Was bedeutet eigentlich Professionalisierung und Professionalität und welche Perspektiven ergeben sich hieraus für die Alphabetisierung und Grundbildung? Im Folgenden soll dieser Frage nachgegangen werden.
Dabei wird im ersten Abschnitt dieser Arbeit versucht, Alphabetisierung und Grundbildung als Felder pädagogischer Arbeit abzustecken. Hierbei wird auf folgende Fragen einzugehen sein: Was ist unter Alphabetisierung und Grundbildung zu verstehen? An welchen Institutionen und Orten findet Alphabetisierung und Grundbildung statt? Wer ist an diesen Institutionen und Orten pädagogisch tätig?
Im zweiten Abschnitt wird mit Rückgriff auf die einschlägigen soziologischen und pädagogischen Diskursen versucht, sich den Konstrukten Profession, Professionalisierung und Professionalität zu nähern.
Im dritten Abschnitt soll kurz zusammengefasst werden, was aktuell im Bereich der Al-habetisierung und Grundbildung zu Professionalisierung und Professionalität diskutiert wird und welche Maßnahmen hierzu ergriffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alphabetisierung und Grundbildung als Felder pädagogischen Handelns
2.1 Funktionaler Analphabetismus und Grundbildung
2.2 Akteure und Orte der Alphabetisierung und Grundbildung
3 Profession - Professionalität - Professionalisierung
3.1 Profession
3.2 Professionalität ohne Profession
3.3 Professionalisierung
4 Professionalisierung der Alphabetisierung und Grundbildung
5 Abschlussdiskussion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstrukte Profession, Professionalität und Professionalisierung im Kontext der Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs über die Qualifizierung von Lehrkräften in diesem Bereich zu beleuchten und die Frage zu klären, welche Perspektiven sich aus den soziologischen und pädagogischen Begriffsbestimmungen für das Handlungsfeld ergeben.
- Grundlagen von Alphabetisierung und Grundbildung als pädagogische Handlungsfelder
- Soziologische Konzepte zu Profession, Professionalität und Professionalisierung
- Professionalisierung pädagogischer Akteure in der Alphabetisierung
- Diskussion über Qualifizierungsbedarfe und aktuelle Ausbildungsangebote
- Spannungsfeld zwischen individueller Kompetenzentwicklung und kollektiver Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Professionalität ohne Profession
Wenn diese Konzeptionen im Hinblick auf »klassische akademische Berufe« entwickelt wurden, lassen sich diese dann auch auf pädagogische Handlungsfelder übertragen? Die Begriffe Professionalisierung und Professionalität werden heute für viele Bereiche pädagogischen Handelns bemüht. Beispielhaft sei hier die Frühkindliche Pädagogik, die Erwachsenenbildung, die Schulpädagogik oder die soziale Arbeit genannt. Allerdings hat sich, so scheint es, in jüngerer Zeit ein geändertes Verständnis, bzw. ein anderer Ansatz etabliert, nach dem von einem theoretisch analytischen Konstrukt Profession Abstand genommen oder gar für ein Abschied vom Professionsbegriff für die Felder pädagogischen Handelns plädiert wird (Helsper und Tippelt (2011): S. 269).
Die Gründe hierfür liegen vor allem darin, dass »das klassische Professionsmodell« am Modell der freien Berufe gewonnen worden sei und nicht so recht auf die pädagogischen Berufe wie Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Handlungsfeldern oder auf die Felder der Weiterbildung anwendbar sei (Helsper und Nittel (2011): S. 269). Dieser Abschied des Professionsbegriffes führt jedoch nicht dazu, auch die Konstrukte Professionalität und Professionalisierung zu verwerfen; das Gegenteilige scheint zutreffender.
So konstatieren Helsper und Tippelt, die gegenwärtige Debatte resümierend, dass dem Ruf nach der Verabschiedung des Professionsbegriffes ein gesteigertes Votum für den Begriff der Professionalität zu entsprechen scheint ((2011): S. 271). Dabei sei zu erkennen, dass sich der Begriff Professionalität von dem der Profession inhaltlich abkopple und so Professionalität ohne Profession möglich sei (ebd.: S. 272). Was nun unter Professionalität zu verstehen sei, solle nunmehr aus den spezifischen Anforderungs- und Handlungsstrukturen eines Berufes, bzw. Tätigkeitsfeldes heraus gewonnen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Aktualität des Analphabetismus in Deutschland ein und verknüpft die nationale Strategie mit der Notwendigkeit, Professionalisierungsprozesse der Lehrkräfte wissenschaftlich zu untersuchen.
2 Alphabetisierung und Grundbildung als Felder pädagogischen Handelns: Dieses Kapitel definiert die Begriffe funktionaler Analphabetismus und Grundbildung sowie die Strukturen und Akteure des Bildungsangebots in Deutschland.
3 Profession - Professionalität - Professionalisierung: Es werden die theoretischen Grundlagen aus der Berufssoziologie analysiert, wobei verschiedene Ansätze wie der funktionalistische oder interaktionistische Ansatz differenziert betrachtet werden.
4 Professionalisierung der Alphabetisierung und Grundbildung: Dieser Teil beleuchtet den aktuellen Diskurs zur Qualifizierung von Lehrkräften und die Entwicklung spezifischer akademischer Angebote wie Masterstudiengänge.
5 Abschlussdiskussion: Die Diskussion fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Professionalisierung im Bereich der Alphabetisierung primär durch individuelle Kompetenzentwicklung statt durch eine kollektive Profession stattfindet.
Schlüsselwörter
Alphabetisierung, Grundbildung, Funktionaler Analphabetismus, Professionalisierung, Professionalität, Profession, Erwachsenenbildung, pädagogisches Handeln, Lehrkräfte, Qualifizierung, Kompetenztheorie, Berufssoziologie, Volkshochschule, Bildungsstrategie, Weiterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie das pädagogische Handeln in der Alphabetisierung und Grundbildung professionell gestaltet werden kann und in welchem theoretischen Rahmen die Begriffe Profession und Professionalität dabei verstanden werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Analphabetismus, die soziologische Fundierung des Professionsbegriffs und die praktische Qualifizierung von Lehrkräften.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Professionalität im Feld der Grundbildung definiert wird, wenn das klassische Professionsmodell als nicht vollständig passend angesehen wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und dem Rückgriff auf einschlägige soziologische und pädagogische Diskurse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert zunächst die Felder der Grundbildung, analysiert dann theoretische Konzepte (Profession, Professionalität) und bewertet abschließend aktuelle Professionalisierungsmaßnahmen in Deutschland.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Begriffe Professionalität, Alphabetisierung, Grundbildung und Berufssoziologie sind für das Verständnis der Arbeit essenziell.
Warum wird der Begriff Profession in der Pädagogik kritisch hinterfragt?
Da viele pädagogische Handlungsfelder nicht den klassischen Kriterien freier Berufe (wie Medizin oder Jurisprudenz) entsprechen, wird zunehmend nach Konzepten gesucht, die ohne den rigiden Professionsbegriff auskommen.
Was bedeutet "Professionalität ohne Profession"?
Dies beschreibt einen Ansatz, bei dem Professionalität nicht aus einem Status als "Profession" abgeleitet wird, sondern als individuelle Qualität und Kompetenz aus der spezifischen Arbeit heraus entsteht.
- Quote paper
- Tim Ahrens (Author), 2014, Professionalisierung und Professionalität in der Alphabetisierung und Grundbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319326