Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht (FSU). Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erstvermittlung neuer Lexik. Dabei werden die verschiedenen Möglichkeiten der Bedeutungsvermittlung näher betrachtet und die einzelnen Phasen im Unterricht vorgestellt. Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten, die sich dem Lehrer dabei auftun, stellt sich die Frage, wie neue Wörter am besten eingeführt werden sollen und worauf dabei geachtet werden muss. Soll die Vermittlung einsprachig oder zweisprachig erfolgen? Welche Faktoren beeinflussen die Behaltensleistung der Lerner und wie wird der Wortschatz einer Person im Gehirn gespeichert?
Im Anschluss an eine kurze Einführung wird zunächst auf den Begriff ‚Wortschatz‘ und seine Klassifikation eingegangen. Dabei soll auch die lexikalische Einheit erklärt und mit ihren einzelnen Komponenten vorgestellt werden, da diese bei der Wortschatzvermittlung berücksichtigt werden sollten. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden außerdem die Prozesse des Lernens im Gehirn sowie das mentale Lexikon von Interesse sein. Im vierten Kapitel steht schließlich die Wortschatzvermittlung im Mittelpunkt und es werden anhand der Erkenntnisse zur Lernforschung Prinzipien für die Vermittlung neuer Lexik abgeleitet. Zudem werden verschiedene Methoden der Wortschatzarbeit vorgestellt und kritisch betrachtet. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Trotz der Erkenntnis, dass eine gut strukturierte Wortschatzarbeit das Erlernen der fremdsprachlichen Lexik erleichtert, wird das Wörterlernen i.d.R. „aus dem Unterricht ausgelagert“. So sind Lehreräußerungen wie: „Lernt die Vokabeln zu dieser Lektion bis nächste Woche auswendig!“ oder „Schaut euch jetzt die Vokabeln an. Gibt es Fragen dazu? Keine Fragen, gut, dann lernt sie auswendig!“ keine Seltenheit. Durch diese gängige Unterrichtspraxis werden Schüler mit dem Erlernen des fremdsprachlichen Wortschatzes weitgehend allein gelassen, was wiederum meist zum sturen ‚Pauken‘ von Vokabellisten führt und das Behalten der Wörter erschwert. Zudem umfasst der Wortschatzerwerb „weit mehr als das Wissen um die Entsprechung des einzelnen Wortes in der Muttersprache“ (Hutz, Kolb, 2010: 6).
Inhaltsverzeichnis
1. Überblick
2. Der Wortschatz
2.1 Begriffsklärung und Klassifikation
2.2 Die lexikalische Einheit
3. Kognitionspsychologische Grundlagen zum Wortschatzlernen
3.1 Wie lernen wir?
3.2 Das mentale Lexikon
4. Wortschatzvermittlung
4.1 Phasen
4.2 Verfahren
4.3 Allgemeine Prinzipien
5. Fazit
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht effiziente Strategien zur Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht, um das isolierte Vokabellernen durch eine vernetzte, kognitiv aktivierende und kontextbezogene Vermittlung zu ersetzen, die eine nachhaltige Verankerung der Lexik im Langzeitgedächtnis ermöglicht.
- Kognitionspsychologische Grundlagen des Wortschatzerwerbs und des mentalen Lexikons
- Methodische Phasen der Wortschatzvermittlung im Unterricht
- Vergleich und Anwendung verschiedener Semantisierungsverfahren
- Prinzipien für eine nachhaltige und schülerzentrierte Wortschatzarbeit
Auszug aus dem Buch
4.2 Verfahren
Wie bereits angedeutet gibt es verschiedene Möglichkeiten der Wortschatzvermittlung. Eine Option liegt in der Wörterbucharbeit. Diese Variante verlangt jedoch ein hohes Maß an Selbständigkeit und einen geübten Umgang mit dem Wörterbuch, damit die Lerner alle Komponenten der lexikalischen Einheit autonom herausarbeiten können. Dafür muss den Schülern natürlich klar sein, welche Komponenten die lexikalische Einheit umfasst und wo die entsprechenden Informationen im Wörterbuch zu finden sind. Die Aussprache sollte jedoch immer mittels Nachsprechen geübt werden. Dies bietet gleich zwei positive Effekte. Zum einen wird das Wort nicht nur gelesen, sondern auch gehört, sodass die Forderungen nach mehrkanaligem Lernen erfüllt werden, zum anderen können Artikulationsprobleme offengelegt und behandelt werden.
Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass Lerner oftmals nur über ein defizitäres Wissen bezüglich des Umgangs mit Wörterbüchern besitzen. Wird die Handhabung sicher beherrscht, ist das Wörterbuch aber ein gute Variante um die Lernerautonomität zu fördern und einen den Unterricht schülerzentrierter zu gestalten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass fortgeschrittene Lerner (ab Niveau B1+) ein einsprachiges Wörterbuch verwenden (vgl. Köster, 1994: 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Überblick: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Unterrichtspraxis des isolierten Vokabellernens und definiert das Ziel, die Erstvermittlung neuer Lexik durch strukturierte Ansätze zu optimieren.
2. Der Wortschatz: Dieses Kapitel klärt den Begriff des Wortschatzes, differenziert zwischen produktivem und rezeptivem Wortschatz und definiert die notwendigen Wissenskomponenten einer lexikalischen Einheit.
3. Kognitionspsychologische Grundlagen zum Wortschatzlernen: Hier wird erklärt, wie Informationen im Gehirn verarbeitet werden und wie das mentale Lexikon als semantisch vernetztes Ordnungssystem fungiert.
4. Wortschatzvermittlung: Dieser Hauptteil stellt verschiedene Phasenmodelle und konkrete Semantisierungsverfahren wie Wörterbucharbeit, Präsentation und Bild- oder Kontextnutzung vor, ergänzt um didaktische Prinzipien.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse, dass Wortschatzarbeit kontextualisiert, vernetzt und mehrkanalig erfolgen muss, um eine langfristige Behaltensleistung zu sichern.
6. Bibliografie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Internetressourcen auf.
Schlüsselwörter
Wortschatzvermittlung, Fremdsprachenunterricht, Mentales Lexikon, Semantisierung, Langzeitgedächtnis, Lexikalische Einheit, Mehrkanaliges Lernen, Sprachdidaktik, Produktiver Wortschatz, Rezeptiver Wortschatz, Unterrichtspraxis, Kognitive Aktivierung, Wortnetze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Optimierung der Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht, um das Auswendiglernen von Vokabellisten durch effektivere, kognitiv fundierte Methoden zu ersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die kognitionspsychologischen Grundlagen des Lernens, die Struktur des mentalen Lexikons, verschiedene Vermittlungsphasen und konkrete Verfahren zur Semantisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Möglichkeiten der Erstvermittlung neuer Lexik aufzuzeigen, die durch eine stärkere Vernetzung und kognitive Aktivierung zu nachhaltigeren Lernerfolgen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse fremdsprachendidaktischer und psycholinguistischer Fachliteratur, um Prinzipien für die Praxis abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Phasen der Wortschatzarbeit, diverse Verfahren wie Wörterbucharbeit und Semantisierungstechniken sowie grundlegende Prinzipien für den Unterricht detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Semantisierung, Wortschatzvermittlung, mentales Lexikon, mehrkanaliges Lernen und die lexikalische Einheit.
Warum ist das "Pauken" von Vokabellisten laut der Arbeit problematisch?
Es führt zu einer isolierten Speicherung der Wörter ohne semantische Einbettung, was das langfristige Behalten erschwert und die Motivation der Lernenden mindert.
Welche Rolle spielt die emotionale Ebene beim Wortschatzlernen?
Die Arbeit betont, dass Wissen besser eingeprägt wird, wenn es mit persönlichen Inhalten oder positiven Emotionen verknüpft wird, da dies die kognitive Tiefe des Lernprozesses erhöht.
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- Marisa Göhler (Author), 2015, Kognitionspsychologische und didaktische Grundlagen der Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/314565