Vor dem Hintergrund geschlechtertheoretischer Ansätze und Überlegungen setzt sich diese Arbeit mit dem Thema Häuslicher Gewalt in homosexuellen Paarbeziehungen auseinander. Durch einen Vergleich von Gewalterfahrungen hetero- und homosexueller Paare wird sich der zentralen Fragestellung angenähert: Gibt es Unterschiede und/oder Gemeinsamkeiten bei der Manifestation von Häuslicher Gewalt bei hetero-und homosexuellen Paaren? Wie sehen diese Unterschiede/Gemeinsamkeiten aus und welche Ursachen liegen zugrunde?
Durch die Diskussion relevanter Gendertheorien (Heteronormativität, Heterosexismus, Homophobie, Dekonstruktivismus und die Bedeutung der Zweigeschlechterordnung) werden die abgeleiteten Ergebnisse in einen übergeordneten Zusammenhang gebracht.
Die Definition themenrelevanter Begriffe und die Darstellung von Ausmaß, Formen/Dimensionen und Auswirkungen Häuslicher Gewalt legen in Kapitel 2 wesentliche Grundsteine für diese Arbeit. Das 3. Kapitel stellt mit der Vorstellung und Diskussion von relevanten Studien- und Forschungsergebnissen einen der beiden Schwerpunkte dar. Mithilfe anschaulicher Beispiele aus Interviews und Fragebögen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede Häuslicher Gewalt in hetero-und homosexuellen Paarbeziehungen miteinander verglichen. Da Häusliche Gewalt immer vor dem Hintergrund von Gewalt im Geschlechterverhältnis betrachtet werden muss, wird die Thematik im 4. Kapitel auf der Grundlage einer geschlechtssensiblen Perspektive in einen größeren Kontext gesetzt.
Aus gendersensibler Perspektive wird sich der Frage nach Ursachen Häuslicher Gewalt angenähert. Formen struktureller Diskriminierung in der Gesellschaft, aktuelle Rechtslage und Rechtsschutz sexueller Minderheiten, Homophobie in der Gesellschaft und Reaktionen der Betroffenen werden in Ausschnitten besprochen. Schließlich wird der theoretische Hintergrund von struktureller Diskriminierung erläutert: Wie beeinflusst das in der Gesellschaft verankerte heterosexuelle Verständnis von Häuslicher Gewalt Schutz- und Hilfemaßnahmen? Die Arbeit schließt im 5. Kapitel mit Überlegungen, Forderungen und Handlungsempfehlungen zur Prävention und Intervention auf den Ebenen von Politik, Justiz, Behörden und sozialen Einrichtungen. Im Fazit werden Empfehlungen für die Praxis in der Sozialen Arbeit formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Ausmaß Häuslicher Gewalt
2.3 Formen Häuslicher Gewalt
2.4 Auswirkungen Häuslicher Gewalt
3. Vergleich Häuslicher Gewalt in hetero-und homosexuellen Paarbeziehungen
3.1 Die britische Studie von 2006
3.2 Erfahrungen Häuslicher Gewalt bei gleichgeschlechtlichen Paaren
3.3 Vergleich Häuslicher Gewalt in gleichgeschlechtlichen und heterosexuellen Paarbeziehungen
3.3.1 Gemeinsamkeiten
3.3.2 Unterschiede
3.3.3 Fokus: Unterschiede bei der Suche nach Hilfe
3.4 Zusammenfassung
4. Gewalt im Geschlechterverhältnis: Einbettung der Problematik in einen geschlechtertheoretischen Kontext
4.1 Ursachen Häuslicher Gewalt mit geschlechtssensibler Perspektive
4.2 Der geschlechtertheoretische Kontext: Strukturelle Diskriminierung von LSBTI Menschen
4.2.1 Rechtliche Grundlagen
4.2.2 Lebenswelten der Betroffenen. Wie denkt die Mehrheitsgesellschaft? Was sagen die Betroffenen?
4.2.3 Theoretischer Hintergrund der strukturellen Diskriminierung. Heteronormativität und Heterosexualität als gesellschaftliche Norm
4.2.4 Wie beeinflusst das in der Gesellschaft verankerte heterosexuelle Verständnis von Häuslicher Gewalt Schutz- und Hilfemaßnahmen?
5. Möglichkeiten der Prävention und Intervention
5.1 Allgemein
5.2 Forderungen an Politik, Behörden und soziale Dienste
6. Fazit: Empfehlungen für die Praxis in der Sozialen Arbeit. Haltungen und Werte
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen häuslicher Gewalt in homosexuellen Paarbeziehungen unter Berücksichtigung geschlechtertheoretischer Ansätze. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich zu heterosexuellen Beziehungen zu identifizieren und die Rolle gesellschaftlicher Normen sowie struktureller Diskriminierung für Betroffene und Hilfesysteme zu analysieren.
- Vergleich von Gewalterfahrungen in homo- und heterosexuellen Paarbeziehungen
- Einfluss von Gendertheorien und Heteronormativität auf Gewaltstrukturen
- Analyse von Hilfesuchstrategien und Barrieren für LSBTI-Personen
- Herausforderungen für staatliche Institutionen und die Soziale Arbeit
- Handlungsempfehlungen zur Verbesserung von Prävention und Intervention
Auszug aus dem Buch
Die erste Beziehung als Risikofaktor
„,Well I think I’d always been very clear about what was going on but suddenly I realised actually I was beginning to abuse myself by staying in this relationship and I just knew that if that had been a man, with a man – because my worst relationship was with a violent man … I would not have put up with three years of that actually. I would not. So why was it any different? Because this was a relationship with a woman and it was my first one and I think that’s the very reason why. I think I invested a lot more and […] I was so disappointed in myself that I still couldn’t even make a relationship with a woman work’” (Bristol-Studie 2006, S. 13f.).
Audrey spricht hier über ihre erste Beziehung mit einer Frau, die drei Jahre lang hielt, aber von Gewalt geprägt war. Im Vergleich zu heterosexuellen Paarbeziehungen ist insbesondere die erste Beziehung bei gleichgeschlechtlichen Paaren risikoreich. Diese erste Beziehung ist geprägt durch den Wunsch nach Bestätigung von Identität und Selbstwertgefühl, aber auch vom Mangel an Selbstvertrauen und Zweifel, wie man sich in dieser ersten Beziehung verhalten soll. In dieser Phase fehlt vielleicht noch die Einbindung in die LGBTI-Netzwerke, die Unterstützung und Hilfe bieten können beim Erfahrungsaustausch zur eigenen Gewalterfahrung und wo auch andere Beziehungsbilder und Rollenbilder vorgelebt und übernommen werden können (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik häuslicher Gewalt bei homosexuellen Paaren und die Darlegung der zentralen Fragestellung sowie der methodischen Herangehensweise.
2. Grundlagen: Definition grundlegender Begriffe sowie Darstellung von Ausmaß, Formen und sozio-ökonomischen Auswirkungen häuslicher Gewalt.
3. Vergleich Häuslicher Gewalt in hetero-und homosexuellen Paarbeziehungen: Diskussion zentraler Studienergebnisse zum Vergleich von Gewalt in verschiedenen Beziehungskontexten unter besonderer Berücksichtigung der Bristol-Studie.
4. Gewalt im Geschlechterverhältnis: Einbettung der Problematik in einen geschlechtertheoretischen Kontext: Einordnung der Problematik in den geschlechtertheoretischen Kontext sowie Analyse struktureller Diskriminierung, rechtlicher Rahmenbedingungen und heteronormativer Normen.
5. Möglichkeiten der Prävention und Intervention: Darstellung bestehender Präventionsansätze sowie konkrete Forderungen an Politik, Behörden und Soziale Dienste zur Verbesserung der Hilfesituation.
6. Fazit: Empfehlungen für die Praxis in der Sozialen Arbeit. Haltungen und Werte: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ableitung professioneller Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit zur Reflektion von Normalitätsbildern.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Homosexualität, LSBTI, Geschlechterverhältnis, Heteronormativität, Soziale Arbeit, Diskriminierung, Intervention, Bristol-Studie, Gewaltprävention, Identität, Machtverhältnisse, Hilfesysteme, Geschlechterrolle, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Thema häusliche Gewalt in homosexuellen Paarbeziehungen und setzt dieses in den Kontext geschlechtertheoretischer Ansätze und gesellschaftlicher Normen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Vergleich von Gewalterfahrungen bei hetero- und homosexuellen Paaren, der Einfluss von Heteronormativität auf Hilfesuchprozesse sowie Anforderungen an eine geschlechtssensible Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Manifestation von häuslicher Gewalt aufzuzeigen und die Ursachen für die oft erschwerte Hilfesuche von LSBTI-Betroffenen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine literaturbasierte Analyse vorgenommen, wobei Ergebnisse relevanter Studien (insbesondere der Bristol-Studie von 2006) diskutiert und in einen theoretischen Kontext eingebettet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Gewalt, dem Vergleich von Gewalterfahrungen in verschiedenen Paarformen, der Einbettung in geschlechtertheoretische Kontexte wie Heteronormativität und der Ableitung von Interventionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind häusliche Gewalt, LSBTI, Heteronormativität, Geschlechterverhältnis, Diskriminierung und Soziale Arbeit.
Warum spielt die erste Beziehung eine besondere Rolle?
Laut der Studie ist die erste Beziehung bei gleichgeschlechtlichen Paaren besonders risikoreich, da Unsicherheiten bei der Identitätsfindung bestehen und der Zugang zu unterstützenden Netzwerken oft noch fehlt.
Welche Rolle spielt Heterosexismus bei der Hilfesuche?
Heterosexismus erschwert die Hilfesuche, da sowohl Betroffene als auch Behörden häusliche Gewalt oft ausschließlich als Problem in heterosexuellen Beziehungen wahrnehmen, wodurch LSBTI-Betroffene sich seltener verstanden fühlen.
Was bedeutet der Begriff „intimate terrorism“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt ein Muster, in dem Gewalt als methodisches Kontrollinstrument genutzt wird, um den Handlungsspielraum der betroffenen Person innerhalb der Beziehung methodisch zu beschneiden.
- Arbeit zitieren
- Katharina Rolfes (Autor:in), 2016, Häusliche Gewalt in homosexuellen Paarbeziehungen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei hetero- und homosexuellen Paaren, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/318858