Seit Jahrzehnten werden Märchen von Generation zu Generation weitergegeben und vorgelesen. Eine bedeutende Stellung nehmen hierbei als Autoren die Gebrüder Grimm ein, die Anfang des 19. Jahrhunderts die „Kinder- und Hausmärchen“, eine Sammlung der verschiedensten Märchen, veröffentlichen. Zu dieser Zeit galt der Anspruch an die Kinder- und Jugendliteratur, eben diese Lesergruppe zu unterhalten. Eine Erziehungsfunktion war nicht das eigentliche Ziel. Wenn man sich die Geschichten näher anschaut, sind trotzdem gewisse Botschaften an die Kinder zu erkennen. Diese möchte ich am Beispiel von „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms näher untersuchen.
Hierbei analysiere ich erst die Figur des kleinen Mädchens und dann die des Wolfes, nicht ohne Zusammenhängen zwischen ihnen kennzeichnen zu müssen. Dafür gehe ich stringent am Verlauf des Märchens entlang. Auf was werden Kinder hingewiesen? Welche Funktionen haben die Taten und Worte? Besteht so etwas wie eine Moral in der Geschichte? Schließlich möchte ich noch einen Blick auf den Zusatz der Grimms werfen, welcher im normalen Volksmund oder anderen Märchenausgaben nie erwähnt wird. Welche Stellung nimmt er ein, wenn man das Märchen im Hinblick auf die Erziehungsfunktion betrachtet? Zuletzt folgt eine Zusammenfassung der Motive im Märchen. Welche Merkmale sind auffallend? Wie erkennt man sie bei „Rotkäppchen“?
Inhaltsverzeichnis
0) Einleitung: Die Gattung der Märchen
1) Das Märchen „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms
1.1) Die Figur des kleinen Mädchens
1.2) Die Figur des Wolfes
1.3) Der Zusatz der Grimms
2) Die Motive des Märchens
3) Zusammenfassung: Die Wirkung des Märchens
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Märchen „Rotkäppchen“ in der Fassung der Gebrüder Grimm unter besonderer Berücksichtigung der erzieherischen Funktionen und moralischen Botschaften, die in der Erzählung für Kinder verborgen sind. Ziel ist es, die Entwicklung der Charaktere, die Rolle des Vertrauens und die Bedeutung von Verhaltensnormen im Kontext der Märchenwelt zu analysieren.
- Analyse der Hauptfiguren Rotkäppchen und Wolf
- Untersuchung der erzieherischen Wirkung von Märchen
- Bedeutung des Gehorsams und Vertrauens
- Vergleich der klassischen Fassung mit dem historischen Zusatz der Grimms
- Die Rolle von Gut und Böse in der kindlichen Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
1.2) Die Figur des Wolfes
Um eine Abgrenzung zu machen, was Gut ist, braucht man das Böse. Im Märchen sind „Grundmotive des menschlichen Daseins gegenwärtig: leben und sterben, Güte und Bosheit, Verführungskraft und Intrige, Schwäche und Ahnungslosigkeit, Verzweiflung, Rat und Hilfe“. So steht Rotkäppchen der Wolf gegenüber. Tiere werden im Märchen oft mit menschlichen Eigenschaften besetzt, jedoch müssen sie nicht immer negativ sein. Die Projektion des Schlechten auf das Tier könnte auf den Naturzustand zurückgehen, der diesem näher ist als dem Menschen. Schließlich zeichnet „das europäische Märchen […] ein Bild des Menschen, und es zeigt ihn in der Begegnung mit der Welt“, zu der auch die Tiere gehören.
Der Wolf weiß in dem Märchen das Mädchen einzuschätzen. Bei der ersten Begegnung erfährt es durch listig gestellte Fragen wo das Haus der Großmutter ist. Mit dem Ziel die Großmutter und das kleine Mädchen zu verschlingen, rät er ihm, Blumen zu pflücken. Hiermit zeigt er, dass er durchaus weiß, was „gute“ Menschen überzeugt und also auch bemerkt, was deren Grundsätze sind. Hierbei nutzt er jedoch die Schwächen des kleinen Mädchens und eben dessen gute Seite aus. Als er das Haus der Großmutter betritt und ausgibt ihre Enkelin zu sein, nutzt er auch deren Schwachpunkt aus. Wieder ist der Aspekt des Vertrauens anzusprechen, den die Großmutter als positive Figur in die Welt und ihre Enkelin setzt. Jenes wird von dem Wolf bewusst ausgenutzt. Während Rotkäppchen durch Unwissenheit und Naivität dieses Gebot verletzt, tut er es wissentlich. So wird Lesern oder Zuhörern vor Augen geführt, dass es eben auch Schlechtes in der Welt gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
0) Einleitung: Die Gattung der Märchen: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Märchen als Kulturgut ein und erläutert die Absicht, die Erziehungsfunktion am Beispiel von „Rotkäppchen“ zu untersuchen.
1) Das Märchen „Rotkäppchen“ in der Fassung der Grimms: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Protagonistin, den Gegenspieler und den oft ignorierten historischen Zusatz der Gebrüder Grimm hinsichtlich ihrer pädagogischen Relevanz.
2) Die Motive des Märchens: Hier werden die zentralen Motive wie Gut und Böse sowie das Spannungsfeld zwischen Freiheit und gesellschaftlicher Norm im Märchen erörtert.
3) Zusammenfassung: Die Wirkung des Märchens: Die Zusammenfassung resümiert die erzieherische Bedeutung der Geschichte und betont die Einzigartigkeit des Märchens als Instrument zur Vermittlung menschlicher Weisheiten.
Schlüsselwörter
Rotkäppchen, Gebrüder Grimm, Märchen, Erziehungsfunktion, Pädagogik, Vertrauen, Gehorsam, Gut und Böse, Kindheitsentwicklung, Sozialisierung, Volksmärchen, Moral, Warnmärchen, Identifizierung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Märchen „Rotkäppchen“ aus pädagogischer Sicht und analysiert, wie durch die Erzählung gesellschaftliche Normen und Werte an Kinder vermittelt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Analyse der Figurencharakterisierung, die Bedeutung von Vertrauen und Gehorsam sowie die moralische Einordnung der Märchenhandlung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Märchen trotz ihres Unterhaltungswertes als „Warnmärchen“ fungieren und Kindern helfen, soziale Regeln und den Unterschied zwischen Gut und Böse zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine stringente textanalytische Vorgehensweise, indem sie den Verlauf des Märchens entlanggeht und zentrale Motive unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Figur des kleinen Mädchens, des Wolfes und den Vergleich mit dem ursprünglichen Zusatz der Gebrüder Grimm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Rotkäppchen, Erziehungsfunktion, Gehorsam, Vertrauen, moralische Beispielerzählung und pädagogisches Warnmärchen.
Welche Bedeutung kommt dem Wolf in der Analyse zu?
Der Wolf fungiert als notwendiger Gegenpart zum Guten, der bewusst die Naivität und das Vertrauen des Kindes ausnutzt, um seine eigenen Ziele zu verfolgen.
Warum wird der historische Zusatz der Grimms separat betrachtet?
Der Zusatz verdeutlicht, dass die Erziehungsfunktion in der ersten Fassung noch expliziter angesprochen wurde, indem das Kind durch Lerneffekte aus dem ersten Vorfall beim zweiten Mal sicherer agiert.
- Arbeit zitieren
- Anne-Marie Holze (Autor:in), 2011, Das "Rotkäppchen" der Grimms. Eine Untersuchung der erzieherischen Wirkung dieses Märchens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/311633