Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Volksprodukten, die im nationalsozialistischen Regime entwickelt und propagiert wurden.
Dabei wird der Schwerpunkt auf einer soziokulturellen-historischen und weniger auf einer wirtschaftlichen Betrachtung liegen. Es soll weniger nach den wirtschaftlichen Erfolgen der Volksprodukte gefragt werden, als nach den ideologischen Werten, die mit ihnen verbunden waren und inwiefern diese Konsumgüter zur Unterstützung – vielleicht sogar Legitimation – des nationalsozialistischen Regimes beitrugen. Dabei orientiere ich mich in der Untersuchung der exemplarisch ausgewählten Produkte hauptsächlich an den ideologisch aufgeladenen Themen des Autarkiegedanken, der Familienpolitik, der Rassenideologie und der daraus folgenden Legitimation der Vormachtstellung des ‚Herrenvolkes‘.
Obwohl der wirtschaftliche Erfolg nicht im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen wird, soll trotzdem nach der Relation von Wirtschaft und nationalsozialistischer Politik gefragt und das Verhältnis erklärt werden.
Genauer wird gefragt werden, warum der ‚Volksempfänger‘ immer noch ein so bekanntes Produkt des Nationalsozialismus ist und der ‚Volkswagen‘ sogar über den Zweiten Weltkrieg hinaus und bis heute zu großem Ruhm gelangen konnte. Warum hat sich ein Volkskühlschrank dagegen nie durchsetzen können?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick zur nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik
3. Der Begriff „Volk“ in der nationalsozialistischen Ideologie und Konsumgesellschaft
4. „Volksprodukte“ im Dritten Reich
4.1 Volksempfänger
4.2 Volkskühlschrank
4.3 Volkswagen
4.4 Volkswohnungen
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der sogenannten „Volksprodukte“ im nationalsozialistischen Regime, wobei der Fokus weniger auf wirtschaftlichen Erfolgen als auf ihrer soziokulturellen Bedeutung und ihrer Funktion als Instrumente zur Festigung nationalsozialistischer Ideologie und Werte liegt.
- Analyse der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik und Autarkiebestrebungen.
- Untersuchung des ideologischen Begriffs „Volk“ und der Konstruktion der Volksgemeinschaft.
- Betrachtung spezifischer Konsumgüter wie Volksempfänger, Volkskühlschrank, Volkswagen und Volkswohnungen.
- Beleuchtung des propagandistischen Nutzens der Produkte zur Bindung der Bevölkerung an das Regime.
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen visionären Konsumversprechen und der wirtschaftlichen Realität.
Auszug aus dem Buch
4.1 Volksempfänger
Auch wenn der Volksempfänger keinesfalls eine Erfindung der Nationalsozialisten war, so kann man ihn doch zu den bekanntesten und auch wichtigsten Volksprodukten zählen. Das Hauptmerkmal eines Volksempfängers sollte sein niedriger Preis sein, um für jeden Haushalt erschwinglich zu sein. Trotzdem sollte er von guter Qualität sein.
Die Nationalsozialisten waren sich von Beginn an über die propagandistische Funktion des Rundfunks bewusst. So verkündete Goebbels bereits 1933 nach den für die Nationalsozialisten enttäuschenden Wahlen:
„Der Rundfunk muß der Regierung die fehlenden 48 Prozent zusammentrommeln, und haben wir sie dann, muß der Rundfunk die 100 Prozent halten, muß sie verteidigen, muß sie so innerlich durchtränken mit den geistigen Inhalten unserer Zeit, daß niemand mehr ausbrechen kann.“
Die Nationalsozialisten griffen demnach die vorhandenen Ideen, deren Entwicklung durch die Weltwirtschaftskrise zum erliegen gekommen war, nach ihrer Machtergreifung schnell auf und beauftragten verschiedene Firmen und Einzelpersonen mit der Entwicklung eines passenden Geräts. Goebbels „wünschte sich ein Gerät, mit dem der örtliche Bezirkssender sowie der Deutschlandsender einwandfrei empfangen werden [konnten]“, damit „die nationalsozialistische Führung die Möglichkeit [erhielt], schnell und unmittelbar die ‚Volksgemeinschaft‘ zu erreichen.“ Auf seine Initiative hin „verpflichteten sich alle großen Hersteller, [das ausgewählte Modell] gemeinsam zu produzieren“, wobei die Hauptarbeit beim Heinrich-Hertz-Institut und Gustav Leithäuser lag. Der Preis wurde bei 76 RM festgelegt und das primär entwickelte Modell wurde mit der Typbezeichnung VE 301 versehen – „als Reminiszenz an die nationalsozialistische Machtergreifung am 30. Januar.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der „Volksprodukte“ ein und erläutert den soziokulturellen Fokus sowie die Forschungsfrage nach deren ideologischer Funktion im Nationalsozialismus.
2. Überblick zur nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik: Dieses Kapitel skizziert die instrumentelle Rolle der Wirtschaft unter dem Nationalsozialismus, die auf Aufrüstung, Autarkie und Kriegsvorbereitung ausgerichtet war.
3. Der Begriff „Volk“ in der nationalsozialistischen Ideologie und Konsumgesellschaft: Es wird die zentrale Bedeutung des „Volks“-Begriffs für die Abgrenzung der „Volksgemeinschaft“ und die ideologische Ausgrenzung von „Fremdvölkischen“ und politischen Gegnern untersucht.
4. „Volksprodukte“ im Dritten Reich: Dieser Hauptteil analysiert exemplarisch, wie Konsumgüter genutzt wurden, um politische Ziele zu vermitteln und das Volk an das Regime zu binden.
4.1 Volksempfänger: Es wird dargelegt, wie das Medium Rundfunk zur propagandistischen Durchdringung der Gesellschaft eingesetzt wurde.
4.2 Volkskühlschrank: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Kühlschrank-Entwicklung im Kontext der Autarkiepolitik und der Modernisierungsvorstellungen, obwohl das Produkt die Planungsphase kaum überschritt.
4.3 Volkswagen: Die Analyse zeigt, wie das Automobil zum Symbol für den versprochenen Lebensstandard und die „Mobilisierung der Massen“ wurde, wobei die tatsächliche Nutzung während des Regimes ausblieb.
4.4 Volkswohnungen: Das Kapitel behandelt die Visionen für den sozialen Wohnungsbau als Zukunftsprojekt und Belohnungsversprechen für die Zeit nach dem Krieg.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Volksprodukte maßgeblich dazu dienten, durch die Inszenierung virtuellen Konsums die Unterstützung für das Regime zu sichern.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Volksprodukte, Nationalsozialismus, Volksgemeinschaft, Propaganda, Konsumgesellschaft, Autarkie, Volksempfänger, Volkswagen, Volkswohnungen, Ideologie, Wirtschaftspolitik, Vierjahresplan, Massenmobilisierung, Lebensstandard, Kriegsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der sogenannten „Volksprodukte“ im Nationalsozialismus und deren Rolle bei der Stützung der Regime-Ideologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die NS-Wirtschaftspolitik, die Ideologie der Volksgemeinschaft, propagandistische Konsumstrategien und die Planung von Produkten für die Zeit nach dem Krieg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu ergründen, inwiefern diese Konsumgüter dazu beitrugen, das Wertesystem des NS-Regimes zu legitimieren und die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählt eine soziokulturell-historische Perspektive und stützt sich dabei auf einschlägige Fachliteratur und historische Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden exemplarisch Volksempfänger, Volkskühlschrank, Volkswagen und Volkswohnungen analysiert, um ihre propagandistische Bedeutung und ihre tatsächliche Rolle im NS-Staat aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie „Volksgemeinschaft“, „Autarkie“, „Propaganda“ und „Konsum“ charakterisiert.
Warum wird der Volkswagen als besonders wichtiges Beispiel genannt?
Er gilt neben dem Volksempfänger als bekanntestes Volksprodukt und sollte laut Hitler als Symbol für einen gehobenen Lebensstandard und die Motorisierung der Massen dienen.
Warum blieb der „Volkskühlschrank“ ein gescheitertes Projekt?
Die Entwicklung scheiterte an einer Kombination aus kriegsbedingter Ressourcenknappheit, Konflikten zwischen Industriellen und der DAF sowie der Priorisierung von Rüstungsinteressen.
- Quote paper
- Veronika Firmenich (Author), 2014, Von Volksempfänger bis Volkswagen. „Volksprodukte“ im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/310927