Migrations- und Globalisierungsprozesse sowie deren Folgen verändern die gesellschaftliche Situation der Gegenwart und vor allem auch der Zukunft wesentlich. Dies ist unter anderem in ethnisch-demographischen Veränderungsprozessen sichtbar. Die Facetten der Gesellschaft, in der wir leben, sind in den letzten Jahrzehnten enorm vielfältig geworden. In Österreich leben Menschen, die aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen stammen. Viele von ihnen gehören auch verschiedenen Religionen an, die nun in einer Gesellschaft zusammentreffen. Doch wie verhalten sich überhaupt Kultur und Religion zueinander und welche Rolle nimmt Religion in der modernen Gesellschaft ein?
Die Bestimmung des Verhältnisses von Religion und Kultur hängt vor allem davon ab, welche Bedeutung der Kulturbegriff gerade in einer Gesellschaft hat. Bis heute hat sich kein einheitlicher Kulturbegriff durchgesetzt. Es gibt unzählige und auch viel diskutierte Definitionen von Kultur, abgestimmt auf die verschiedenen Wissenschaftsrichtungen.
Gemeinsam haben all diese verschiedenen Konzepte, dass sie Kultur als etwas vom Menschen Geschaffenes sehen. Sie stellt sich dar in Ritualen, Mythen, Zeremonien und Symbolen, gemeinsamer Wahrnehmung von Bedeutungen, Beurteilungen anderer Völker und Kulturen vom Standpunkt der eigenen Kultur aus und den damit verbundenen Wertmaßstäben. Weiters dient Kultur dem Menschen dazu, sich in der Welt zu orientieren. Sie ist laut Helmer wie ein Plan und weist uns oft die Richtung, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kulturbegriff und Religion
3. Transkulturelle Gesellschaft und Identität
4. Religion im Kontext von Integration und Gesellschaft
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Wechselverhältnis zwischen Kultur und Religion unter Berücksichtigung moderner Migrationsprozesse. Ziel ist es, die Rolle der Religion innerhalb einer transkulturellen Gesellschaft zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie Integrationsprozesse beeinflusst.
- Definition und verschiedene Konzepte von Kultur
- Die Wechselwirkung von Religion und kultureller Identität
- Transkulturalität als moderne gesellschaftliche Verfassung
- Hybride Identitäten bei Migranten
- Religionspolitik und gesellschaftliche Integrationsherausforderungen
Auszug aus dem Buch
Das traditionellen Kulturkonzept nach Johann Gottfried Herder (1684)
Das traditionellen Kulturkonzept nach Johann Gottfried Herder (1684) betrachtet die Gesellschaft als eine einzige Nationalkultur, wobei zum einen alle Mitglieder ein- und derselben Ethnie, also einem Volk an angehören. Kultur ist dabei die Äußerung eines spezifischen Volkscharakters.Zum Anderen wirkt Kultur dem traditionellen Verständnis nach sozial homogenisierend, d. h. innerkulturelle Unterschieden sind weder vorhanden noch relevant. Somit ist jede Kultur einzigartig und soll sich gegenüber andere Volkskulturen abgrenzen. Demnach werden Kulturen als Kugeln oder autonome Inseln beschrieben, die jeweils dem territorialen Bereich und der sprachlichen Extension eines Volkes entsprechen sollten.
Was aber geschieht, wenn diese kugel- oder inselartigen Kulturen nun aufeinandertreffen, seien es zwei Gesellschaften oder Staaten, was nach Wolfgang Welschs Begrifflichkeit Interkulturalität ausmacht, oder innerhalb einer staatlichen Gemeinschaft, was als Multikulturalität bezeichnet wird?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, wie Migrationsprozesse die gesellschaftliche Vielfalt verändern und welche Rolle Religion in diesem Kontext einnimmt.
2. Kulturbegriff und Religion: Hier werden verschiedene Definitionen von Kultur erläutert und das wechselseitige Verhältnis zur Religion als Aspekt menschlicher Kultivierung analysiert.
3. Transkulturelle Gesellschaft und Identität: Dieses Kapitel thematisiert den Übergang vom traditionellen Kulturkonzept hin zu Welschs Konzept der Transkulturalität und die Entstehung hybrider Identitäten.
4. Religion im Kontext von Integration und Gesellschaft: Der Fokus liegt auf den Herausforderungen muslimischer Migranten in Österreich und der notwendigen Auseinandersetzung mit religiösen Grundhaltungen im staatlichen System.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Religion für gelingende Integrationsprozesse zusammen und fordert deren stärkere Berücksichtigung in wissenschaftlichen Diskursen.
Schlüsselwörter
Kultur, Religion, Transkulturalität, Integration, Migration, Identität, Hybride Identitäten, Interkulturalität, Multikulturalität, Gesellschaft, Österreich, Islam, Tradition, Globalisierung, Kulturbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis von Kultur und Religion in der heutigen, durch Migration geprägten Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Konzepte von Kultur, das Konzept der Transkulturalität, die Bildung hybrider Identitäten sowie die Rolle der Religion bei der Integration von Migranten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Religion und Kultur im Kontext der transkulturellen Gesellschaft aufzuzeigen und zu klären, welche Rolle Religion für den Integrationsprozess spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen Text, der auf einer Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen Theorien, insbesondere denen von Wolfgang Welsch, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Entwicklung vom traditionellen Kulturverständnis zur Transkulturalität, analysiert hybride Identitätsbildungen und beleuchtet die aktuelle Situation muslimischer Migranten in Österreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transkulturalität, Identität, Religion, Migration und Integration charakterisiert.
Warum ist laut Autor die traditionelle Vorstellung von Kulturen als „Kugeln“ problematisch?
Laut Autor führt dieses Modell dazu, dass sich Kulturen voneinander absetzen, verkennen oder gar bekämpfen, da es soziale Homogenität voraussetzt, die der Realität nicht mehr entspricht.
Welche Herausforderung ergibt sich bei der Einführung von islamischem Religionsunterricht in Österreich?
Die größte Schwierigkeit besteht im Mangel an einem zentralen, legitimen Ansprechpartner für die Kultusbehörden, der die Grundsätze des Islams repräsentiert.
- Arbeit zitieren
- Sarah G. (Autor:in), 2015, Wie verhalten sich Kultur und Religion zueinander und welche Rolle nimmt Religion in der heutigen Kulturgesellschaft ein?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/314819