Die „frühe Fremdbetreuung“ ist in Deutschland schon immer ein kritisches Thema gewesen. Während ein Kindergartenaufenthalt als erforderlich und wertvoll geachtet wird, gelten Krippen oder Horte für Kinder unter drei Jahren als umstritten. Ob eine außerhäusliche Betreuung der Entwicklung des Kindes schadet, wird auch heute noch kontrovers diskutiert. Da sich auch die Wissenschaftler und Experten nicht immer einig sind, fällt es werdenden Eltern und denen, die es schon sind, umso schwerer, eine Entscheidung für oder gegen eine frühe Fremdbetreuung zu treffen.
Da es im persönlichen Umfeld viele Eltern gibt, die ihr Kleinkind auf keinen Fall in eine Krippe oder in eine Kindertagesstätte abgeben würden, ist die Motivation groß, die Beweggründe dafür in Erfahrung zu bringen. Die empirische Arbeit macht es sich daher zum Ziel – mit Hilfe eines teilstandardisierten narrativen Interviews mit einer Mutter einer einjährigen Tochter – vor allem die Beweggründe und zentralen Motive gegen eine frühe Fremdbetreuung zu erfahren. Die Forschungsfrage für die vorliegende Arbeit lautet somit: Aus welchen Gründen gibt eine Mutter ihre Tochter nicht in die frühe Fremdbetreuung ab?
Im Folgenden soll zunächst der aktuelle Forschungsstand zur Nutzung der Fremdbetreuung dargestellt und auf die erwiesenen Einflüsse der Krippe auf das Kind, eingegangen werden. Der Hauptteil befasst sich einerseits mit dem methodischen Vorgehen des Interviews – der Erhebungsinstrumente, der Fallauswahl und des Auswertungsverfahrens und andererseits mit dem Empirie-Teil. Dieser zeigt, anhand von zentraler Motive, die wichtigsten Ergebnisse unter Einbezug der Theorie auf und nimmt den größten Part dieser Arbeit ein. Abschließend soll der Schlussteil die Forschungsfrage beantworten und einen kurzen Ausblick auf weitere Studien geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Was ist qualitative Forschung?
3.2 Selbstreflexion
3.3 Erhebungsinstrumente
3.4 Fallauswahl, Zugang zum Feld und Durchführung
3.5 Auswertungsverfahren
3.5.1 Grounded Theory
3.5.2 Das integrative Basisverfahren
4. Empirieteil: Darstellung der Ergebnisse anhand zentraler Motive
1. Zentrales Motiv: Ungenügender Betreuungsschlüssel
2. Zentrales Motiv: Kinder gehören zu ihren Müttern
3. Zentrales Motiv: Familiäre Beeinflussung
4. Zentrales Motiv: Überforderung für das Kind
5. Zentrales Motiv: Alter des Kindes
6. Zentrales Motiv: Emotionale Bindung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Forschungsarbeit untersucht die Beweggründe und zentralen Motive von Müttern, die sich bewusst gegen eine frühe Fremdbetreuung ihrer Kleinkinder entscheiden. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Aus welchen Gründen gibt eine Mutter ihre Tochter nicht in die frühe Fremdbetreuung ab?“
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Fremdbetreuung von Kleinkindern
- Methodische Untersuchung durch teilstandardisierte narrative Interviews
- Identifikation zentraler Motive gegen außerhäusliche Betreuung (z.B. Betreuungsschlüssel, Bindung, Stress)
- Reflexion der Rolle familialer Einflüsse und gesellschaftlicher Mutterbilder
Auszug aus dem Buch
1. Zentrales Motiv: Ungenügender Betreuungsschlüssel
Der Betreuungsschlüssel in einer Krippe sollte im Idealfall bei 1:2 liegen, indem eine pädagogische Fachkraft maximal zwei Kleinkinder betreut. Leider ist dies in der Praxis nicht umsetzbar, bzw. nicht die Regel, denn in den meisten Fällen herrscht ein Betreuungsschlüssel von 1:6. Dass dabei kein optimaler Bindungsaufbau zu jedem einzelnen Kind geschehen kann, ist selbstverständlich. (vgl. Brisch, 2009) Für Eltern von Kleinkindern ist ein nicht ausreichender Betreuungsschlüssel ein zentrales Motiv gegen eine außerhäusliche Betreuung. Auch das Fallbeispiel von RA zeigt, dass sich Mütter allerdings darüber Gedanken machen, wenn sich in einer Krippe oder in einem Hort viele Kinder, aber nur wenige pädagogische Fachkräfte befinden: aber wenn jetzt zum Beispiel eine Erzieherin immer nur zwei Kinder hätte, dann würd ich sagen okay, vielleicht. Also wenn man sich um die Kinder mehr kümmert. Ich find die Kinder gehen da unter, weil da sind vielleicht zehn, fünfzehn Kinder und vielleicht drei Erzieher. (369-372) Es besteht folglich die Ansicht, dass sich die wenigen verfügbaren Pädagogen nicht um alle Kleinkinder gleich gut kümmern können und das demnach einige Kinder zu wenig Beachtung erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum kontroversen Thema der frühen Fremdbetreuung und Definition der Forschungsfrage.
2. Theoretischer Hintergrund: Darstellung des aktuellen Forschungsstands, wissenschaftlicher Studien sowie psychologischer Perspektiven auf Bindung und Krippenbetreuung.
3. Methodisches Vorgehen: Erläuterung der qualitativen Forschungsmethode, der Durchführung des narrativen Interviews sowie der angewandten Auswertungsverfahren wie Grounded Theory und integratives Basisverfahren.
4. Empirieteil: Darstellung der Ergebnisse anhand zentraler Motive: Detaillierte Analyse der Ergebnisse anhand identifizierter Motive wie Betreuungsschlüssel, Mutterbild, familiäre Einflüsse, Überforderung, Alter und emotionale Bindung.
5. Schluss: Synthese der Ergebnisse, kritische Einordnung der Motive im gesellschaftlichen Kontext sowie Ausblick auf weiterführenden Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Fremdbetreuung, Krippe, Kleinkind, Mutterbild, Bindungsforschung, Betreuungsschlüssel, qualitative Forschung, narrative Interviews, Eltern-Kind-Beziehung, Überforderung, pädagogische Fachkraft, frühkindliche Entwicklung, familiäre Einflussnahme, Bindung, Empirieteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entscheidung von Müttern, ihr Kleinkind nicht in eine frühkindliche Betreuungseinrichtung wie eine Krippe zu geben, und analysiert die hierfür ausschlaggebenden Motive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die psychologische Bindung zwischen Mutter und Kind, die Kritik an Betreuungsqualität (Betreuungsschlüssel), den Einfluss des Familienumfelds sowie die Belastung durch frühe Trennungserfahrungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die individuellen Beweggründe einer Mutter für die Entscheidung gegen die Fremdbetreuung mittels eines narrativen Interviews wissenschaftlich zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Forschungsarbeit, die auf einem teilstandardisierten narrativen Interview basiert und zur Auswertung die Grounded Theory sowie das integrative Basisverfahren nach Kruse nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum Forschungsstand und den Empirieteil, in dem die Ergebnisse anhand von sechs zentralen Motiven (z.B. Betreuungsschlüssel, Überforderung, Bindung) detailliert dargestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Fremdbetreuung, Krippe, Kleinkind, Bindung und qualitative Forschung definieren.
Welche Rolle spielt der Betreuungsschlüssel für die Entscheidung der Mutter?
Der Betreuungsschlüssel gilt als zentrales Motiv, da die Befürchtung besteht, dass bei einem ungünstigen Verhältnis von Erziehern zu Kindern die individuelle Bedürfnisbefriedigung und die emotionale Sicherheit des Kindes nicht gewährleistet sind.
Warum wird das Alter des Kindes als relevantes Motiv genannt?
Das Alter wird als kritisch bewertet, da jüngere Kinder laut den Ergebnissen anfälliger für Stress sind und die Trennung von der Hauptbindungsperson Mutter in den ersten Lebensjahren als besonders belastend empfunden wird.
- Arbeit zitieren
- Christina Stein (Autor:in), 2015, Gründe gegen eine frühe Fremdbetreuung von Kindern. Analyse eines Interviews, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312436