Tagtäglich nimmt der Mensch unzählige von Reizen auf, begreift diese und reagiert darauf mit bestimmten Handlungen. Die Komplexität dieser Wahrnehmungsprozesse wird meist vom Individuum nicht erfasst. Scheinbar ist die Perzeption etwas, das wie von selbst und mit einer erstaunlichen Leichtigkeit vor sich geht.
Menschliche Wahrnehmung funktioniert bereits vom Beginn des Lebens an und erfordert keine physiologischen oder perzeptionspsychologischen Kenntnisse um täglich genutzt zu werden. Tatsächlich erfolgt Wahrnehmung nicht nur ständig und ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse, sondern auch häufig unbewusst und unreflektiert. Viele Eindrücke nimmt der Mensch zwar wahr, bezieht sie aber nicht bewusst in sein Denken und Handeln ein. Wird jedoch die Aufmerksamkeit willentlich auf die wahrgenommenen Eindrücke gelenkt, ist es erstaunlich wie viele Informationen das Perzeptionssystem gesammelt, gespeichert und bereits interpretiert hat.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nach dieser Einleitung im zweiten Kapitel zunächst mit den theoretischen Grundlagen des Wahrnehmungsprozesses. Dabei werden die einzelnen Schritte, sowie Identifikationsprozesse und die Wahrnehmung als ganzheitlicher Vorgang betrachtet.
Nicht immer funktioniert Perzeption reibungslos. Daher steht im Mittelpunkt von Kapitel 3 die gestörte Wahrnehmung. Hier werden im ersten Abschnitt die Wahrnehmungstäuschungen aufgezeigt. Im Anschluss befasst sich die Arbeit mit den Wahrnehmungsstörungen. Jeweils werden die Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt. Anhand von Beispielen werden die Perzeptionstäuschungen und -störungen näher erläutert.
Das vierte Kapitel behandelt das Krankheitsbild der Schizophrenie. Nach einem kurzen Überblick über die Erkrankung erfolgt die Darstellung über die gebräuchlichen Therapieformen. Danach wird die Prognose für Schizophrenie-Erkrankte dargestellt.
Die Arbeit schließt im Kapitel 5 mit einer Diskussion. Das Vorgehen der Erarbeitung dieser Hausarbeit wird auf die wissenschaftlichen Gütekriterien geprüft. Anschließend erfolgen das Fazit und der Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmung
2.1 Der Wahrnehmungsprozess am auditiven Modell
2.1.1 Umgebungsreiz und Transformation des Reizes
2.1.2 Transduktion der Energieform
2.1.3 Neuronale Signalübertragung und -verarbeitung
2.1.4 Perzeption
2.1.5 Erkennen
2.1.6 Handeln
2.2 Prozesse der Identifikation und des Wiedererkennens
2.2.1 Bottom-Up- und Top-Down-Prozesse
2.2.2 Einfluss von Erwartung und Kontext
2.3 Wahrnehmung als multisensorieller und ganzheitlicher Vorgang
3 Veränderte Wahrnehmung
3.1 Wahrnehmungstäuschung
3.1.1 Definition und Abgrenzung
3.1.2 Beispiele von Wahrnehmungstäuschungen
3.2 Wahrnehmungsstörungen
3.2.1 Definition und Abgrenzung
3.2.2 Wahrnehmungsstörungen am Beispiel der Schizophrenie
4 Schizophrenie
4.1 Übersicht der Schizophrenie
4.2 Therapie
4.2.1 Somatische Behandlung
4.2.2 Psychologische Behandlung
4.2.3 Andere Behandlungsformen
4.3 Prognose
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den menschlichen Wahrnehmungsprozess von der Reizaufnahme bis zur kognitiven Verarbeitung darzustellen und aufzuzeigen, wie Störungen dieses Prozesses – insbesondere im Kontext der Schizophrenie – die Lebensrealität betroffener Personen massiv beeinträchtigen können.
- Grundlagen des auditiven Wahrnehmungsprozesses
- Abgrenzung zwischen Wahrnehmungstäuschungen und Wahrnehmungsstörungen
- Krankheitsbild der Schizophrenie und deren Symptomatik
- Therapieansätze bei Schizophrenie (somatisch, psychologisch, soziotherapeutisch)
- Prognose und Verlauf von schizophrenen Erkrankungen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Beispiele von Wahrnehmungstäuschungen
Neben taktilen, geschmacklichen und auditiven Illusionen sind die bekanntesten die visuellen Wahrnehmungstäuschungen. Hier wird weiter untergliedert in Kontrasttäuschungen, Helligkeitsillusionen, Bewegungsillusionen und weitere. Ein Illusionsbeispiel ist die bekannte Müller-Lyer-Täuschung, die 1889 von Franz Müller-Lyer entdeckt wurde und zu den Größentäuschungen zählt. Im Folgenden soll sie genauer beschrieben werden:
Ein Betrachter der Pfeile A und B schätzt dass der Pfeil A der längere der beiden ist. Beim Nachmessen der senkrechte Strecke zwischen den Spitzen, stellt sich heraus: beide Pfeile sind exakt gleich lang. Selbst mit diesem Wissen erscheinen die Pfeile jedoch weiterhin unterschiedlich groß zu sein.
Nach R. Gregory nehmen Menschen den Pfeil A als innere Ecken eines Raumes wahr, der weiter entfernt scheint. Der Pfeil B hingegen wird als Kante und Ecken eines Gebäudes interpretiert, die sich dem Betrachter entgegenwölben. Dieses Phänomen wird als fälschlich angewandte Größen-Distanz-Skalierung bezeichnet. Im Normalfall unterstützt die Größenkonstanz die stabile Wahrnehmung indem die Entfernung zum Objekt berücksichtigt wird. Laut R. Gregory berücksichtigt das menschliche Perzeptionssystem die Tiefeninformationen, die in der Pfeil-Abbildung enthalten sind und passt sodann die Linienlängen durch die Größen-Distanz-Skalierung an. Gregorys Theorie ist nicht unumstritten, denn auch bei einer Darstellung zweier Linien in Hantelform, die nicht als Raum- oder Gebäudeecken gedeutet werden können, bleibt die Illusion bestehen. Ein weiterer Erklärungsversuch beruht auf einer mangelhaften Koordinierung zwischen Auge und Gehirn. Nach R. H. Day ist die Theorie der Wahrnehmungskompromisse die Erklärung für die Müller-Lyer-Täuschung. Hierbei sind die Reize für die Längenwahrnehmung entscheidend. Die Länge des Pfeils A erscheint demnach größer, weil seine Figur mehr Raum einnimmt als die des Pfeils B.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der menschlichen Wahrnehmung ein, erläutert die Relevanz des Themas für den Alltag und gibt einen Ausblick auf die Struktur der Arbeit.
2 Wahrnehmung: Dieses Kapitel beschreibt den Wahrnehmungsprozess anhand eines auditiven Modells, von der Reizaufnahme über die Transduktion bis hin zur Identifikation und Handlung.
3 Veränderte Wahrnehmung: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen harmlosen Wahrnehmungstäuschungen und krankhaften Wahrnehmungsstörungen, illustriert durch Beispiele.
4 Schizophrenie: Dieses Kapitel behandelt das Krankheitsbild der Schizophrenie, beleuchtet Ursachen sowie aktuelle somatische, psychologische und soziotherapeutische Behandlungsansätze und deren Prognose.
5 Diskussion: Die Arbeit wird kritisch anhand der wissenschaftlichen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität reflektiert und abschließend zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Wahrnehmung, Perzeption, Schizophrenie, Wahrnehmungstäuschung, Halluzination, auditorisches Modell, Transduktion, Neuroleptika, Psychotherapie, Familientherapie, Prognose, psychophysische Korrelation, Größen-Distanz-Skalierung, Stimmenhören, Wissenschafliche Gütekriterien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den komplexen Prozess der menschlichen Wahrnehmung und analysiert, wie Störungen dieses Prozesses bei Krankheitsbildern wie der Schizophrenie auftreten und das Leben der Betroffenen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die physiologische und psychologische Wahrnehmung, die Unterscheidung zwischen Täuschungen und Störungen der Wahrnehmung sowie das Krankheitsbild der Schizophrenie mit seinen Therapiemöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Wahrnehmungsprozess transparent zu machen und zu verdeutlichen, dass eine Schizophrenie-Therapie ganzheitlich angelegt sein muss, um die psychophysische Balance des Patienten wiederherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und ein deduktives Vorgehen, um den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Thema Wahrnehmung und Schizophrenie zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Wahrnehmung, die Kategorisierung von Wahrnehmungsveränderungen (Täuschungen vs. Störungen) sowie eine detaillierte Betrachtung der Schizophrenie inklusive Therapie und Prognose.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wahrnehmung, Perzeption, Schizophrenie, Halluzinationen, Wahrnehmungsstörungen, Therapie, Prognose, psychophysische Korrelation.
Wie wird in der Arbeit zwischen einer Wahrnehmungstäuschung und einer Wahrnehmungsstörung unterschieden?
Eine Täuschung (Illusion) ist eine Fehlinterpretation eines real existierenden Objekts, die bei den meisten Menschen auftreten kann. Eine Störung (Halluzination) hingegen entsteht ohne äußeren Reiz und ist als Symptom einer psychischen Erkrankung anzusehen, die für Gesunde nicht nachvollziehbar ist.
Welche Rolle spielt die Familientherapie bei der Behandlung von Schizophrenie?
Die Familientherapie ist essenziell, da ein kritisches oder feindseliges soziales Umfeld die Rückfallrate signifikant erhöhen kann. Durch Aufklärungsarbeit und verbesserte Kommunikation innerhalb des sozialen Gefüges kann die Rückfallrate nachweislich deutlich gesenkt werden.
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- Miriam Walchshäusl (Author), 2015, Der menschliche Wahrnehmungsprozess und Schizophrenie. Wahrnehmungstäuschung und Wahrnehmungsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/312373