Für die Analyse eines Bildes gibt es verschiedene wissenschaftliche Ansätze. Der von Erwin Panofsky ist dafür sehr prägend.
Im Folgenden werde ich das Werbeplakat „No-Anorexia“ von Oliviero Toscani für die Modemarke „Nolita“ nach seiner Unterscheidung in „Vorikonographische Beschreibung“, „Ikonographische Analyse“ und „Ikonologische Interpretation“ bearbeiten.
Hierzu dient im ersten Schritt die praktische Erfahrung, im Zweiten die Kenntnis literarischer Quellen und in der dritten Ebene die synthetische Intuition. Hierbei gehe ich in der logischen Reihenfolge der Schritte vor. Abschließend erfolgt eine kurze Reflexion über diese Analyse und den Gewinn für das Verständnis durch diese. Das Werbeplakat selbst befindet sich als verkleinerte Form im Anhang.
Inhaltsverzeichnis
0. Die Bildanalyse nach Erwin Panofsky
1. Das Werbeplakat „No-Anorexia“
1.1. Beschreibung des Werbeplakates „No-Anorexia“
1.2. Analyse des Bildes für die Kampagne der Modemarke „No-l-ita“
1.3. Interpretation des Fotos von Oliviero Toscani
2. Frage der Moralität
3. Bewertung der Form der Bildanalyse
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das kontroverse Werbeplakat „No-Anorexia“ des Fotografen Oliviero Toscani für die Modemarke „Nolita“ mittels der wissenschaftlichen Methodik der Bildanalyse nach Erwin Panofsky systematisch zu untersuchen und hinsichtlich ihrer moralischen Implikationen zu bewerten.
- Methodische Bildanalyse nach Panofsky (vorikonographisch, ikonographisch, ikonologisch)
- Struktur und Gestaltung des Werbeplakats
- Rolle der Fotografie in der Werbekampagne und gesellschaftliche Wirkung
- Ethische Reflexion über die Vermarktung von Krankheit
- Verhältnis von Körperdarstellung, Modeindustrie und Provokation
Auszug aus dem Buch
1.1. Beschreibung des Werbeplakates „No-Anorexia“
Im ersten Schritt der Bildanalyse wird das natürliche oder primäre Sujet (vgl. Panofsky) behandelt und beschrieben: Das Bild hat eine rechteckige Form und liegt im Querformat vor. Es ist in Vorder- und Hintergrund zu teilen. Im Vordergrund ist eine menschenartige weibliche Gestalt in der Seitenansicht zu sehen. Durch die durchgängig hautfarbene Gestaltung trägt sie wohl keine Kleidung. Durch die Haltung lässt sich schließen, dass sie sitzt. Das linke Bein befindet sich in einer angewinkelten, aufgestellten Lage. Darauf ist der linke Arm gelegt. Der rechte Arm ist hinter dem Rücken aufgestellt. Die Augen sind in die Richtung des Bildbetrachters gerichtet und der Mund steht etwas offen.
Der Hintergrund besteht aus einer weißen Fläche im unteren Teil des Bildes, welche fließend in eine Schwarze im oberen Teil des Bildes übergeht. Die Grenze zwischen ihnen befindet sich ungefähr in der Höhe des Kopfes der menschlichen Gestalt. Im unteren Teil des Bildes sind nahe der sitzenden Frau graue unregelmäßige Flächen zu sehen. Im Übergang zwischen weiß und schwarz stehen rechts neben ihr in geschwungener Form die rosa Buchstaben und Zeichen „No-l-ita“. Schon im schwarzen Teil des Bildes stehen links neben der weiblichen Person die ebenfalls geschwungenen rosa Zeichen „No“. Sie sind die größten Zeichen im Bild. Rechts neben der weiblichen Person, auch in der schwarzen Fläche, sind die weißen Zeichen „ANOREXIA“ zu sehen. Diese sind im Gegensatz zu den anderen durchgängig groß geschrieben und besitzen gerade Kanten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Die Bildanalyse nach Erwin Panofsky: Einführung in die methodische Herangehensweise nach Erwin Panofsky, unterteilt in die drei Ebenen der vorikonographischen Beschreibung, ikonographischen Analyse und ikonologischen Interpretation.
1. Das Werbeplakat „No-Anorexia“: Detaillierte deskriptive und analytische Untersuchung der visuellen Komposition, der inhaltlichen Bedeutungsebenen sowie der tiefergehenden Interpretation des Werkes von Oliviero Toscani.
2. Frage der Moralität: Ethische Auseinandersetzung mit der Kampagne, insbesondere der Frage, ob das Instrumentalisieren von Krankheit und privatem Leid zu Werbezwecken moralisch vertretbar ist.
3. Bewertung der Form der Bildanalyse: Reflexion über die Anwendbarkeit und den Erkenntnisgewinn der gewählten Bildanalysemethode für den spezifischen Fall des Werbeplakats.
Schlüsselwörter
Bildanalyse, Erwin Panofsky, Oliviero Toscani, No-Anorexia, Nolita, Isabelle Caro, Werbekampagne, Magersucht, Körperdarstellung, Werbeethik, Ikonographie, Ikonologie, visuelle Kommunikation, Modeindustrie, Provokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werbeplakat „No-Anorexia“ der Marke „Nolita“ mit dem Ziel, dessen bildliche Gestaltung und inhaltliche Aussage tiefgehend zu analysieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Bildanalyse, der ethischen Bewertung der Werbung sowie der soziokulturellen Rezeption von Körperidealen und Krankheit in der Modewelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Werbeplakat nicht nur visuell zu beschreiben, sondern durch die Anwendung von Panofskys Methode den tieferen Sinn und die moralische Ambivalenz der Kampagne zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung folgt explizit der drei-stufigen Bildanalyse nach Erwin Panofsky, bestehend aus vorikonographischer Beschreibung, ikonographischer Analyse und ikonologischer Interpretation.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Bildelemente, die Einordnung des Werbesujets in den Kontext der Modemarke und die kritische Auseinandersetzung mit der Moralität der Kampagne.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Begriffe wie Bildanalyse, Ikonographie, Anorexie, Provokation, Werbeethik und die spezifische Fallstudie um das Model Isabelle Caro prägen die Arbeit.
Welche Rolle spielt der Fotograf Oliviero Toscani in der Analyse?
Toscani wird als bekannt für seine provokanten Kampagnen dargestellt, die gezielt auf soziale Missstände aufmerksam machen, wobei sein spezifischer Stil im vorliegenden Fall untersucht wird.
Warum wurde das Plakat von der Modemarke „Nolita“ als problematisch empfunden?
Die Kritik entzündet sich daran, dass die Marke das Leid einer schwerkranken Schauspielerin für kommerzielle Zwecke nutzte, was Fragen über die moralischen Grenzen der Werbebranche aufwirft.
- Arbeit zitieren
- Anne-Marie Holze (Autor:in), 2011, Magersucht in der Werbung. Analyse des Plakats „No-Anorexia“ nach Erwin Panofski, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/311629