Kann sich die Bedeutung einer Geschichte durch Wechsel des Erzählers ändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich die nachfolgende Arbeit. Homers „Odyssee“ wurde etwa im 8. Jahrhundert vor Christus verfasst, Ovids „Metamorphosen“ zirka 800 Jahre später. Beide sind einflussreiche Werke, die auch heute immer noch rezipiert werden. Im vierzehnten Buch zitiert Ovid die Odyssee, indem er die Verwandlung Odysseus‘ Gefährten, nicht aus Odysseus‘ Perspektive, sondern aus Macareus‘ Sicht schildert.
Insbesondere richtet sich die nachfolgende Analyse auf die Differenz der beiden subjektiven Perspektiven aus: Wie unterscheidet sich die Darstellung der Hauptcharaktere Odysseus, aber vor allem auch Kirke? Gibt es relevante inhaltliche Unterschiede, beziehungsweise Änderungen in den Darstellungen der Geschehnisse? Welche Bedeutung haben die Verwandlung, sowie die spätere Rückverwandlung an sich und in Bezug auf das ganze Werk?
Dabei liegt der Fokus auf den narrativen Elementen der Geschichte und erarbeitet so die unterschiedlichen Kerngedanken, die den beiden Erzählungen zugrunde liegen. Obwohl diese Arbeit auch den Zusammenhang zwischen den Verwandlungen und dem ganzen Werk sucht, fokussiert sie sich auf die Geschichte, von dem Erreichen der Gefährten auf Kirkes Gelände bis hin zum Verlassen von Kirkes Gestaden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erzähler
2.1 Odysseus: der Held
2.2 Macareus: der Rückverwandelte
3. Metamorphose
3.1 Das passive Erleben
3.2 Die durchlebte Metamorphose
4. Rückverwandlung
4.1 Odysseus' Heldentat
4.2 Die erlebte Rückverwandlung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Bedeutung der Erzählung von der Verwandlung der Gefährten des Odysseus durch Kirke verändert, wenn sie aus unterschiedlichen Erzählperspektiven geschildert wird. Dabei liegt der Fokus auf dem Vergleich zwischen Homers Odyssee und Ovids Metamorphosen, um die narrativen Unterschiede in der Darstellung der Hauptcharaktere und des zentralen Ereignisses herauszuarbeiten.
- Narratologischer Vergleich zwischen Homers Odyssee und Ovids Metamorphosen
- Analyse der Erzählerrollen: Odysseus als autodiegetischer Erzähler vs. Macareus
- Perspektivische Darstellung der Kirke als Göttin oder Titanin
- Vergleichende Betrachtung der Metamorphose und Rückverwandlung
- Identifikation der unterschiedlichen Kerngedanken in beiden Werken
Auszug aus dem Buch
3.2 Die durchlebte Metamorphose
Als die Gefährten bei Kirkes Behausung ankommen, rennen Wölfe, Löwen und Bären auf sie zu. Die wilden Tiere sind jedoch freundlich. Darin sehen die Gefährten keine Warnung, dass Kirke mächtig ist und auch mit ihnen machen könnte, was sie will. Kirkes Mägde empfangen die Gefährten. Macareus und die anderen Gefährten gehen allesamt in die Halle der Kirke. Sie begrüßt die Gefährten freundlich und lässt „[…] geröstete Körner der Gerste, Honig und kräftigen Wein und Quark […] mischen […]“. Darin mischt sie heimlich Säfte hinzu, deren Geschmack von der Süße verdeckt wird. Die Gefährten trinken das Gemisch, daraufhin berührt Kirke sie mit dem Stab am Scheitel und die Metamorphose beginnt. Macareus schämt sich von der Verwandlung zu berichten. Zunächst wachsen ihm Borsten, er verlernt Sprechen und kann nur noch grunzen. Sein Gesicht beugt sich der Erde zu und sein Mund verhärtet sich zu einem Rüssel, der Nacken erschwillt von Muskeln und die Hände betreten den Boden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie sich die Bedeutung einer Geschichte durch den Wechsel des Erzählers und den Vergleich zweier unterschiedlicher Epochen ändern kann.
2. Erzähler: Dieses Kapitel analysiert die Rollen von Odysseus und Macareus als intradiegetische Erzähler und deren subjektive Sicht auf die Ereignisse bei Kirke.
3. Metamorphose: Der Abschnitt befasst sich mit dem passiven Erleben der Gefährten und der detaillierten, subjektiven Schilderung des Verwandlungsprozesses bei Macareus.
4. Rückverwandlung: Hier wird Odysseus' Heldentat im Vergleich zur erlebten Rückverwandlung aus Sicht der Gefährten beleuchtet und der Vertrag mit Kirke untersucht.
5. Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass trotz gleicher Grundhandlung die unterschiedliche Gewichtung und Erzählweise zu abweichenden Aussagen der Werke führt.
Schlüsselwörter
Odyssee, Metamorphosen, Ovid, Homer, Kirke, Verwandlung, Rückverwandlung, Erzählperspektive, Macareus, Odysseus, Narratologie, Mythenrezeption, Metamorphose, antike Literatur, Epos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Erzählung der Verwandlung der Gefährten des Odysseus durch Kirke in den Werken von Homer und Ovid unterscheidet, abhängig davon, wer die Geschichte erzählt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die narratologische Untersuchung der Erzählerrolle, der Vergleich der Perspektiven von Odysseus und Macareus sowie die Bedeutung des Motivs der Metamorphose für die jeweiligen Gesamtwerke.
Welche Forschungsfrage verfolgt die Autorin?
Die Arbeit fragt, ob und wie sich die Bedeutung einer Geschichte durch einen Wechsel des Erzählers ändert und welche inhaltlichen Unterschiede in der Darstellung der Ereignisse dabei hervortreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf narratologische Aspekte konzentriert, um Unterschiede in der Perspektivierung und Motivdarstellung herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählerrollen, die Untersuchung des passiven und aktiven Erlebens der Metamorphose sowie die Darstellung der Rückverwandlung und der Rolle des Helden.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Literaturwissenschaft, Mythenrezeption, Narratologie und den Vergleich zwischen Homers Odyssee und Ovids Metamorphosen aus.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Odysseus und Macareus als Erzähler so wichtig?
Die Wahl des Erzählers beeinflusst maßgeblich die Wertung der Kirke: Während Odysseus sie als ebenbürtige Göttin sieht, semantisiert Macareus sie als böse, mächtige Person, was die traumatische Erfahrung der Gefährten unterstreicht.
Welche Rolle spielt die Metamorphose in Ovids Werk im Vergleich zur Odyssee?
Bei Ovid ist die Metamorphose das zentrale Strukturprinzip des gesamten Werkes, während sie in der Odyssee eher als episodisches Element zur Demonstration von Odysseus' Listigkeit dient.
- Arbeit zitieren
- Nathalia Rölli (Autor:in), 2015, Unterschiede von Erzählung und Verwandlung bei Ovids "Metamorphosen" und Homers "Odyssee", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/310229