Die Standortwahl gehört zu den wichtigsten Investitionsentscheidungen im industriellen Gewerbe global agierender Unternehmungen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser schriftlichen Arbeit, die Kerninhalte der Standortplanung zu erläutern, den Bedeutungswandel und damit das moderne, dynamische Verständnis von Standortfaktoren aufzuzeigen sowie zentrale, kritische Faktoren der produzierenden Industrie, insbesondere der Automobilindustrie, herauszuarbeiten und diese anhand beispielhafter Standortentscheidungen aus der Praxis empirisch zu überprüfen.
Standortfaktoren, als wesentliche Einflussparameter der Standortwahl, haben in Zeiten der Globalisierung einen signifikanten Wechsel des Bedeutungsgehalts erfahren. Statt einer einst verkürzten Fokussierung auf einzelne betriebswirtschaftliche Aspekte, erfordert die internationale Standortwahl in Zeiten globaler Vernetzung ferner ein umfangreiches Konstrukt interdependenter und räumlich differierender Parameter.
Die zentrale Herausforderung für Unternehmen besteht daher in der Erkennung dieses Bedeutungswandels von Standortfaktoren sowie der Formulierung wettbewerbsrelevanter Kriterien für die globale Standortwahl aus einer bis dato unübersichtlichen Ansammlung potentieller Kriterien unter der Prämisse einer sinkenden zeitlichen Vorschau und Prognostizierbarkeit.
Die Intensivierung des globalen Wettbewerbs infolge der Globalisierung induziert eine Verkürzung der Produktlebenszyklen sowie hohe Nachfrageunsicherheiten und stellt damit wesentliche Risiken und Herausforderungen für das produzierende Gewerbe dar. Der daraus resultierende und stetig ansteigende Zeit-, Kosten- und Flexibilitätsdruck verlangt von den Unternehmen eine Neuausrichtung ihrer Produktionsstrukturen und verringert somit die lokale Standortgebundenheit. Weiterhin erschweren die Dynamisierung sowie Asymmetrien in der Entwicklung regionaler Märkte die Investitionsentscheidung internationaler Industrieunternehmungen in Bezug auf die Wahl des optimalen Produktionsstandortes zur Erfüllung des ausgegebenen Unternehmensziels.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Zielsetzung
2. Kriterien für die globale Standortwahl von Industrieunternehmungen
2.1 Begriffliche Konkretisierung
2.2 Standortstrategie
2.3 Systematische Standortwahl
2.3.1 Begriffliche Abgrenzung
2.3.2 Räumliche Betrachtungsebene
2.3.3 Qualitative und quantitative Betrachtungsebene
2.3.4 Dynamische (moderne) Betrachtungsebene
2.3.5 Industrielle Betrachtungsebene
3. Praxisbezogene Standortentscheidungen der Automobilindustrie
3.1 BMW Group – Standortwahl Leipzig/Deutschland
3.1.1 Investitionstreiber und Standortentscheidung
3.1.2 Markt- und Werksentwicklung
3.2 Volkswagen AG – Standortwahl Chattanooga/USA
3.2.1 Investitionstreiber und Standortentscheidung
3.2.2 Marktentwicklung
3.3 Vergleich der Praxisbeispiele
3.4 Bewertung der Investitionsentscheidungen
3.4.1 Planungs- und Umsetzungsphase
3.4.2 Ex-Post Betrachtung (Monitoring)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kerninhalte der industriellen Standortplanung im Kontext der Globalisierung. Ziel ist es, den Bedeutungswandel von Standortfaktoren zu erläutern, kritische Parameter für die Automobilindustrie zu identifizieren und diese anhand der Praxisbeispiele von BMW (Leipzig) und Volkswagen (Chattanooga) empirisch zu validieren.
- Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Standortwahl von Industrieunternehmen
- Systematische Standortanalyse und die BESTAND-Faktorensystematik
- Vergleichende Analyse internationaler Investitionsentscheidungen in der Automobilbranche
- Bedeutung von Standortfaktoren wie Agglomeration, Infrastruktur und Incentives
- Erfolgsbewertung von Produktionsstandorten unter Berücksichtigung strategischer Unternehmensziele
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Investitionstreiber und Standortentscheidung
Infolge einer erforderlich gewordenen Neuausrichtung des Unternehmens durch die gescheiterte Übernahme von Rover wurde seitens der BMW Group im Juli 2000 mit der geplanten Entwicklung einer neuen BMW-Modellreihe eine Produkt- und Marktoffensive angekündigt mit dem Ziel, eine Absatzsteigerung um ein Drittel binnen sechs Jahren zu erreichen und sich damit im Premiumsegment zu etablieren. Trotz weltweiter Überkapazitäten der Automobilindustrie waren für die zeitnahe Einführung der Modellreihe zusätzliche Fertigungskapazitäten erforderlich, weshalb umgehend eine weitere Produktionsstätte benötigt wurde.
Aus über 250 in- und ausländischen Standortalternativen wurde auf Basis der sieben Hauptkriterien Wirtschaftlichkeit und Flexibilität, ideales Werksgelände, qualifiziertes Fachpersonal, gute Zulieferstrukturen, ausgebaute Infrastruktur, Anbindung an den BMW-Werkeverbund sowie eine schnelle Umsetzbarkeit stufenweise selektiert, ehe Leipzig im Juli 2001 den Zuschlag bekam. Wenngleich das Werk erst am 13. Mai 2005 offiziell eröffnet wurde, begann die Serienproduktion der neuen Modellreihe (BMW 3er Limousine) in Leipzig bereits am 1. März 2005.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Zielsetzung: Analyse der Herausforderungen für das produzierende Gewerbe durch Globalisierung und Verkürzung von Produktlebenszyklen.
2. Kriterien für die globale Standortwahl von Industrieunternehmungen: Theoretische Herleitung von Standortfaktoren und Einführung der BESTAND-Systematik zur dynamischen Bewertung.
3. Praxisbezogene Standortentscheidungen der Automobilindustrie: Empirische Untersuchung der Standorte Leipzig (BMW) und Chattanooga (VW) inklusive Vergleich und Erfolgsbewertung.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Standortstrategien und Ausblick auf die steigende Bedeutung von Flexibilität und Netzwerken.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Industrieunternehmen, Automobilindustrie, Standortfaktoren, Globalisierung, Standortstrategie, BESTAND-Systematik, Investitionsentscheidung, Wettbewerbsfähigkeit, Agglomeration, Markterschließung, Produktionsnetzwerke, Standortplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie international agierende Industrieunternehmen heute ihre Produktionsstandorte wählen und welche Kriterien dabei den langfristigen Unternehmenserfolg beeinflussen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Standortstrategie, der Bedeutungswandel klassischer Standortfaktoren sowie die spezifischen Anforderungen der globalen Automobilindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erläuterung der Standortplanung, die Ableitung kritischer Faktoren für die Automobilbranche und deren empirische Überprüfung anhand konkreter Investitionsprojekte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Literaturanalyse sowie ein explorativer Vergleich zweier Praxisbeispiele (Fallstudienmethode) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Standortwahl und die detaillierte empirische Untersuchung der Standorte Leipzig bei BMW sowie Chattanooga bei VW.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Standortwahl, Standortfaktoren, Globalisierung, Automobilindustrie und strategische Investitionsplanung.
Wie unterscheidet sich die Standortwahl von BMW und VW in dieser Untersuchung?
Während BMW bei der Standortwahl in Leipzig stark auf ein Qualitäts- und Premiumsegment-Profil setzte, zeigte sich bei VW für Chattanooga eine deutlichere Kostenorientierung bei gleichzeitigem Ziel des Markteintritts in den USA.
Warum ist die BESTAND-Systematik laut Autor relevant?
Sie dient als adäquates Suchraster, um in einer komplexen Weltwirtschaft branchenspezifische und kritische Standortdeterminanten proaktiv herauszuarbeiten.
Welche Rolle spielen Incentives bei der Standortentscheidung?
Incentives fungieren bei zunehmender Konkretisierung der Standortsuche als Lenkungsinstrument, das regionale Unterschiede ausgleichen und so Wettbewerbsvorteile schaffen kann.
- Quote paper
- Marco Riedl (Author), 2015, Kriterien für die globale Standortwahl von Investitionen in der produzierenden Industrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/316553