Reichliche Ehebrüche, Sagen und Tatsachen waren in ihrem Leben nicht zu differenzieren. Sie war eine Legende und schrieb Geschichte. Die Königin von Frankreich, Königin von England, Gefangene, sowie eine der Schlüsselfiguren der Frauengeschichte, mit der sich zahlreiche Chronisten, Autoren aber auch Kritiker befassen: Königin Eleonore von Aquitanien.
Inwieweit die Königin Eleonore von Aquitanien während ihrer Lebzeit politische Entscheidungen fällen und vorantreiben konnte, wird die Leitfrage in dieser Hausarbeit sein, auf die eine Antwort gesucht wird. Ein deutlicher Schwerpunkt wird auf der Politik Eleonores liegen. Hier wird genauer untersucht, inwieweit die Königin eine Vorstellung von eigenständigem Handeln hatte und ob und wie ihre Politik die Gesellschaft beeinflussen konnte. Im Zusammenhang damit werden ihre Lebzeiten in Frankreich und England hervorgehoben. Eingegangen wird hauptsächlich auf das königliche Hof in Paris und dem englischen Königshof.
Die Forschungslage zu diesem Thema ist bisher gering geblieben, sogar in ausführlichen Literaturen über das Mittelalter oder zu den Frauengeschichten kommt Königin Eleonore von Aquitanien zu kurz.
Entsprechend der Leitfrage ist die Seminararbeit wie folgt aufgebaut: Im ersten Teil werden das Herzogtum Aquitanien und die Königin Eleonore kurz vorgestellt. Im zweiten Kapitel wird die Politik Eleonores analysiert und explizit erläutert und im dritten Abschnitt soll ihre Gefangenschaft untersucht werden. Im Schlussteil wird die Leitfrage beantwortet und somit der Rahmen der Hausarbeit geschlossen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Eleonore von Aquitanien
I.I Das Herzogtum Aquitanien
I.II Jugend und Herkunft
II. Politischer Einfluss
II.I Königin der Franzosen
II.I.I Der königliche Hof in Paris
II.II Königin von England
III. Die Gefangenschaft Eleonores
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Handlungsfähigkeit von Eleonore von Aquitanien im Mittelalter. Im Fokus steht die Leitfrage, inwieweit sie als Königin von Frankreich und England eigenständig politische Entscheidungen fällen und diese aktiv vorantreiben konnte, wobei insbesondere die unterschiedlichen Einflusssphären an den jeweiligen Königshöfen analysiert werden.
- Politische Rolle und Handlungsspielraum von Königin Eleonore von Aquitanien
- Einfluss der Heiratspolitik auf Macht und territoriale Expansion
- Vergleich der politischen Wirksamkeit am französischen und englischen Hof
- Analyse der Regierungsbefugnisse während der Abwesenheit des Königs
- Die Auswirkungen der Gefangenschaft auf den politischen Status der Königin
Auszug aus dem Buch
II.I.I Der königliche Hof in Paris
Auf dem neuen königlichen Hof änderte sich Eleonores Art kaum. Sie traf mit ihrem Gefolge an, sie erhoffte sich weitere Untertanen und wurde von „zahlreichen Poiteviner“24 begleitet. Das Vorbild des Hofes in Poitier, auf dem Eleonore aufgewachsen war, fand sie an dem französischen Hof zwar wieder, erlebte jedoch eine gewisse Fremdheit und einen „Kulturschock“25. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Paris ein Leben, das sehr stark vom Klerus bestimmt war. Mit ihrer Ankunft entstand dadurch eine Spannung zwischen „Neuankömmlingen und den altgedienten Beamten […]“26. Schon bald ergaben sich die ersten Konflikte zwischen den Altgedienten und Eleonores Gefolgsleuten.
Die Höflinge befürchteten, dass die Königin eine übermächtige Position erlange, wodurch ihr Einfluss geschwächt werde. Tatsächlich war dies nicht der Fall. Eleonore hatte die Erwartung, an der „[...] Ausübung der Regierungsgewalt über das Land […]“27 mitbeteiligt zu werden, weil sie sich als nächste Beraterin und Verbündete betrachtete. Und so kam es dazu, dass Eleonore eine Machtposition erhielt, die allerdings zu diesem Zeitpunkt üblich war: Sie involvierte sich nur an der Seite ihres Mannes am öffentlichen und politischen Leben, traf nur unter seiner Zustimmung Entscheidungen und beriet ihn. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Eleonore bezüglich ihres politischen Handelns in den wenigsten Urkunden auftritt, woraus sich die oben genannte Hypothese bestätigen lässt. Ihr eigenständiges politisches Handeln wurde nur auf dem höfischen Leben deutlich, auf dem sie traditionelle Sitten einführte und ausübte: Die Königin sprach auf dem Hof nicht Französisch, sondern Latein28. Sie und ihre Haushälterinnen beteiligten sich an den Unterhaltungen der Männer, was bislang in Paris unbekannt blieb. Diese Möglichkeit, so Turner, ergab sich vor allem durch die „intime Nähe“29 zu ihrem Ehegatten, wodurch der König zu einigen Entscheidungen überredet bzw. gedrängt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der historischen Bedeutung Eleonores und Definition der Leitfrage bezüglich ihrer eigenständigen politischen Handlungsfähigkeit.
I. Eleonore von Aquitanien: Kurzer Überblick über die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Herzogtums Aquitanien sowie eine biographische Einführung zur Person Eleonores.
I.I Das Herzogtum Aquitanien: Darstellung der historischen Entwicklung Aquitaniens, seiner Verwaltung durch Eleonore und der Bedeutung der Eheschließung als politischer Machtfaktor.
I.II Jugend und Herkunft: Zusammenfassung der Herkunft, der Erbschaft des Herzogtums sowie der chronologischen Eckpunkte ihrer Ehen mit Ludwig VII. und Heinrich Plantagenêt.
II. Politischer Einfluss: Untersuchung der mittelalterlichen Heiratspolitik und der damit verbundenen Intentionen zur Machtabsicherung und finanziellen Wohlstandssicherung der Familie.
II.I Königin der Franzosen: Analyse der frühen Regierungsjahre an der Seite Ludwigs VII. unter Berücksichtigung der Unerfahrenheit der jungen Königin.
II.I.I Der königliche Hof in Paris: Betrachtung der höfischen Spannungen nach Eleonores Ankunft und ihres begrenzten, aber zunehmenden Einflusses auf den französischen König.
II.II Königin von England: Untersuchung des Übergangs zur englischen Krone nach der Scheidung von Ludwig VII. und dem Entschluss zur Heirat mit Heinrich Plantagenêt.
III. Die Gefangenschaft Eleonores: Analyse der politischen Machtlosigkeit während der Inhaftierung nach der Rebellion ihrer Söhne sowie der Versuch einer eingeschränkten Einflussnahme durch Stiftungen.
Schlüsselwörter
Eleonore von Aquitanien, Mittelalter, Politik, Herzogtum Aquitanien, Heiratspolitik, Ludwig VII., Heinrich Plantagenêt, England, Frankreich, Hofleben, Regentin, Machtposition, Gefangenschaft, Geschichte, Frauengeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und politischen Wirken von Eleonore von Aquitanien im Hochmittelalter mit einem Fokus auf ihrer eigenständigen Entscheidungsfindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau in mittelalterlichen Machtstrukturen, die Heiratspolitik als politisches Instrument und der Wandel von Eleonores politischem Einfluss im Verlauf ihrer Ehen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit Eleonore von Aquitanien tatsächlich eigenständig politische Entscheidungen treffen und vorantreiben konnte, im Gegensatz zu einer reinen Repräsentationsrolle.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Verwendung zeitgenössischer Quellen, wie der Pipe Rolls und verschiedener Chroniken, ergänzt durch die Auswertung moderner Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die politische Wirksamkeit Eleonores als Königin von Frankreich, als Königin von England und während ihrer Zeit der Gefangenschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Eleonore von Aquitanien, politischer Einfluss, Herzogtum Aquitanien, Regentin und mittelalterliche Herrschaftsstrukturen.
Wie wirkte sich die Gefangenschaft auf den politischen Spielraum der Königin aus?
Die Gefangenschaft führte zu einem weitgehenden Verlust des politischen Einflusses und einer Beschränkung der persönlichen Freiheiten, wobei sie dennoch versuchte, durch Stiftungen im öffentlichen Leben präsent zu bleiben.
Welche Rolle spielten die "Pipe Rolls" für die wissenschaftliche Argumentation?
Die "Pipe Rolls" dienten als wichtige Finanz- und Verwaltungsquellen, um nachzuweisen, dass Eleonore in bestimmten Phasen ihrer Ehe selbstständig agierte und Regierungsaufgaben wahrnahm.
Wie unterscheidet sich Eleonores Einfluss in Frankreich von dem in England?
In Frankreich agierte sie anfangs als unerfahrene, später zunehmend einflussreiche Beraterin ihres Mannes, während sie in England zeitweise als Regentin mit eigenen exekutiven und legislativen Befugnissen auftrat.
Zu welchem Fazit kommt die Autorin bezüglich der politischen Stellung Eleonores?
Das Fazit lautet, dass Eleonore erst in ihrer zweiten Ehe eine eigenständige politische Rolle einnehmen konnte, im direkten Vergleich mit anderen zeitgenössischen Königinnen jedoch keine außergewöhnliche politische Sonderstellung erreichte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Königin Eleonore von Aquitanien. Das politische Handeln einer Königin, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319259