58). Die Neoklassik wandelt Löhne und Beschäftigungsstand zu Variablen um, die das Kapital zu seinem einseitigen Vorteil nutzt. Einzelwirtschaftlich und kurzfristig kann eine Arbeitskostensenkung (Löhne) durchaus von Erfolg gekrönt sein, gesamtwirtschaftlich betrachtet findet jedoch ein Rückgang der Massenkaufkraft statt. Dieser Umstand versetzt die Wirtschaft nicht nur in eine tiefere Krise, er steigert ebenso die Arbeitslosigkeit (a.a.O., 60).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Möglichkeit der Wiederherstellung von Vollbeschäftigung in Deutschland unter Berücksichtigung aktueller politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
2. Bundesrepublik Deutschland - Betrachtung des Arbeitsmarktes heute: Dieses Kapitel liefert eine statistische und konjunkturelle Bestandsaufnahme der aktuellen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt inklusive der Einflussfaktoren auf die Arbeitskräftenachfrage.
3. Theoretische Positionen zur Erreichung der Vollbeschäftigung: Hier werden gegensätzliche ökonomische Theorien, insbesondere die Neoklassik und die Thesen Jeremy Rifkins zum Wandel der Arbeitswelt, gegenübergestellt.
4. Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der BRD seit der Nachkriegszeit: Das Kapitel analysiert den historischen Verlauf von der Phase der Vollbeschäftigung in den 1950er Jahren hin zur strukturellen Massenarbeitslosigkeit seit Mitte der 1970er Jahre.
5. Staatliche Interventionen zur Realisierung der Vollbeschäftigung: Es wird untersucht, welche konkreten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Staat, einschließlich der Hartz-Reformen, ergriffen hat und welche Erfolge oder Defizite diese aufweisen.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass staatliche Bemühungen zur Vollbeschäftigung durch strukturelle Herausforderungen wie Technisierung und demografischen Wandel limitiert sind und eine breitere Betrachtung inkl. der Einkommensverteilung erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Vollbeschäftigung, Arbeitsmarkt, Bundesrepublik Deutschland, Neoklassik, Jeremy Rifkin, Massenarbeitslosigkeit, Agenda 2010, Hartz-Reformen, Technisierung, Demografischer Wandel, Konjunkturpolitik, Arbeitsproduktivität, Einkommensverteilung, Arbeitsförderung, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen einer staatlichen Vollbeschäftigungspolitik im heutigen Deutschland unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und ökonomischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die aktuelle Arbeitsmarktsituation, theoretische Konzepte (Neoklassik vs. Technisierungsthesen), die historische Entwicklung der Arbeitslosigkeit sowie die Wirksamkeit staatlicher beschäftigungspolitischer Instrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erörtern, ob die Bundesrepublik Deutschland heute in der Lage ist, eine Vollbeschäftigung ähnlich dem Niveau der 1950er Jahre herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine deskriptive Analyse sowie den Vergleich ökonomischer Theorien und historischer Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und weiterer Institutionen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine aktuelle Bestandsaufnahme, eine theoretische Einordnung (Modell der Neoklassik vs. Rifkin), die historische Entwicklung seit der Nachkriegszeit sowie eine kritische Prüfung staatlicher Interventionsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Vollbeschäftigung, Arbeitsmarkt, Hartz-Reformen, Technisierung, Neoklassik und demografischer Wandel.
Welche Rolle spielt die Technisierung laut Jeremy Rifkin in dieser Arbeit?
Jeremy Rifkin wird zitiert, um die These zu stützen, dass eine fortschreitende Technisierung menschliche Arbeit zunehmend überflüssig macht, was eine grundlegende Herausforderung für die Vollbeschäftigung darstellt.
Warum bewertet der Autor die Hartz-Reformen eher kritisch?
Der Autor führt an, dass die versprochene "Wende" am Arbeitsmarkt ausblieb und sich die Reformen teilweise als Mischung aus statistischen Effekten und subventionierter Arbeit entpuppten, ohne das Problem der strukturellen Arbeitslosigkeit nachhaltig zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Frank Harper (Autor:in), 2013, Arbeitsmarkt in Deutschland. Ist Vollbeschäftigung bloß eine Illusion?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319427