In ihrem zum Standardwerk zu Intermedialitätstheorien avancierten Werk „Intermedialität“ beschäftigt sich die Autorin Irina Rajewsky mit den Fragen medialer Grenzüberschreitungen. Anhand literarischer Beispiele, welche Rajewsky mit Film und Fernsehen verknüpft, entwickelt die Autorin darin eine Systematik intermedialer Bezüge und schafft eine Einführung in die Grundlagen der Intermedialität. Der hier vorliegende Essay beschäftigt sich vor allem mit den ersten vier Kapiteln, wobei die Analyse eine kritische Betrachtung mit einschließt.
Zum Schluss des zu betrachtenden Textausschnittes geht Rajewsky noch auf den Begriff der Systemreferenz ein. Die Autorin versucht mit ihrem Werk einerseits einen Überblick über die Intermedialitätsforschung zu schaffen, darüber hinaus aber auch Probleme jenes Forschungsfeldes zu beleuchten, welche schon ab den sechziger Jahren eingesetzt haben und zum großen Teil bis heute anhalten. Sie will also den Versuch wagen, endgültig eine Lücke in der Forschung zu schließen (vgl. Rajewsky 2002: 3f). Ob ihr das gelungen ist oder nicht, soll in folgendem Aufsatz diskutiert und analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung medialer Interferenzen
3. Differenzierung zwischen Inter-, Intra- und Transmedialität
4. Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge
5. Literarische Auseinandersetzung mit dem Film
6. Analogien zwischen Intertextualität und Intermedialität
7. Systematik intermedialer Bezüge: Intertextualität und Systemreferenz
8. Abschließende Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit Irina Rajewskys Werk "Intermedialität", um eine fundierte Einführung in die theoretischen Grundlagen der intermedialen Forschung zu bieten. Dabei steht insbesondere die systematische Einordnung von Begriffen wie Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge im Vordergrund, während gleichzeitig die methodischen Schwierigkeiten und die historische Kontextualisierung des Forschungsfeldes beleuchtet werden.
- Historische Entwicklung intermedialer Forschung
- Differenzierung von Inter-, Intra- und Transmedialität
- Systematik der Medienkombination und des Medienwechsels
- Verhältnis von Literatur und Film
- Analogie zwischen Intertextualität und Intermedialität
Auszug aus dem Buch
Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge
Um zurück auf Rajewskys Definition der Intermedialität zu kommen, muss man zunächst zwischen drei Subkategorien unterscheiden – zwischen der Medienkombination, dem Medienwechsel und den intermedialen Bezügen. Unter den Begriff der Medienkombination fallen nach Rajewsky jene „durchgehende[n] Kombination[en] mindestens zweier, konventionell als distinkt wahrgenommener Medien, die sämtlich im entstehenden Produkt materiell präsent sind“ (Rajewsky 2002: 19), etwa wie Musik und Lyrik in einem Kunstlied oder punktuelle Illustration im Roman.
Eben jene Kombination diverser Medien ermöglicht die „Herausbildung eigenständiger Kunst- oder Mediengattungen [...], bei denen dann die plurimediale Grundstruktur zu einem Spezifikum des neu entstandenen (Einzel-)Mediums wird“ (Rajewsky 2002: 15). Der Medienwechsel meint die „Transformation eines medienspezifisch fixierten Produkts [...] in ein anderes, konventionell als distinkt wahrgenommenes Medium, [dabei ist] nur letzteres [...] materiell präsent“ (Rajewsky 2002: 19). Der Medienwechsel ist in der Regel von allen Medien in alle möglich, etwa in der Literaturverfilmung oder bei der Inszenierung dramatischer Texte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in Rajewskys Werk ein, skizziert die Problematik unklarer Begriffsdefinitionen in der Intermedialitätsforschung und legt den Fokus des Essays auf die ersten vier Kapitel des Buches.
Historische Entwicklung medialer Interferenzen: Dieses Kapitel arbeitet die beiden zentralen Forschungsstränge der Intermedialität heraus, die Komparatistik und die Medienwissenschaft, und vergleicht deren historischen Ursprung.
Differenzierung zwischen Inter-, Intra- und Transmedialität: Hier werden die Begriffe Intermedialität, Intramedialität und Transmedialität definiert und voneinander abgegrenzt, um ein präziseres Instrumentarium für die medienübergreifende Analyse zu schaffen.
Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge: Das Kapitel erläutert Rajewskys Dreiteilung der intermedialen Subkategorien, um die verschiedenen Arten der Bedeutungskonstitution zwischen Medienprodukten zu verdeutlichen.
Literarische Auseinandersetzung mit dem Film: Diese Sektion untersucht die historische Entwicklung, wie filmische Techniken und Wahrnehmungsformen in die Literatur integriert wurden, und problematisiert den "Als ob"-Charakter.
Analogien zwischen Intertextualität und Intermedialität: Es wird analysiert, wie die Theorien der Intertextualität auf die Intermedialität übertragen wurden und welche methodischen Konsequenzen diese Analogiebildung mit sich brachte.
Systematik intermedialer Bezüge: Intertextualität und Systemreferenz: Abschließend wird die Systemreferenz von der Einzeltextreferenz abgegrenzt und untersucht, inwiefern semiotische Systeme wie "Film" in textuellen Medien referenziert werden können.
Abschließende Überlegungen: Die Arbeit resümiert, dass Rajewskys Werk trotz methodischer Kritik eine gelungene, grundlegende Einführung in ein komplexes und vielschichtiges Forschungsfeld darstellt.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Medienkombination, Medienwechsel, Intermediale Bezüge, Intramedialität, Transmedialität, Literaturwissenschaft, Intertextualität, Systemreferenz, Film, Medienwissenschaft, Komparatistik, Historizität, Literaturverfilmung, Zeichenübertragung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Standardwerk "Intermedialität" von Irina Rajewsky und prüft ihre theoretische Systematik zu medialen Grenzüberschreitungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Genese der Forschung, die Differenzierung zwischen verschiedenen medialen Relationen und die methodische Verknüpfung von Literatur und anderen Medien wie Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine verständliche Einführung in die von Rajewsky vorgeschlagene Systematik der Intermedialität zu geben und die damit verbundenen methodischen Herausforderungen darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, welche Rajewskys theoretische Ansätze zusammenfasst, kontextualisiert und einer kritischen Würdigung unterzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rajewskys Definitionen der Subkategorien, die historische Entwicklung der Film-Literatur-Beziehung und die analytische Verknüpfung zur Intertextualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intermedialität, Medienwechsel, Medienkombination, Systemreferenz sowie die fachspezifische Abgrenzung zwischen Inter-, Intra- und Transmedialität.
Was unterscheidet Medienkombination von Medienwechsel nach Rajewsky?
Bei der Medienkombination sind mindestens zwei Medien in einem Produkt materiell präsent, während beim Medienwechsel ein Inhalt von einem Medium in ein anderes transformiert wird, wobei nur das Zielmedium materiell in Erscheinung tritt.
Warum sieht Rajewsky den Begriff "filmisches Schreiben" kritisch?
Sie sieht darin eine unreflektierte und vage Bezeichnung, da sie die spezifischen medialen Differenzen zwischen Text und Film verwischt und lediglich auf subjektiven Kinowahrnehmungen des Autors basiert.
- Arbeit zitieren
- Lisa Lindner (Autor:in), 2015, Eine kritische Betrachtung von Irina Rajewskys "Intermedialität". Hat sie eine Forschungslücke geschlossen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319364