Der Dialog „Politikos“ ist ein um 365/347 v. Chr. Entstandenes Werk aus der Feder Platons (428 – 348 v.Chr.). Es gehört zur zweiten Tetralogie, ist seinem Spätwerk zuzuordnen und gehört hierbei schwerpunktmäßig zur politischen Philosophie. Platon war ein Schüler des Sokrates und Begründer der Ideenlehre. Sein umfangreich erhaltenes philosophisches Werk übte und übt großen Einfluss auf die abendländische Philosophie aus.
Das wahre und kunstgerechte Werkzeug zur philosophischen Erkenntnisgewinnung ist der Dialog sowie die ebenfalls im „Siebten Brief" angeführte Methode der Fünf Erkenntnisstufen, an deren Anfang die sprachliche Benennung einer Sache steht. Dieser folgt die Definition des Wortes durch das Bezeichnete. Die sprachliche Bestimmung übergeordnet ist das bezeichnete Objekt selbst. Die nächsthöhere Stufe bildet die deduzierte theoretische Erkenntnis über eine Sache. Und die Krönung des Erkenntnisprozesses bildet die Schau der Ideen selbst.
Dementsprechend weisen Platons Dialoge oft über sich hinaus, bleiben eine Antwort auf die von ihnen aufgeworfene Frage schuldig und wirken oft mehr literarisch verspielt als philosophisch ernst. In diesem Kontext ließe sich vermuten, dass die Konzeption seiner Texte als Dialog eine implizite Aufforderung an den Leser beinhaltet, selbst philosophische Diskussionen zu führen statt sich im Studierzimmer zu verbarrikadieren. Außerdem bietet die Dialogform den Vorteil, dass der Autor hinter die sprechenden Charaktere zurücktreten kann, kein Zwang zu inhaltlicher Geschlossenheit besteht und der Leser mehr zum Mitdenken animiert wird, als dies bei einer reinen Lehrschrift der Fall wäre.
Inhaltlich sucht Platon im „Politikos“ nach einer präzisen Bestimmung des Staatsmannes und der besten Staatsform. Da diese Fragestellung allerding im Grunde genommen bereits in seinem Dialog „Politeia“ ausreichend beantwortet wurde, ist der „Politikos“ wohl weniger inhaltlich als eher als methodisches Lehrbeispiel von Interesse.
Dialektisch hat hier natürlich nichts mit These, Antithese und Synthese oder dem hegelianischen Relativismus zu tun, sondern es geht lediglich um eine präzise philosophische Begriffsarbeit vermittels der dihairetischen Methode. Dabei wird ein Begriff solange in mindestens zwei Unterbegriffe geteilt, bis keine Teilung mehr möglich ist, um so zum Wesen einer Sache vorzudringen. Neben einer präzisen Begriffsdefinition führt sie auch zu einem hierarchischen System von Ober- und Unterbegriffen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Kapitel 1.
Kapitel 2.
Kapitel 3.
Kapitel 4.
Kapitel 5.
Kapitel 6.
Kapitel 7.
Kapitel 8. – 10.
Kapitel 11.
Kapitel 12.
Kapitel 13-16
Kapitel 17.
Kapitel 18.
Kapitel 19.
Kapitel 20.
Kapitel 21.-23
Kapitel 24. und 25.
Kapitel 27.-30. sowie 42. und 43.
Kapitel 31.
Kapitel 32.
Kapitel 33.
Kapitel 34. und 35.
Kapitel 36.
Kapitel 37. und 38.
Kapitel 39.
Kapitel 40.
Kapitel 41.
Kapitel 44. und 45.
Kapitel 46.
Kapitel 47.
Kapitel 48.
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Platons Dialog "Politikos" einer strukturierten, kapitelweisen Analyse zu unterziehen, um die darin enthaltene Definition des Staatsmannes und der idealen Staatsform sowie die angewandte dialektische Methode zu untersuchen.
- Analyse der platonischen Begriffsarbeit und der Dihairesis-Methode
- Untersuchung der Regierungsformen und ihrer Qualität
- Kritik an der Gesetzmäßigkeit und Rolle des wahren Staatsmannes
- Beleuchtung des metaphysischen Mythos im Politikos
- Vergleich der antiken philosophischen Konzepte mit modernen gesellschaftlichen Strukturen
Auszug aus dem Buch
Kapitel 6.
Der Fremde fordert Sokrates den Jüngeren auf, die Herdenzucht weiter zu unterteilen und dieser antwortet, es gäbe die Herdenzucht der Menschen und der Tiere. Mit der Lösung zufrieden aber nicht mit dem Weg dorthin, gibt der Hauptredner explizite formal-logische oder aber platonisch-dialektische methodische Anweisungen für ein sicheres Vorgehen in der philosophischen Begriffsarbeit mithilfe der Dihairesis. So ermahnt er Sokrates den Jüngeren: „[...] schnitzeln ist hier nicht sicher, sondern weit sicherer mitten durchschneiden. „10. Damit ist gemeint, dass es bei der genauen Bestimmung eines Begriffes gefährlich sein kann, sich – aus Unwissen oder Bequemlichkeit – allein auf das eigene Gefühl zu verlassen, statt eine erprobte, wenn auch langwierige logische Methode zu Anwendung zu bringen. Es könnte darin resultieren, dass „weil wir uns nicht genug verweilt und gut eingeteilt haben, wir später fertig geworden sind.“11 Der Fremde gibt durchaus zu, dass es mehr Spaß macht, aus den gegebenen Begriffen spontan den richtigen herauszugreifen, allerdings könne man sich nicht immer darauf verlassen, dass einem dies gelingt.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1.: Vorstellung der am Dialog beteiligten Personen und Einordnung in den platonischen Kontext.
Kapitel 2.: Einführung in die Dihairesis als Methode zur Bestimmung der Herrschaftskunst.
Kapitel 3.: Zuordnung der Herrscherkunst zur einsichtigen und gebietenden Erkenntnis.
Kapitel 4.: Abgrenzung der Herrscherkunst gegenüber exekutiven Aufgabenbereichen.
Kapitel 5.: Unterteilung der Erkenntnis nach Sorge für beseelte oder unbeseelte Wesen.
Kapitel 6.: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise bei der Begriffsbestimmung mittels Dihairesis.
Kapitel 7.: Differenzierung zwischen Teil und Art am Beispiel der Herdenzucht.
Kapitel 8. – 10.: Prozess der Begriffsdefinition für Staatskunst als Zwischenergebnis.
Kapitel 11.: Kritische Reflexion der vorläufigen Definition der Staatskunst.
Kapitel 12.: Einführung in die mythologische Beweisführung zur Klärung der Definition.
Kapitel 13-16: Analyse des platonischen Mythos und dessen Bedeutung für den Weltenlauf.
Kapitel 17.: Identifikation von Fehlern in der bisherigen Definition der Staatskunst.
Kapitel 18.: Gegenüberstellung von Tyrann und König sowie gewaltsamer und freiwilliger Herrschaft.
Kapitel 19.: Verweigerung des Abschlusses der Definition zugunsten eines weiteren Exkurses.
Kapitel 20.: Definition des Wesens von Beispielen im philosophischen Diskurs.
Kapitel 21.-23: Präzisierung der Methode durch das Beispiel der Weberei.
Kapitel 24. und 25.: Verteidigung der Länge der Ausführungen und methodische Rechtfertigung.
Kapitel 27.-30. sowie 42. und 43.: Abgrenzung von Teilkünsten zur präzisen Bestimmung der Staatskunst.
Kapitel 31.: Kategorisierung der verschiedenen Regierungsformen nach ihrer Qualität.
Kapitel 32.: Bestimmung der besten Staatsverfassung basierend auf dem Grad der Erkenntnis.
Kapitel 33.: Erörterung der Problematik von Gesetzen im Kontext der wahren Staatskunst.
Kapitel 34. und 35.: Relativierung der Bedeutung von Gesetzen und Vergleich zur ärztlichen Praxis.
Kapitel 36.: Betrachtung der zweitbesten Staatsverfassungen und deren Gesetzestreue.
Kapitel 37. und 38.: Polemische Kritik an demokratischen Systemen und deren Praxis.
Kapitel 39.: Analyse der Möglichkeiten und Grenzen einer kollektiven Ausübung der Staatskunst.
Kapitel 40.: Reflexion über die Schwierigkeit, einen wahren Staatsmann in der Realität zu finden.
Kapitel 41.: Tabellarische Reihung der Staatsformen nach ihrer Lebensqualität.
Kapitel 44. und 45.: Diskussion über die Teile der Tugend, insbesondere Tapferkeit und Besonnenheit.
Kapitel 46.: Notwendigkeit staatlicher Erziehung zur Formung nützlicher Staatsbürger.
Kapitel 47.: Die Rolle der Erkenntnis des Guten als verbindendes Element der Tugenden.
Kapitel 48.: Die Aufgabe des Staatsmannes, gesellschaftliche Extreme zu harmonisieren.
Resümee: Kritische Zusammenfassung des Werkes als dialektisches Lehrstück.
Schlüsselwörter
Platon, Politikos, Staatsmann, Staatskunst, Dihairesis, Dialektik, Erkenntnistheorie, Regierungsformen, Tugend, Tapferkeit, Besonnenheit, Philosophie, Antike, Gesetzmäßigkeit, Mythos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Platons Dialog "Politikos" und setzt sich kritisch mit der darin entwickelten Staatsphilosophie sowie der angewandten dialektischen Methode auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Bestimmung des idealen Staatsmannes, die Einordnung verschiedener Staatsformen, das Verhältnis von Gesetz und Herrschaft sowie die methodische Begriffsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Definition der Staatskunst nachzuvollziehen und zu hinterfragen, inwieweit Platons dialektische Methode zur präzisen Bestimmung dieses komplexen Begriffs führt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine textnahe, kapitelweise Analyse durch, ergänzt durch metaphysische und sozialwissenschaftliche Vergleiche, um die Relevanz des antiken Textes einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die schrittweise Analyse der 48 Kapitel des Politikos, wobei methodische Exkurse, mythologische Aspekte und die Kritik an zeitgenössischen politischen Systemen im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Platon, Politikos, Staatskunst, Dihairesis, Dialektik und Staatsformen definiert.
Welche Rolle spielt der im Politikos erwähnte Mythos?
Der Mythos dient dem Fremden als metaphysisches Werkzeug, um die notwendigen Voraussetzungen für die Definition der Staatskunst und die unterschiedlichen Weltenläufe zu verdeutlichen.
Wie bewertet der Autor Platons Kritik an der Demokratie?
Der Autor identifiziert eine polemische Überspitzung in Platons Kritik und verweist auf die Ähnlichkeiten zum politischen System Athens, warnt jedoch vor einer zu starken Vereinfachung dieser Kritik.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit von "guter Begriffsarbeit"?
Der Autor schlussfolgert aus den langwierigen dialektischen Prozessen im Werk, dass saubere Begriffsdefinitionen essenziell für die philosophische Klarheit sind, um den Leser nicht unnötig in "Agonie" zu versetzen.
Wie beurteilt das Resümee den "Politikos" als Lehrstück?
Das Resümee fällt zwiegespalten aus: Einerseits wird das Werk als lehrreich für die platonische Dialektik anerkannt, andererseits wird die enttäuschende Redundanz in der Begriffsbestimmung des Staatsmannes hervorgehoben.
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- Georg Halbgebauer (Author), 2012, Eine Textanalyse von Platons Dialog "Politikos", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/314065