Die gesellschaftliche Bedeutung des Wohnens wird im Bezug auf den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft immer mehr zum entscheidenden Faktor. Wohnen ist ein Lebensbereich mit elementarer Bedeutung, denn er ist der Mittelpunkt alltäglicher Lebenserfahrung. Wohnen ist aber auch eine Form der sozialen Interaktion, es schließt das Wohnumfeld ebenso mit ein wie die soziale Nachbarschaft. Der Standort der Wohnung ist ausschlaggebend für die Einbettung in soziale Beziehungsnetze.
Das französische Viertel in Tübingen ist, mit seinem preisgekrönten Konzept, inzwischen zum beispielgebenden Vorbild und internationalen Leitbild für nachhaltige Stadtentwicklung geworden. Es hat eine Vielzahl von Preisen erhalten, unter anderem den deutschen Städtepreis 2001. Es kann als eine Art Gegenmodell zum seit Jahrzehnten gängigen Verfahren der Nutzungstrennung und der strengen Separierung von Arbeiten und Wohnen gesehen werden. Durch das Konzept innerstädtischen Wohnens und die Mischung der Sozialstruktur entsteht eine große Vielfalt an Wohnformen.
Durch meine, an das Französische Viertel angrenzende Wohnlage nutze ich selbst oft die kurzen Wege, die der Stadtteil durch die vielfältige Infrastruktur bietet. Für diese Nutzung ausschlaggebend sind für mich aber auch die kinderfreundlichen Spiel- und Begegnungsmöglichkeiten. In der vorliegenden Hausarbeit untersuche ich, ob durch das städtebauliche Konzept das soziale Miteinander im Viertel tatsächlich gestärkt wird und ob durch diese Wohn- und Lebensform eine bessere Integration der Bewohner erreicht werden kann. Für mich stellt sich auch die Frage, ob durch solche städtebaulichen Maßnahmen ein gesellschaftlich positiver Einfluss auf die ansteigende Anonymität und Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen in der Nachbarschaft genommen werden kann.
Dafür definiere ich zunächst einige zentrale Begriffe. Im weiteren Verlauf werde ich detailliert auf die Konzeption des Viertels eingehen. Literarisch werde ich mich hauptsächlich auf Andreas Feldtkeller beziehen, dessen Werken die Grundidee des Rahmenplanes entstammt. Um auf die weitere Entwicklung des Viertels genauer eingehen zu können, stütze ich meine Arbeit auf eine soziologische Studie, die von Katharina Manderscheid über den Stadtteil gemacht wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
2.1 Öffentlicher Raum
2.2 Urbanität
2.3 Integration
3. Das städtebauliche Konzept
3.1 Wohnen und Leben im Französischen Viertel
3.2 Gewerbe und Arbeitsplätze im Französischen Viertel
4. Integration und Urbanität
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das städtebauliche Konzept des Französischen Viertels in Tübingen das soziale Miteinander stärkt und eine verbesserte Integration der Bewohner fördert, wobei insbesondere der Einfluss räumlicher Gestaltung auf die soziale Interaktion im Fokus steht.
- Städtebauliche Konzepte nachhaltiger Stadtentwicklung
- Soziale Interaktion und Integration durch Wohnraumgestaltung
- Funktionale Mischung von Wohnen und Arbeiten
- Bedeutung des öffentlichen Raums für die Nachbarschaft
- Bürgerschaftliches Engagement und Baugemeinschaften
Auszug aus dem Buch
3.1 Wohnen und Leben im Französischen Viertel
„Eine Stadt besteht - in den meisten Köpfen - immer noch aus vielen verschiedenen Häusern, gebaut von den Bürgern auf einzelnen Grundstücken“ (Soehlke 1998, S. 14).
In der diesem Bild entgegengesetzten Konzeption des Französischen Viertels endet der Lebensraum nicht an der eigenen Wohnungstüre. Die Idee dafür entstammt zum größten Teil dem Buch „die Zweckentfremdete Stadt“ von Andreas Feldtkeller (vgl. Feldtkeller, 1994) und wurde auf dem ehemaligen Areal der französischen Garnison umgesetzt. Aus Zusammenschlüssen von Privatleuten und Gewerbetrieben entwickelten sich eigenverantwortliche, private Baugemeinschaften. Durch das gemeinsame Durchführen von Bauträgerprojekten sollte ein bezahlbares Bauen ermöglicht werden und eine hohe Identifikation, struktuelle Vielfalt und eine soziale und funktionale Mischung entstehen.
Im Jahr 2007 wurden die letzten Bauarbeiten auf dem etwa 10 Hektar großen Gebiet abgeschlossen. Durch die hohe bauliche Dichte, welche zunächst oft mit engen Hinterhöfen und anonymen Mietskasernen assoziiert wird, wurde Wohnraum für fast 2500 Bewohner geschaffen. In den drei- bis fünfgeschossigen Stadthäusern in geschlossener Blockrandbebauung ist die Anzahl von Mietwohnungen und Eigentumswohnungen in etwa ausgeglichen. Die Wohnungsgrößen reichen von 35 bis 230 Quadratmetern Wohnfläche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Wohnens für den sozialen Zusammenhalt ein und stellt das Französische Viertel als Modellprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung vor.
2. Begriffserklärungen: Hier werden die zentralen theoretischen Begriffe öffentlicher Raum, Urbanität und Integration aus soziologischer und stadtplanerischer Sicht definiert.
3. Das städtebauliche Konzept: Dieses Kapitel erläutert die planerischen Grundideen des Viertels, insbesondere die Rolle von Baugemeinschaften, die Dichte der Bebauung und die funktionale Mischung von Gewerbe und Wohnraum.
4. Integration und Urbanität: Der Abschnitt analysiert, wie die räumliche Gestaltung und soziale Initiativen die Kommunikation und das Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen fördern.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet, ob das städtebauliche Modell die soziale Interaktion stärken konnte und welchen Nutzen es für die Soziale Arbeit bietet.
Schlüsselwörter
Städtebauliches Konzept, Französisches Viertel, Tübingen, Wohnen, soziale Interaktion, Integration, Urbanität, Baugemeinschaften, öffentlicher Raum, Nachhaltigkeit, Nachbarschaft, Stadtentwicklung, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das städtebauliche Modell des Französischen Viertels in Tübingen und dessen Einfluss auf die soziale Kohäsion und Integration der Bewohnerschaft.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentral sind Themen der Stadtplanung, der soziologischen Bedeutung von Wohnraum, die Förderung von nachbarschaftlichen Kontakten und die Integration verschiedener sozialer Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geprüft werden, ob durch das spezifische städtebauliche Konzept ein stärkeres soziales Miteinander erreicht und die Anonymität im städtischen Umfeld reduziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse relevanter stadtplanerischer und soziologischer Konzepte sowie die Auswertung soziologischer Studien über den Stadtteil.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Begriffe geklärt, das Konzept des Viertels (Wohnen und Gewerbe) detailliert beschrieben und die daraus resultierenden Effekte auf Integration und Urbanität untersucht.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen das Französische Viertel, Urbanität, Baugemeinschaften, soziale Integration und nachhaltige Stadtentwicklung.
Welche Rolle spielen Baugemeinschaften für das Viertel?
Baugemeinschaften sind essenziell, da sie die Bewohner von Beginn an in den Planungsprozess einbezogen haben, was zu einer hohen Identifikation mit dem Wohnort und einem Verantwortungsgefühl führt.
Warum ist das Wohnen im Französischen Viertel als "Gegenmodell" zu bezeichnen?
Im Gegensatz zur klassischen Nutzungstrennung von Wohn- und Gewerbegebieten setzt das Viertel auf eine funktionale Mischung, bei der Arbeiten und Wohnen in hoher baulicher Dichte integriert werden.
- Quote paper
- Sarah Hess (Author), 2015, Das Tübinger Modell als städtebauliches Leitbild. Das Französische Viertel in Tübingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312557