Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Das Tipi der indigenen Völker Nordamerikas“. Zunächst wird der Begriff „Tipi“ definiert und auf die Materialien eingegangen, die für den Aufbau eines Tipis notwendig sind. Danach werden die Herstellung und die Bemalungen näher erläutert, wobei hier wichtig zu klären ist, wie die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau geregelt ist. Da diese beiden Praktiken in vielen Stämmen unterschiedlich ausgeübt werden, wird bei der Herstellung des Tipis speziell der nordamerikanischen Volksstamm der Cheyenne betrachtet und bei den Bemalungen auf die Stammesgruppe der Blackfoot. Im letzten Punkt des Hauptteils geht es um die Funktionen des Tipis, bei denen ich zwischen sozialen und ökonomischen Funktionen unterscheide. Zum Abschluss der Hausarbeit werde ich ein Fazit geben und einen Themenbezug zum Seminar herstellen.
Neben den aufgehführten Werken in der Literaturliste nutze ich zur Darstellung der Materialien und Herstellung hauptsächlich drei Autoren, nämlich Stanley Campbell, der sich intensiv mit den Tipis der Cheyenne auseinandersetzte, Paul Goble mit seinem Werk über die „Nomadic Buffalo Hunters“ und das Ehepaar Gladys und Reginald Laubin, welches jahrelang Feldforschungen bei indigenen Kulturen durchführte und dort teilweise selbst in Tipis lebte. Für das Unterkapitel der Bemalungen zog ich die Lektüre „Tipibemalungen der Blackfoot: Zu Herkunft und Stil“ von Ted Brasser heran, die von Helmut Petersen übersetzt wurde. Mit den Bemalungen der Blackfoot befasste Ted J. Brasser sich jahrelang als Ethnologe am National Museum of Man, dem heutigen Canadian Museum of Civilization.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tipi
2.1 Definition „Tipi“
2.2 Materialien
2.3 Herstellung der Cheyenne
2.4 Bemalungen der Blackfoot
2.5 Funktionen
5. Fazit und Seminarbezug
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Tipi als traditionelle Wohnstätte nordamerikanischer Plains-Völker. Dabei werden ausgehend von einer allgemeinen Definition die notwendigen Materialien sowie die spezifischen Herstellungsprozesse der Cheyenne und die symbolischen Bemalungstraditionen der Blackfoot analysiert, um die sozialen und ökonomischen Funktionen dieser mobilen Architektur zu ergründen.
- Materialkunde und konstruktive Grundlagen des Tipi-Baus
- Die handwerkliche Arbeitsteilung und Herstellungstechnik bei den Cheyenne
- Bedeutung und ikonographische Klassifikation der Blackfoot-Bemalungen
- Soziale und ökonomische Nutzungsaspekte im nomadischen Alltag
Auszug aus dem Buch
2.4 Bemalungen der Blackfoot
In den Lagern der Blackfoot sind geschätzt etwa zehn Prozent aller Tipis dekoriert. Die Tipi-Bemalungen verkünden das Vorhandensein eines bestimmten Ritualkomplexes oder Medizinbündels. Der Ritualkomplex besteht aus rituellem Zubehör, sowie anderen heiligen Objekten, Gesichtsfarben und Liedern, welche vom ersten Eigentümer durch eine Vision oder einem Traum erworben werden. Niemandem, außer dem rituellen Eigentümer ist es gestattet, das gemalte Design auf der Plane seines Tipis zu verwenden. Das Medizinbündel hingegen erlaubt dem Benutzer ein Ritual durchzuführen, wodurch er die besonderen magischen Kräfte, die diesem speziellen Medizinbündel zugesprochen werden, kontrollieren und handhaben kann. Medizinbündel und ihre rituellen Rechte wurden nicht vererbt, sondern auf neue Eigentümer übertragen, da sie mit rituellen Rollen von Individuen verbunden waren (Vgl. Brasser 1995: 9).
Kein Blackfoot-Stammesangehöriger würde es wagen, eine heilige Tipi-Bemalung und ein dazugehöriges Ritual nur auf der Grundlage einer Vision zu schaffen. Stattdessen lädt er davor respektierte Traditionalisten ein, bewirtet sie und berichtet ihnen über seinen Traum oder seine erfahrenen Visionen. Sie geben ihm Rat bei der Herstellung des rituellen Zubehörs und dem Entwurf der Tipi – Bemalungen. Indianische Klassifikationen müssen hierbei in verschiedenen Details wiedergespiegelt werden, entweder in der Klasse der Oberen oder der Unteren Mächte. Die Älteren entscheiden dann als Hüter der Stammeskonformität über eine akzeptable Visions-Darstellung der gesehen und erfahrenen Dinge (Vgl. Brasser 1995: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Tipi-Kultur ein und benennt die Schwerpunkte Herstellung bei den Cheyenne sowie die Bemalungen der Blackfoot als zentrale Untersuchungsgegenstände.
2. Tipi: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen, die benötigten Materialien wie Pfähle und Häute sowie die detaillierte Konstruktionsweise und die daraus resultierenden Funktionen des Tipis.
2.1 Definition „Tipi“: Hier wird der Begriff Tipi linguistisch verortet und als Synonym für die mobilen Zelte der nordamerikanischen Plains-Stämme eingeführt.
2.2 Materialien: Dieser Abschnitt beschreibt die wesentlichen Bauteile, insbesondere die Auswahl und Beschaffenheit von Holzpfählen, Häuten und Befestigungselementen.
2.3 Herstellung der Cheyenne: Dieser Teil beleuchtet die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bei der Errichtung eines Tipis bei den Cheyenne und beschreibt den Aufbauprozess vom Lagerplatz bis zur Inneneinrichtung.
2.4 Bemalungen der Blackfoot: Der Fokus liegt hier auf der rituellen Bedeutung von Tipi-Designs, den Visionsdarstellungen und den spezifischen Grundtypen von Bemalungen.
2.5 Funktionen: Zusammenfassung der sozialen Rolle des Tipis als Versammlungs- und Bestattungsort sowie der ökonomischen Vorteile durch Witterungsschutz und Belüftung.
5. Fazit und Seminarbezug: Das Fazit bewertet die Bedeutung des Tipis als technologische Innovation und reflektiert die Inhalte im Kontext der im Seminar behandelten Handwerkstechniken.
6. Literatur: Auflistung der verwendeten ethnologischen Quellen und Sekundärliteratur zur Tipi-Kultur.
Schlüsselwörter
Tipi, Indigene Völker Nordamerikas, Plains-Stämme, Cheyenne, Blackfoot, Medizinbündel, Fellgerbung, Nomadismus, Tipi-Bemalung, Ritual, Lagerplatz, Zeltkonstruktion, Kulturgeschichte, Ethnologie, Wohnkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der materiellen Kultur und der symbolischen Bedeutung des Tipis bei den indigenen Völkern Nordamerikas, insbesondere bei den Stämmen der Cheyenne und Blackfoot.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Konstruktion, die handwerkliche Herstellung unter Berücksichtigung der Geschlechterrollen sowie die rituelle Gestaltung durch Bemalungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die baulichen Techniken und die soziale sowie ökonomische Relevanz des Tipis zu analysieren und einen Bezug zu im Seminar erlernten handwerklichen Fertigkeiten herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei ethnologische Standardwerke und feldforschungsbasierte Studien herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition, die Materialien, der spezifische Herstellungsprozess der Cheyenne, die Bemalungstraditionen der Blackfoot sowie die sozialen und ökonomischen Funktionen des Tipis detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tipi, Cheyenne, Blackfoot, Nomadismus, rituelle Bemalung und indigene Wohnkultur charakterisiert.
Warum spielt das "Hugging Bear"-Design eine Sonderrolle?
Das „Hugging Bear“-Design bricht mit den konventionellen, eher abstrakten Designelementen der Blackfoot, da es eine bildhafte Darstellung eines Bären umfasst, die auf einer spezifischen Entstehungsmythe basiert.
Welche Rolle spielt die Auskleidung (Lining) für die Funktionalität?
Die Auskleidung schützt das Innere des Tipis vor Wind und Feuchtigkeit, sorgt für bessere Belüftung und schützt die Privatsphäre der Bewohner, indem sie Schattenspiele nach außen verhindert.
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- René Fenzlein (Author), 2015, Das Tipi der indigenen Völker Nordamerikas. Bauweise, Bemalung und Funktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312572