Laut dem Bundesministerium für Gesundheit konsumieren in Deutschland 9,5 Millionen. Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Pro Kopf werden im Jahr ca. 10 Liter reinen Alkohols konsumiert und ca. 1,3 Millionen Menschen in Deutschland gelten zurzeit als alkoholabhängig. Im Durchschnitt unterziehen sich nur 10% der Betroffenen nach 10 bis 15 Jahren der Alkoholabhängigkeit einer Therapie. 74.000 Menschen sterben jährlich an den direkten bzw. an den indirekten Folgen der Alkoholabhängigkeit.
Doch wie entsteht eine Alkoholabhängigkeit? Wann gilt man als „Missbräuchler“ und ab wann als Alkoholabhängiger? Worauf sollte man bei der pflegerischen Intervention achten? Da Deutschland durch den pro-Kopf-Konsum zu den Hochkonsumländern gehört, wird man vor allem in der Pflege sehr oft mit Menschen, welche unter einer Alkoholabhängigkeit leiden, konfrontiert. Die Entstehung, die Arten, die Therapie sowie die pflegerische Intervention mit Menschen, welche unter einer Alkoholabhängigkeit leiden, stehen somit im Fokus dieser Hausarbeit.
Die Behandlung von Alkoholabhängigen muss stets interdisziplinär erfolgen, also die Behandlung durch Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie Pflegekräfte mit einschließen. Dem Umfang dieser Arbeit geschuldet beschäftigt sich sie jedoch vorwiegend mit der Intervention durch Pflegekräfte.
Die Frage des kontrollierten Trinkens, welche schon über Jahrzehnte hinweg Betroffene, Angehörige, Therapeuten und Forscher bewegt, soll auch auf Grund des Umfangs und der Differenzierung der Therapieformen nicht Teil dieser Hausarbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung und Definition des Alkoholismus und die Differenzierung von Missbrauch und Abhängigkeit
3. Entwicklung und Arten der Alkoholabhängigkeit
4. Diagnostik
5. Behandlungsansätze
6. Therapie und Intervention
6.1 Motivationsförderung
6.2 Kontaktphase
6.3 Entzugsbehandlung
6.4 Entwöhnungsphase
6.5 Nachsorgephase
7. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der komplexen Thematik der Alkoholabhängigkeit, wobei der Schwerpunkt auf der pflegerischen Intervention liegt. Ziel ist es, die Entstehung, die verschiedenen Formen der Abhängigkeit sowie die notwendigen therapeutischen und pflegerischen Schritte von der Kontaktphase bis zur Nachsorge interdisziplinär darzustellen und zu erläutern.
- Grundlagen zur Differenzierung von Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit
- Phasen der Suchtentwicklung und Klassifikation nach Jellinek
- Diagnostische Verfahren unter Einbeziehung der pflegerischen Beobachtung
- Motivationsförderung als zentraler Bestandteil der therapeutischen Begleitung
- Pflegerische Aufgaben und Herausforderungen während der Entzugs- und Entwöhnungsphase
Auszug aus dem Buch
6.1. Motivationsförderung
Vielerorts ist man inzwischen dazu übergegangen, die Förderung von Veränderungs-, Behandlungs-, bzw. Abstinenzmotivation als integrale Aufgabe professioneller Suchtarbeit anzusehen. Auch im Bereich der Pflege ist die Motivation ein sehr wichtiger Bestandteil der Intervention. Als erstes Beispiel soll hier das Konzept der motivierenden Gesprächsführung, welches 1991 durch Miller und Rollnick entwickelt wurde, vorgestellt werden. In diesem bilden 5 allgemeine Prinzipien die Grundlage für das Gesprächsverhalten. Man sollte gegenüber dem Gesprächspartner Empathie zeigen, da das Akzeptieren des Patienten Veränderungen erleichtert. Hier spielt ein geschicktes sowie reflektiertes Zuhören eine wesentliche Rolle. Des Weiteren bestehen zwischen der gegenwärtigen Situation sowie dem tatsächlichen Verhalten und den Zielen und Wünschen der Patienten häufig Widersprüche. Da den Patienten die Folgen der problematischen Verhaltensweisen bewusst gemacht werden sollten, müssen die mangelnden Übereinstimmungen zwischen den Zielen, Wünschen und Verhalten der Patienten denselben aufgezeigt werden. Als dritter Punkt ist die Vermeidung von Argumentationen anzuführen, da Argumente in der Kommunikation mit Alkoholabhängigen zur Motivationsförderung nicht produktiv sind. Hier erzeugt die Abwehr nur wiederum Abwehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die epidemiologische Situation des Alkoholkonsums in Deutschland, die Sterblichkeitsraten sowie die Relevanz einer interdisziplinären Behandlung mit Fokus auf die pflegerische Intervention.
2. Begriffsbestimmung und Definition des Alkoholismus und die Differenzierung von Missbrauch und Abhängigkeit: Das Kapitel grenzt die Begriffe Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit voneinander ab und erläutert medizinische Definitionen sowie klinische Kriterien wie DSM-IV und ICD-10.
3. Entwicklung und Arten der Alkoholabhängigkeit: Hier wird der Verlauf der Sucht in vier Phasen beschrieben und die Einteilung der fünf Alkoholismus-Typen nach Jellinek erläutert.
4. Diagnostik: Dieser Abschnitt beschreibt die Herausforderungen bei der Diagnosestellung und die Bedeutung der pflegerischen Anamnese und Dokumentation für die ärztliche Beurteilung.
5. Behandlungsansätze: Es werden die verschiedenen Ansätze zur Behandlung dargestellt, wobei der Fokus auf dem interdisziplinären Vorgehen und der Zielsetzung der Abstinenz sowie der Stabilisierung des Patienten liegt.
6. Therapie und Intervention: Das umfangreiche Kapitel beschreibt die therapeutischen Schritte von der Motivationsförderung über die Kontakt- und Entzugsbehandlung bis hin zur Entwöhnungs- und Nachsorgephase.
7. Schluss: Der Schlussteil resümiert die Bedeutung der Motivationsförderung als zentrale interdisziplinäre Aufgabe in allen Phasen der Therapie.
Schlüsselwörter
Alkoholabhängigkeit, Alkoholismus, Entzugsbehandlung, Motivationsförderung, pflegerische Intervention, Entwöhnung, Suchtberatung, Abstinenz, Rückfallprophylaxe, Diagnose, interdisziplinäre Behandlung, Suchtverlagerung, Patientenfokus, therapeutische Begleitung, Kontaktphase
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit thematisiert die Alkoholabhängigkeit, wobei sie insbesondere die pflegerischen Handlungsfelder und Interventionsmöglichkeiten in verschiedenen Phasen der Behandlung untersucht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition des Suchtverhaltens, die Diagnostik, die Bedeutung von Motivation, sowie die verschiedenen Phasen einer stationären oder ambulanten Therapie ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Darstellung der pflegerischen Aufgaben bei der Betreuung Alkoholabhängiger, um eine effektive interdisziplinäre Unterstützung sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die auf Fachliteratur, medizinischen Klassifikationssystemen und etablierten Modellen der Suchttherapie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis der Suchtentwicklung, diagnostische Zugänge, Behandlungsansätze und einen detaillierten Prozess der Therapie und Intervention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Alkoholabhängigkeit, Motivationsförderung, Entzugsbehandlung, pflegerische Intervention und Rückfallprophylaxe.
Warum ist die Beobachtung durch das Pflegepersonal bei der Diagnostik so wichtig?
Da Pflegekräfte den häufigsten Kontakt zum Patienten haben, können sie subtile Verhaltensänderungen, den physischen Zustand oder Frühwarnzeichen eines Delirs besser dokumentieren als Ärzte.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten „back-home-Problem“?
Dies beschreibt die Schwierigkeit von Patienten, die in der geschützten stationären Umgebung erlernten Verhaltensweisen erfolgreich auf ihr belastendes privates Alltagsumfeld zu übertragen.
- Quote paper
- Stefan Müseler (Author), 2014, Alkoholabhängigkeit. Entstehung, Arten, Therapie und Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/311833