Das vorliegende Werk beschäftigt sich im Speziellen mit dem sechsten Kapitel aus Richard Sennetts philosophischem Essay "Der flexible Mensch", durchaus allerdings unter Zuhilfenahme der weiteren Kapitel.
Die vorliegende Problematik mit all den ihr zugrundeliegenden Faktoren unter einen Hut zu bringen, ist hinsichtlich des vorgegebenen Umfangs dieser Arbeit ein schwer zu bewältigendes Unterfangen. Gerade das mit einer essayistischen Leichtigkeit Hin- und Herspringen zwischen Beispielen, Theorien diverser Gelehrter, persönlichen Erfahrungen und historischen Abrissen zu bestimmten Begriffen seitens des Autors Richard Sennett macht es nicht leicht, den roten Faden der unterschwellig formulierten Theorien zu verfolgen.
Sennett hangelt sich in gewisser Weise durch die acht in seinem Buch „Der flexible Mensch“ formulierten Kapitel hindurch, wobei er spinnennetzartig die darin behandelten Kapitelüberschriften „Drift“, „Routine“, „Flexibilität“, „Unlesbarkeit“, „Risiko“, „Das Arbeitsethos“, „Scheitern“ und „Das gefährliche Pronomen“ in ihrer Begrifflichkeit miteinander verwebt, indem er diese Überschriften in jedem Kapitel – wenn auch zum Teil nur ansatzweise – immer wieder aufgreift und zueinander in Beziehung setzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Sachlage
1.1 Der formale Aufbau des Buches „Der flexible Mensch“
1.2 Die Begrifflichkeiten der einzelnen Kapitel und ihr gemeinsamer Kontext
2 Das sechste Kapitel aus Richard Sennetts „Der flexible Mensch“ – Argumentation
2.1 Arbeitsethos – das „alte Modell“
2.1.1 Die Notwendigkeit der Disziplin
2.1.2 Die Disziplin als Tugend
2.1.3 Selbstschöpfung als Gestaltung der eigenen Lebensgeschichte versus Selbstdisziplin beim „getriebenen“ Menschen
2.2 Arbeitsethos – das „moderne Modell“
2.2.1 „Altes-“ versus „modernes Modell“ – eine Gegenüberstellung
2.2.2 „Teamwork ist Gruppenerfahrung der erniedrigenden Oberflächlichkeit.“ (Richard Sennett)
2.2.3 Fiktion am Arbeitsplatz oder: Die Masken der Kooperation
3 Ausblick – Reflexion (auf die eigene Arbeitssituation)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem sechsten Kapitel „Das Arbeitsethos“ aus Richard Sennetts Werk „Der flexible Mensch“ auseinander. Ziel ist es, den historischen Wandel des Arbeitsethos vom „alten Modell“, das auf Disziplin und Routine basierte, hin zum „modernen Modell“, das von Flexibilität und Teamarbeit geprägt ist, zu analysieren und dessen Auswirkungen auf den menschlichen Charakter und die Gesellschaft zu beleuchten.
- Historische Analyse des Arbeitsethos
- Gegenüberstellung von „altem“ und „modernem“ Modell
- Kritik an Teamarbeit und Projektkultur
- Entfremdungsprozesse in der modernen Ökonomie
- Reflexion über individuelle Arbeitswirklichkeit
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Notwendigkeit der Disziplin
Ursprünglich resultierte das Arbeitsethos aus einer natürlichen Notwendigkeit heraus und war stark verknüpft mit den Anforderungen, die früher – also bereits in der Antike – an eine damals nahezu ausschließlich existierende Bauern- bzw. Agrarwirtschaft gestellt wurden. Sennett bezeichnet dieses ursprüngliche Arbeitsethos als das „alte Modell“. Es stand „… für den disziplinierten Gebrauch der eigenen Zeit und den Wert aufgeschobener Belohnung.“5 Da man als Bauer einem natürlichen Verlauf der eigenen Arbeit unterworfen war – es gab Zeiten, in denen die Aussaat erfolgte und Zeiten der Ernte, die sämtlich dem Naturkreislauf unterworfen sind – musste man sich auch als Mensch diesem Prozess unterwerfen und die Arbeitsschritte immer nach einem bestimmten Tempo und abhängig von Phasen durchlaufen. Dies erforderte eine starke Selbstdisziplinierung. Dennoch konnte man sich auf die Erfolge der eigenen Arbeit so gesehen auch verlassen (daher der Wert aufgeschobener Belohnung), da man wusste, wie das Endprodukt aussehen würde und wann es zeitlich gesehen zu dem Endprodukt kommen würde. Alles war vorhersehbar und unterlag in seiner Realisierung so gesehen einer gewissen Routine, die wiederum auf (eigener) Erfahrung basierte. Explizit schreibt Sennett hierzu: „In der Antike galt diese selbstauferlegte Disziplin als einziger Weg, mit dem Chaos der Natur fertig zu werden.“6
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung – Sachlage: Einführung in die thematische Komplexität des Buches „Der flexible Mensch“ und Skizzierung der zentralen Begrifflichkeiten in ihrem Kontext.
2 Das sechste Kapitel aus Richard Sennetts „Der flexible Mensch“ – Argumentation: Detaillierte historische und kritische Untersuchung des Arbeitsethos unter Vergleich des alten und modernen Modells.
3 Ausblick – Reflexion (auf die eigene Arbeitssituation): Persönliche Einordnung und Reflexion der theoretischen Erkenntnisse im Kontext der eigenen beruflichen Tätigkeit als Musiklehrer.
Schlüsselwörter
Arbeitsethos, Richard Sennett, Der flexible Mensch, Teamarbeit, Disziplin, Routine, Flexibilität, Selbstschöpfung, Kapitalismus, Entfremdung, Projektarbeit, Charakter, Arbeit, Arbeitswelt, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das sechste Kapitel von Richard Sennetts „Der flexible Mensch“ und untersucht, wie sich das Verständnis von Arbeit und das damit verbundene Arbeitsethos im Laufe der Zeit verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang vom alten Arbeitsethos (Disziplin, Routine) zum modernen Arbeitsethos (Flexibilität, Teamarbeit) sowie die daraus resultierenden psychologischen Auswirkungen auf den Einzelnen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Argumentation Sennetts über die negativen Auswirkungen der modernen Arbeitswelt auf den menschlichen Charakter zu verstehen und diese kritisch auf die heutige Praxis der Teamarbeit anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse und Interpretation von Sennetts theoretischem Werk, ergänzt durch eine praktische Reflexion aus der eigenen beruflichen Erfahrung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Betrachtung des alten Modells, die Analyse des modernen Modells sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Konzepten der Teamarbeit und der „Fiktion“ am Arbeitsplatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsethos, Flexibilität, Teamarbeit, Routine, Entfremdung und die Charakterbildung des Menschen im Kontext des modernen Kapitalismus.
Was versteht Sennett unter der „erniedrigenden Oberflächlichkeit“ von Teamarbeit?
Sennett kritisiert, dass Teamarbeit oft nur eine Fassade für mangelnde Verantwortung und echte Autorität ist, was zu einer rein oberflächlichen und kurzfristig orientierten Arbeitsweise führt.
Wie reflektiert der Autor seine eigene Arbeitssituation vor dem Hintergrund der Theorie?
Der Autor vergleicht seine Tätigkeit als Schlagzeuglehrer mit den theoretischen Modellen. Er sieht in seinem Beruf eine Mischung aus der notwendigen Routine und Selbstdisziplin des „alten Modells“ sowie der Flexibilität und Selbstschöpfung, ohne jedoch der oft kritisierten Teamarbeit zu unterliegen.
- Arbeit zitieren
- M. A. Frank Findeiß (Autor:in), 2016, Richard Sennetts „Der flexible Mensch“. Zum Kapitel "Das Arbeitsethos" mit Fokus auf den Begriff "Teamarbeit", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/318685