„Was Schüler lernen, bestimmt der einzelne Pädagoge.“ Kann man dies umzusetzen im Sinne von: Was Kinder in der Kita lernen, bestimmt der Pädagoge? Schenkt man der Studie von Hattie Glauben, kann man das so verstehen.
Der Entwicklungspsychologe Piaget sieht den Lernprozess als Verarbeitungsprozess. Das Kind lernt, indem es sich handelnd mit Umwelt und deren Reizen auseinandersetzt und seine eigene Konstruktion dessen schafft. Widersprechen sich die Ansichten von Hattie und Piaget? Unter anderem mit dieser Frage befasse ich mich in der vorliegenden Arbeit. In meinen Ausführungen betrachte ich die pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen. Danach stelle ich dar, welche Herausforderungen sich daraus für die Tätigkeit der Erzieher/innen in den Kindertagesstätten ergeben.
Bildung ist unter der Betrachtung gesellschaftlicher Veränderungen und Ansprüche mehr als formelles Lernen in der Schule. Bildungsarrangements in Einrichtungen der Sozialen Arbeit erhalten Bedeutung zur Kompetenzentwicklung in Bezug auf die Lebens- und Zukunftsgestaltung der Menschen. Wie Bildungsprozesse ermöglicht werden können und welche Prinzipien vom Pädagogen in der Kinder- und Jugendhilfe beachtet werden müssen, wird in dieser Arbeit u.a. dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen
2.1 Selbstbildung im sozialen Kontext
2.2 Interaktionsmodelle
2.3 Pädagogischer Bezug
2.4 Einfühlung und Spiegelung und das Lernen am Modell
2.5 Die Hattie-Studie
3. Aspekte der Begleitung von Lern- und Bildungsprozessen in der Kindertageseinrichtung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen in Kindertagesstätten und analysiert die zentrale Rolle der pädagogischen Fachkräfte im Kontext moderner Bildungsanforderungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse.
- Selbstbildungsprozesse von Kindern im sozialen Kontext
- Interaktionsmodelle in der pädagogischen Arbeit
- Bedeutung von Einfühlung, Spiegelung und Lernen am Modell
- Die Hattie-Studie als Impulsgeber für den pädagogischen Perspektivenwechsel
- Der gesetzliche Bildungsauftrag und die Rolle des Erziehers als Prozessbegleiter
Auszug aus dem Buch
2.1 Selbstbildung im sozialen Kontext
Kinder gestalten ihre Lernsituationen selbsttätig. Dabei verknüpfen sie neue Erfahrungen immer mit vorhandenen. Sie setzen sich mit Bildungsangeboten und Inhalten auseinander und konstruieren eigene Denkmuster. Diese finden aber nicht nur in der eigenen Beschäftigung mit sich selbst statt, sondern auch immer im Austausch mit anderen (vgl. Dieckerhoff, 2010: 26). Bildungsprozesse stellen stets soziale und kommunikative Prozesse zwischen Kindern sowie zwischen Kindern und Erwachsenen dar und ermöglichen eine Ko-Konstruktion. Kinder sind auf eine positive Resonanz ihrer Bezugspersonen angewiesen. Hierdurch sind sie in der Lage, Ereignisse und Erfahrungen als sinn- und bedeutungsvoll bewerten. Ohne Kommunikation würden die Kinder von der Flut der Eindrücke überfordert (vgl. verlag-das-netz.de, 2008). Hieraus ergibt sich eine Verantwortung der Erzieher_innen, aktiv Lern- und Entwicklungsprozesse zu begleiten (vgl. Dieckerhoff, 2010: 28). Dies beinhaltet, die Selbstbildungsprozesse der Kinder anzuerkennen und zu gewährleisten, dass Bildungsinhalte an bereits erworbene Erfahrungen anschlussfähig sind (vgl. ebenda: 27) Die Rolle des Erziehers muss in diesem Sinne als Prozessbegleiter und Moderator verstanden werden und nicht als „Belehrer“ und „Beibringer“ (vgl. ebenda: 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der pädagogischen Steuerung von Lernprozessen ein und hinterfragt das Verhältnis von Lehrkraft und Lernendem anhand von Piaget und der Hattie-Studie.
2. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der kindlichen Entwicklung, wie Selbstbildung, Interaktionsmodelle und die Bedeutung von Bindung sowie neurobiologischen Modellen wie der Spiegelung.
3. Aspekte der Begleitung von Lern- und Bildungsprozessen in der Kindertageseinrichtung: Hier wird der Transfer der theoretischen Erkenntnisse in die Praxis der Kita sowie der gesetzliche Bildungsauftrag und die Rolle der Erzieher_innen als Prozessbegleiter detailliert beschrieben.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die notwendige Neuausrichtung des pädagogischen Selbstverständnisses und fordert eine höhere Qualifizierung der Fachkräfte im Lichte moderner Bildungspläne.
Schlüsselwörter
Bildungsprozesse, Selbstbildung, Pädagogischer Bezug, Kindertagesstätte, Erzieher, Interaktionsmodelle, Hattie-Studie, Ko-Konstruktion, Lernbegleitung, Prozessbegleiter, Bindung, Spiegelung, Lernen am Modell, Bildungsauftrag, Projektarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Gestaltung und Begleitung von Bildungsprozessen in Kindertagesstätten aus pädagogischer Sicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen Selbstbildungsprozesse, Interaktionsmodelle, der pädagogische Bezug sowie die Bedeutung von Vorbildfunktion und Bindung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Rolle der pädagogischen Fachkraft als Moderator und Begleiter von Bildungsprozessen vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse neu zu definieren.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Autorin stützt sich u.a. auf Entwicklungspsychologie (Piaget), Bindungsforschung, Neurobiologie sowie die Ergebnisse der Hattie-Studie.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte der Begleitung von Lernprozessen erarbeitet und auf die praktische Tätigkeit von Erzieher_innen in der Kita übertragen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Selbstbildung, Prozessbegleitung, Interaktionsmodelle und die Professionalisierung der pädagogischen Arbeit in Kitas.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Erziehers heute vom früheren "Belehrer"?
Der heutige Erzieher agiert als Moderator und Lernbegleiter, der an vorhandene Interessen anknüpft, statt lediglich Wissen instruktiv zu vermitteln.
Welche Bedeutung hat die Hattie-Studie für die pädagogische Arbeit in der Kita?
Sie unterstreicht, dass die Lehrperson der entscheidende lernfördernde Faktor ist, was die Notwendigkeit stetiger Fortbildung und Professionalisierung hervorhebt.
- Arbeit zitieren
- Ute Novke (Autor:in), 2015, Die Rolle des Pädagogen in der Kita. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen und Lernprozessen in der Kindertageseinrichtung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312629