Die nachfolgende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Zeichnung fol.27v des British Museums von Jacopo Belini mit dem Titel „Monument eines Feldherrn zu Pferd“. Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung, Analyse und Interpretation des Werkes, die auch ganz kurz auf die technischen und historischen Angaben eingeht.
Mit dieser Beschreibung wird auch eine mögliche Erklärung geliefert, warum es sich bei der Reliefdarstellung um den Kadmos-Mythos handeln könnte, und was dieser mit der Este-Dynastie gemeinsam hat. Danach folgt in einem weiteren Hauptpunkt ein Vergleich der Skizze mit zwei Schriften von Alberti. Zum einen wäre das „Della Pittura“ und zum anderen „De Equo animante“, die Aufschluss geben sollen, wie sehr Alberti Einfluss auf Bellini hatte. Danach werden in einem abschließenden Punkt Antike- und Bronzevorbilder besprochen, um sie als mögliche Vorbilder charakterisieren oder ausschließen zu können.
Als Hauptliteratur ist vor allem Degenhart und Schmitt zu nennen, die in ihrem sechsten Band eine Beschreibung des British-Museum-Bandes im Allgemeinen, sowie eine Beschreibung und Analyse der zu behandelnden Folie 27v. liefern. Als weiteres Hauptwerk wurde in dieser Arbeit die Schrift von Eisler verwendet, welche nochmals grundsätzliche Informationen zum British-Museum-Band liefert und kurz auf die gewählte Zeichnung von Jacopo Bellini eingeht. Für eine mögliche Verbindung mit der Este-Dynastie in Italien wurde die Familiengeschichte der Este überflogen, um Gemeinsamkeiten zu finden. Abschließend werden mögliche Vorbilder für die Skizze vorgestellt, wie das Marc Aurel Standbild oder die Gattamelata, bevor ein Fazit die Arbeit beendet.
Gliederung
1) Einleitung
2) Monument eines Feldherrn zu Pferd
2.1 Technische und historische Angaben sowie Zustand des Bildes
2.2 Darstellungsbeschreibung
2.3 Analyse und Interpretation
2.4 Kadmos Mythos im Zusammenhang mit Este-Dynastie: Pro und Contra
3) Leon Battista Alberti
3.1 „Della Pittura“ in Verbindung mit fol. 27v
3.2 „De Equo animante“ in Verbindung mit fol. 27v
4) Vergleich mit einem antiken Vorbild und einer Bronzestatue
4.1 Antikes Vorbild: Marc Aurel
4.2 Bronzevorbild
4.2.1 Donatellos Gattamelata
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit analysiert die Zeichnung „Monument eines Feldherrn zu Pferd“ (fol. 27v) aus dem Skizzenbuch von Jacopo Bellini im British Museum. Das primäre Ziel besteht darin, das Werk detailliert zu beschreiben, interpretieren und in den Kontext möglicher antiker sowie zeitgenössischer Vorbilder (u.a. Donatello, Marc Aurel) zu setzen, wobei insbesondere eine mögliche Verbindung zur Este-Dynastie und die theoretischen Einflüsse von Leon Battista Alberti untersucht werden.
- Analyse und Interpretation der Zeichnung fol. 27v von Jacopo Bellini
- Untersuchung des potenziellen Kadmos-Mythos im Relief der Basis
- Vergleich der Skizze mit den Schriften „Della Pittura“ und „De Equo animante“ von Leon Battista Alberti
- Vergleichende kunsthistorische Betrachtung mit antiken Vorbildern (Marc Aurel) und Renaissance-Bronzen (Gattamelata, Niccolò D’Este)
- Diskussion über eine mögliche Verbindung zur D’Este-Familie
Auszug aus dem Buch
3.2 „De Equo animante“ in Verbindung mit fol. 27v
In seiner Schrift „De Equo animante“, welche als Weihgabe für Leonello, den Fürsten von Ferrara verfasst worden war, beschreibt Alberti das perfekte Pferd und wie wichtig das Pferd an sich für das Leben der Menschen ist. Das nachfolgende Zitat zeigt, wie das perfekte Pferd auszusehen habe nach den früheren Autoren, gemischt mit Albertis Ansichten:
„Einen mässig grossen Kopf, eine auffallende Zähigkeit, ziemlich anliegende, zierliche Ohren, eine zwischen beiden Brauen hervorstehende Stirn und hervorstechende, dunkle, reine Augen; es gefallen ihnen angeschwollene und offene Nüstern, eine nicht geschlossene, sondern bogenförmig sich öffnende Backe. Die Mähne gefällt, wenn der Kamm schmal und kraus ist, und darauf ziemlich ungeordnet auf die rechte Seite fällt.
Ein länglicher und wegen des Nackens graziler Hals findet Gefallen; dieser soll danach ziemlich schnell zu den Schultern hin enden. Weiters finden sie ein Pferd mit knochigen Schultern schön; das Schulterblatt, soll nicht hervorstechen, nicht eingefallen, sondern gleichmässig und nach ihrer Vorstellung verdoppelt sein. Der Schweif soll stark sein, locker wallen und doch festhalten, fest und kräftig sein. Die Brust sei aufgerichtet, und durch den ganz Brustkorb kräftig: ebenso in gleichmässigem Abstand zu den beiden Flanken. Der Rumpf gefiel den Alten, wenn er nicht zu gross sei. Die späteren Autoren hielten den Rumpf für schön, wenn er länglich ist und wenn die Teile des Rumpfes zwischen den Rippen voll sind und nicht hervorragen. Die Hoden sollen nicht zu geschwollen sein, nicht herabhängen, sondern gleichmässig rund sein. Überhaupt sei die Grösse der Hüften so, dass sie durch die Dichte und Fülle der Muskeln Kraft bringen, besonders aber zur Anmut des übrigen Pferde passen. Die Knie seien nicht krumm, nicht geschwollen, sondern durch eine sichere Kugel zusammengehalten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Analyse der Zeichnung fol. 27v von Jacopo Bellini ein und erläutert die methodische Vorgehensweise, welche Vergleiche mit kunsttheoretischen Schriften und antiken Vorbildern beinhaltet.
2) Monument eines Feldherrn zu Pferd: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte technische Beschreibung und Analyse des Werkes, wobei unter anderem der Zustand der Zeichnung sowie die ikonographische Bedeutung des Reliefs diskutiert werden.
3) Leon Battista Alberti: Es wird untersucht, inwieweit die Schriften „Della Pittura“ und „De Equo animante“ von Alberti als theoretische Grundlage für die Darstellung des Pferdes und die perspektivische Komposition bei Bellini gedient haben könnten.
4) Vergleich mit einem antiken Vorbild und einer Bronzestatue: In diesem Teil werden ikonographische Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Bellinis Skizze und historischen Reitermonumenten wie dem Marc Aurel, Donatellos Gattamelata und dem D’Este-Denkmal analysiert.
5) Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und diskutiert abschließend die Hypothese, ob es sich bei dem dargestellten Reiter um einen Spross der D’Este-Familie handeln könnte.
Schlüsselwörter
Jacopo Bellini, British Museum, fol. 27v, Monument eines Feldherrn zu Pferd, Leon Battista Alberti, Della Pittura, De Equo animante, Kadmos-Mythos, Este-Dynastie, Marc Aurel, Donatello, Gattamelata, Renaissance-Reitermonument, Kunstgeschichte, Ikonographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Interpretation einer spezifischen Zeichnung, fol. 27v, aus dem Skizzenbuch von Jacopo Bellini.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themenfelder sind die kunsthistorische Einordnung der Zeichnung, ihre kompositorische Analyse sowie die Untersuchung antiker und zeitgenössischer Vorbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Skizze in Bezug auf ihre Entstehungsgeschichte, ihre theoretischen Grundlagen durch Alberti und ihre ikonographische Bedeutung im Kontext der D’Este-Dynastie zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine detaillierte deskriptive Analyse, den Vergleich mit kunsttheoretischen Schriften (Alberti) sowie eine vergleichende kunsthistorische Untersuchung mit relevanten Skulpturen und Reliefs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Beschreibung der Skizze, die Verbindung zu Albertis Schriften und den Vergleich mit antiken und Renaissance-Reitermonumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Jacopo Bellini, Renaissance, Reitermonument, Leon Battista Alberti, D’Este-Familie und ikonographische Analyse.
Welche Rolle spielt die Theorie von Leon Battista Alberti für Bellinis Zeichnung?
Die Arbeit prüft, ob Bellini sich in seiner Darstellung an Albertis Vorgaben für die Proportionen, die Perspektive und die körperliche Gestaltung des Pferdes orientierte.
Was ist das Ergebnis der Interpretation des Reliefs auf der Basis?
Das Relief wird als potenzielle Darstellung des Kadmos-Mythos interpretiert, was als Indiz für eine Verbindung zur Herrscherdynastie der D’Este gewertet wird.
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- Sandra Stammler (Author), 2014, Die Zeichnung "Monument eines Feldherrn zu Pferd" von Jacopo Bellini. Analyse und Interpretation von fol. 27v des British Museum, London, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312458