Sparta, ein Begriff, mit dem jeder sofort etwas assoziieren kann. Neben Athen und Rom zeigt man keiner weiteren Stadt in der Antike ein so großes Interesse. Begeisterung für diese Stadt basiert nicht nur auf die Sitten und Bräuche Spartas, sondern auch insbesondere auf deren Gründung und gesellschaftliches System. Denn keine andere griechische Stadt konnte in den ersten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends so bedeutende militärische Triumphe aufweisen wie Sparta selbst. Dabei lassen sich diese insbesondere durch das gesellschaftliche System erklären.
Dieses System als Produkt der Gründung Spartas war dreiteilig und bestehend aus den Spartiaten, Heloten und Periöken. Aus der Quellenlage kann dieses sehr schlüssig rekonstruiert werden. Dabei bezog sich dieses gesellschaftliche Konstrukt und insbesondere das spartanische Herrschaftsterritorium nicht nur auf Sparta selbst, sondern auf ganz Lakonien und im 7. Jahrhundert v. Chr. sogar auf Messenien. Ursprung dieses Imperiums bildet dabei die Gründung des Machtzentrums Sparta, das als unmittelbarer Teilaspekt der dorischen Wanderung gesehen werden muss. Denn gerade diese Wanderung gilt als Ausgangspunkt für das Entstehen des Kosmos Spartas.
Dabei gehen Mythos und Forschung weit auseinander. Die dorische Wanderung und die Eroberung Lakoniens in Forschung und Mythos werde ich in den folgenden Abschnitten thematisieren. Das Untersuchen des Produkts dieser Eroberung, das dreiteilige gesellschaftliche System Spartas, bildet dabei den Schwerpunkt dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Eroberung Lakoniens durch die Dorier
2.1. Der Mythos der Eroberung Lakoniens durch die Dorier
2.2. Die Eroberung Lakoniens durch die Dorier in der Forschung
3. Das System in Sparta: Spartiaten, Heloten, Periöken
3.1. Die Spartiaten
3.2. Die Bürgerschaft als Homoioi
3.3. Die Heloten
3.4. Die Periöken
4. Lykurg und die Landverteilung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung und die sozioökonomischen Grundlagen des spartanischen Staates unter besonderer Berücksichtigung der dorischen Landnahme. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern das dreiteilige gesellschaftliche System aus Spartiaten, Heloten und Periöken als direkte Konsequenz der Zuwanderung und der damit verbundenen Eroberungs- und Herrschaftsstrukturen zu verstehen ist.
- Die dorische Wanderung und ihre Mythenbildung
- Historische Rekonstruktion der Landeinnahme Lakoniens
- Die soziologische Differenzierung in Spartiaten, Heloten und Periöken
- Das Homoioi-Ideal und seine ideologische Funktion
- Lykurgische Landverteilung und deren Auswirkungen auf die soziale Ordnung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Spartiaten
Die Spartiaten bildeten die Oberschicht in Sparta. Jedoch waren sie nicht bereits zu Beginn der Gründung Spartas eine Herrenschicht. Ursprünglich waren sie Teil der in das archaische Gebiet eingewanderten Dorier. Die Spartiaten waren zu einer oligarchischen Minderheit verschmolzen, welches durch spätere Zeugnisse auch belegt worden ist, und umfassten sowohl den Adel als auch Gemeinfreie. Die Annahme, dass sie die Gesamtheit der nach Lakonien eigedrungenen Dorier dargestellt hätten, ist jedoch nicht stabil. Denn die geografische Lage Spartas lässt darauf schließen, dass Nordlakonien dorisch war, als städtische Kolonien am Eurotas gegründet wurden. Denn der dorische Dialekt hätte wohl kaum angehalten, wenn die in Sparta konzentrierten Spartiaten dessen einzige Träger gewesen waren.
Die Stellung Spartas und somit auch die der Spartiaten waren also das Ergebnis der historischen Entwicklung des Doriertums in Lakonien. Vermutlich war das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Dorier in Lakonien das Hügelland des oberen Eurotastales und der Nordrand der Binneneben um Sparta, da die Dorier wie bereits erörtert aus dem Norden Griechenlands kamen. Doch wieso war gerade Sparta das Zentrum dieses Siedlungsraumes? Die geografische Lage Spartas zeigt, dass durch das Eindringen nach Lakonien und insbesondere durch die Eroberung Amyklais die Dorier ihr Zentrum gut verteidigen konnten. Es war von allen Himmelsrichtungen aus umgeben von dorischem Land. Der wesentlich bedeutendere Punkt jedoch war, dass gerade aus der Bodenbeschaffenheit Spartas fast schon die Notwendigkeit folgt, dass diese Stadt den Schwerpunkt dieses Siedlungsraumes darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung Spartas als antike Großmacht ein und stellt die Forschungsfrage nach der Entstehung des dreiteiligen Gesellschaftssystems als Produkt der dorischen Wanderung.
2. Die Eroberung Lakoniens durch die Dorier: Dieses Kapitel kontrastiert den mythologischen Überlieferungscharakter der Landnahme mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zur historischen dorischen Zuwanderung.
3. Das System in Sparta: Spartiaten, Heloten, Periöken: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der drei Bevölkerungsgruppen, ihrer jeweiligen rechtlichen Stellung sowie ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten innerhalb der spartanischen Ordnung.
4. Lykurg und die Landverteilung: Das Kapitel behandelt die im Zuge der Messenischen Kriege eingeführte gesellschaftliche Neuordnung und den Versuch, durch die Verteilung von Landlosen eine soziale Gleichheit der Bürger anzustreben.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das spartanische System eine einzigartige, auf ständiger Kampfbereitschaft basierende Struktur darstellte, deren Basis die Unterjochung der Heloten bildete.
Schlüsselwörter
Sparta, Dorier, Landnahme, Lakonien, Spartiaten, Heloten, Periöken, Homoioi, Lykurg, Messenische Kriege, Syssitien, Agoge, Herakliden, Gesellschaftsordnung, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung des spartanischen Staates unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Struktur, die sich aus der dorischen Landnahme entwickelt hat.
Welche drei zentralen Bevölkerungsgruppen werden untersucht?
Zentrales Thema ist die Differenzierung und das Zusammenwirken der Spartiaten als Vollbürger, der Heloten als unfreier Bevölkerungsteil und der Periöken als rechtlich eigenständige, aber politisch abhängige Umwohner.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das dreiteilige gesellschaftliche System Spartas als direkte Frucht der dorischen Zuwanderung und der anschließenden Eroberungsprozesse zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Der Autor nutzt einen quellenkritischen Ansatz, indem er mythologische Berichte (z. B. Heraklidensage) mit historischen und archäologischen Forschungsergebnissen zur dorischen Wanderung vergleicht.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Landnahme, die Analyse der drei Stände, das Ideal der "Gleichen" (Homoioi) sowie die Reformen der Landverteilung unter Lykurg.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sparta, Dorier, Helotie, Homoioi-Ideal und lykurgische Ordnung beschreiben.
Warum galt das Schicksal der Heloten nach zeitgenössischer Auffassung als selbstverschuldet?
Die Arbeit erläutert, dass die antike Überlieferung (insbesondere bei Ephoros) den Widerstand der Vordorier gegen die Eroberer als Ursache für ihre Versklavung darstellt, um die soziale Hierarchie zu rechtfertigen.
Welche Funktion hatten die Syssitien für die Spartiaten?
Die Syssitien waren verpflichtende Gemeinschaftsmähler, die den Zusammenhalt stärkten, politisches Handeln ermöglichten und durch die notwendige Beitragsleistung den Vollbürgerstatus der Spartiaten definierten.
- Arbeit zitieren
- Sevgi Bozkurt (Autor:in), 2014, Die Landnahme Lakoniens durch die Dorier. Das dreiteilige System als Frucht der Zuwanderung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/313556