Wurde die Qualität der Schulbildung sowie die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler durch die Reformierung des englischen Bildungssystems unter Margaret Thatcher verbessert? Vorliegende Hausarbeit untersucht den "Education Reform Act" von 1988 im Hinblick auf diese Fragestellung, insbesondere die Einführung des "National Curriculums", die Mitsprache der Eltern und die Privatisierung der Schulen.
Das britische Bildungssystem besitzt eine lange Tradition und bis ins zwanzigste Jahrhundert hat es nur wenige große Reformen erfahren. Dies änderte sich unter der Regierung von Margaret Thatcher. Während ihrer Amtszeit hat es tiefgreifende Veränderungen in der Bildungspolitik von England gegeben.
Peter Wilby hat im Guardian das Thema aufgegriffen und titelte „Margaret Thatcher’s education legacy is still with us – driven on by Gove“. Er geht in dem Artikel näher auf den Widerspruch ein, dass Thatcher während ihrer Regierungszeit das Ziel hatte, den Staat aus dem Leben der Menschen herauszunehmen, aber in der Bildungspolitik scheinbar das Gegenteil tat, indem sie engere Kontrollen der Schulen durch den Staat einführte und auch den Lehrplan vorgab.
Diese Punkte wurden in der größten Bildungsreform Englands seit Ende des Zweiten Weltkrieges, den "Education Reform Act" von 1988, umgesetzt. Ziel war es, auch auf Bildungsebene einen Markt und einen damit einhergehenden Wettbewerb zu schaffen, dem sich alle Schulen stellen müssen. Damit wollte Thatcher und speziell ihr Bildungsminister Baker die Qualität der Bildung erhöhen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte des englischen Schulsystems
2.1 Von den Anfängen bis in die 1970er Jahre
2.2 Die Struktur des englischen Schulsystems
2.2.1 Primary Schools
2.2.2 Secondary Schools
2.2.3 Privatschulen
2.2.4 Abschlüsse
2.2.5 Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Die Reformen unter Margaret Thatcher
3.1 Ansichten der Parteien zum Schulsstem
3.2 Einfluss des Thatcherismus
3.3 Der Education Reform Act von 1988
3.3.1 National Curriculum
3.3.2 Mitsprache der Eltern
3.3.3 Demokratisierung und Privatisierung
4. Folgend und Konsequenzen der Reformen
4.1 Umsetzung der Reformen
4.2 Chancengleichheit
4.2.1 Freie Schulwahl
4.2.2 Neue Schulformen
4.2.3 Zusammenfassung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bildungspolitischen Reformen der Ära Margaret Thatcher, insbesondere den Education Reform Act von 1988, und analysiert deren Auswirkungen auf die Qualität der Schulbildung sowie die soziale Chancengleichheit im englischen Schulsystem.
- Historische Genese und Strukturen des englischen Bildungswesens
- Der Education Reform Act von 1988 und seine bildungspolitischen Ziele
- Einführung des National Curriculums und verstärkte Elternmitbestimmung
- Marktwirtschaftliche Mechanismen, Privatisierung und Wettbewerb zwischen Schulen
- Analyse der Folgen für die Chancengleichheit und soziale Selektion
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Freie Schulwahl
Die Einführung der freien Schulwahl war, nach Heise, nur die Möglichkeit einen Schulwusch zu äußern, da Schulen mit einem guten Ruf, guten Beurteilungen und guten Durchschnittsleistungen deutlich mehr Anmeldungen hatten, als sie Schüler aufnehmen konnten. Dadurch wurden systematische Aufnahmeselektionen entwickelt, die praktisch mit der Wiedereinführung der in der Bevölkerung unbeliebten 11+ Tests gleichzusetzen sind, die im dreigliedrigen Schulsystem dafür verantwortlich waren, welche Schulform ein Kind nach der Grundschule besuchen durften. Studien in den 1990er Jahren wiesen auf die Nebenwirkungen dieses Systems hin, da von der Nutzung der Schulwahlfreiheit in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Hintergrund der Familien sehr unterschiedlich Gebrauch gemacht wurde. So unterscheiden Gerwitz et al. drei Idealtypen von Schulwahl-Entscheidern, den Privileged/Skilled Chooser, den Semi-Skilled Chooser und den Disconnected Chooser. Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen, dass die erste Gruppe überwiegend aus Mitgliedern der Mittel- und Oberschicht besteht. Diese machen gewusst Gebrauch von der Entscheidungsfreiheit. Sie haben die Möglichkeit, dass komplexe Schulsystem zu entschlüsseln und die Schulen nach ihrem Programm zu unterscheiden. Dabei ist ihr Ziel eine Schule zu finden, die den individuellen Bedürfnissen und Interessen ihres Kindes am besten gerecht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die bildungspolitische Wende unter Margaret Thatcher ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen des Education Reform Act von 1988.
2. Geschichte des englischen Schulsystems: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung des englischen Schulwesens von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und erläutert dessen grundlegende Strukturen.
3. Die Reformen unter Margaret Thatcher: Hier werden die parteipolitischen Ansichten, der Thatcherismus als bildungspolitischer Einflussfaktor sowie der wegweisende Education Reform Act von 1988 detailliert dargestellt.
4. Folgend und Konsequenzen der Reformen: Dieses Kapitel untersucht die tatsächliche Umsetzung der Reformen und bewertet deren Auswirkungen auf die soziale Chancengleichheit sowie neue Schulformen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Reformen zwar eine Liberalisierung brachten, jedoch die soziale Kluft durch eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft" an Schulen verschärften.
Schlüsselwörter
Margaret Thatcher, Education Reform Act 1988, englisches Schulsystem, Chancengleichheit, National Curriculum, Schulwahlfreiheit, Privatisierung, Thatcherismus, Bildungsreform, Bildungssektor, Schulranking, soziale Selektion, 11+ Tests, Comprehensive Schools, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die bildungspolitischen Veränderungen während der Regierungszeit von Margaret Thatcher in England, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Education Reform Act von 1988.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien in Schulen, die Rolle des Staates gegenüber lokalen Behörden, das National Curriculum und die Auswirkungen dieser Reformen auf die soziale Gerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, ob die Bildungsreformen ihr angestrebtes Ziel der Qualitätssteigerung erreicht haben und wie sich diese Maßnahmen auf die Chancengleichheit der Schüler ausgewirkt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Fakten, politische Rahmenbedingungen und soziologische Studien zur Bildungsgerechtigkeit auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Struktur des Systems, die spezifischen Änderungen durch den Reform Act von 1988 (wie Mitsprache der Eltern und Privatisierung) sowie deren konkrete Folgen für die Schulwahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Thatcherismus, Education Reform Act, Chancengleichheit, Schulwahlfreiheit und soziale Selektion.
Inwiefern hat das "Opting out" die Schulen verändert?
Das Opting out ermöglichte Schulen, sich der Aufsicht lokaler Schulbehörden (LEAs) zu entziehen und direkt dem Ministerium zu unterstehen, was ihnen mehr Autonomie in der Mittelverwaltung, aber auch einen stärkeren Wettbewerbsdruck brachte.
Warum wird die freie Schulwahl kritisch gesehen?
Die Arbeit argumentiert, dass die freie Schulwahl primär bildungsnahen Schichten zugutekam, während sie für sozial benachteiligte Gruppen zu einer Verschlechterung führte, da diese oft keinen Zugang zu den "besseren" Schulen fanden.
- Arbeit zitieren
- Christian Mangold (Autor:in), 2014, Die Bildungsreform Margaret Thatchers. Brachte der "Education Reform Act" größere Chancengleichheit?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/315560